Kingdom Come: Desperateness (Wortspiel!)

Der erste Computerspiel-Knaller anno 2018 heißt „Kingdom Come: Deliverance“, ist ein Rollenspiel mit starkem Fokus auf historische Korrektheit und kann polarisieren, nerven, abschrecken und massiv frustrieren. Was aber niemand zu ahnen wagte: Es sollte der Startschuss für eine bessere Zukunft werden.

Damals, ja damals, 2018, warfen Pubisher Spiele auf den Markt, die sowas von unfertig wie Fünf-Minuten-Eier in  lauwarmen Wasser waren. Das war eine üble Zeit, aber es war auch das letzte Jahr, in welchem sowas noch vorkam.
Echt? Wieso?
Nun, da die politische Sphäre sich mal wieder intensiv mit den Computerspielen beschäftigen musste, Stichwort „Lootboxen“,  schwang man bei den Eurokraten, im Trump-Kabinett und sogar in China jeweils Keulen mit noch größerer Reichweite, treu der Devise: „Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir auch gleich komplett draufschlagen.“
Aber Pappa, die drei hatten gleiche Gründe? Komm, Du flunkerst mich an!
Ja, die Gründe waren natürlich nicht gleich. Bei der EU war es ein Problem des Produkthaftungsgesetzes, wo die deutsche Industrie halt einen Wettbewerbsvorteil ergattern wollte. Sich gegen China und die Trump-USA zu wehren, war damals sehr in Mode, und bei Software gab es das halt bisher noch nicht.  Bei Trump wiederum war es echt einfach, als sein neue Pressesprecher ihm erklärte, dass die Unterhaltungsindustrie – zu der ja auch die Computerspiele gehören – halt der Exportschlager #1 der USA wären und dass man da quasi der Monopolist sei und den Handelkrieg ja sowieso kinderleicht gewinnen könne. Dass der Pressesprecher einfach nur kostenlos an ein ein paar X-rated Games kommen wollte, wusste Trump nicht, aber das war ja nichts Ungewöhnliches. Als der Pressesprecher dann ein halbes Jahr später volljährig wurde, schmiss er hin, aber das präsidentielle Dekret sowie die Abstimmung in beiden Häuser – dank der NRA halt auch FÜR Killerspiele – war halt in Stein gemeißelt. Tja, und bei China war es noch simpler: Man war bisher ein weißer Fleck, wollte dies ändern, stellte die Kopiermaschinen an und kaufte know-how ein… tja, wie immer halt.
Und das passierte alles wegen Kingdom Come: Deliverance?
Ja, schon irre, aber es war natürlich kein Frage des Systems oder der Logik, es ging einfach nur darum, dass zahlreiche Leute sich halt tierisch über das Spiel aufregten.
Achso, ja welche denn?
Uh, die Liste ist lang. Also erstmal beschwerte sich der Bund der Vertrieben, allen voran Erika Steinbach, die hatte zwar nix damit zu tun, beim Wort „Böhmen“ wachte sie halt wie gewohnt auf, entstiegt ihrem hölzernen Bett und wetzte ihre Zahne und Klauen. Dann beschwerte sich die katholische Kirche, weil sie nicht gut im Spiel wegkam, so vonwegen Korruption, Machtmissbrauch und so Sachen halt… tja, und dann meckerte auch noch 4Players, wo der liebe Jörg voll abgenervt war. Bei STEAM und in den Foren wiederum brachten vor allem die Gamestopper die Spieler auf die Palme, die zahlreichen Bugs sorgten  für eine minütlich wachsende Anzahl an Funny Videos bei Youtube…
Youtube?
Achso, ja so hieß damals die Video-Plattform, war halt noch nicht alles unter einem Dach so wie heute mit Amafacetube. Na jedenfalls zeigten viele Blogger, Youtuber usw. auf, dass das Spiel schlicht nicht fertig war, als es veröffentlicht wurde. Da auch nicht die Ausredenkarte namens „Early Access“ gezogen werden konnte, standen die Warhorse Studios und Publisher Deep Silver komplett unter Feuer.
Ja aber seit wann sorgt denn Empörung dafür, dass sich Missstände ändern? War das damals 2018 echt noch der Fall?
Nein, Protest und Frust von Kunden, Käufern und Journalisten zälten damals schon fast nichts mehr, und es hätte sich wohl auch nichts getan oder gar geändert, wenn, ja wenn nicht Söhne und Töchter von Spitzenpolitikern eben auch vom Kingdom Come: Deliverance frustriert gewesen wären und sie deshalb ihre Eltern damit behelligten. Und wenn schon Fakten und Logik nicht zählen, dann doch wenigens die Emotionen… tja, und gerade in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrzehnts war das brandaktuell, einer derTrends schlechthin, fast schon ein allumfassendes Paradigma – außerhab der wissenschaftlichen Sphäre natürlich.
Hehe, so ein Blödsinn, Pappa, schön doof, oder?
Ja und nein, Emotionen sind nicht schlau oder doof, sind ja weder rational noch eine Geistesleistung. Emotionen brachten den Menschen in der Evolution nicht voran, waren aber steter Begleiter, quasi das Feuer unterm dem Hinterteil.
Auch bei so langweiligen historischen Rahmen wie bei dem Spiel?
Hehe, ja, schon allein die Idee, ein Rollenspiel im Jahre 1403 anzusetzen und es in einen historisch relativ genauen Rahmen zu setzen, war schon sehr ungewöhnlich in der Zeit der Superhelden, übertriebenen Action und großer Einfallslosigkeit. Da setzte Kingdom Come: Deliverance wahrlich mal einen Felsbrocken in den Trend-Strom… war halt leider auch so geschmeidig wie der Felsbrocken. Die typische saudumme künstliche Intelligenz gab es genau so wie unfassbar viele Grafik- und Physik-Fehler und dies auch weit jenseits aller technischen und technologischen Zugeständnisse beim Programmieren.
Das heißt?
Für ein nicht allzu großes Studio oder Team eine für alle möglichen Sprachen genaue Lippen-Synchro zu realisieren, war damals unmöglich, das wurde ja erst mit der Unreal6-Engine anno 2025 zum Standard, aber eine „historisch korrekte Welt“, die ganz ohne Kinder daherkommt? Ohne Raubtiere im Wald? Ohne Insekten, Nagetiere und Vögel? Mit Gegnern, die drei Pfeile in den Schlagarm des Schwertes geschossen bekommen und trotzdem wie blöd auf den Spieler zustürmen und mit dem Schwert zuschlagen? Na und dann die Kollisionsabfrage… ohjee!
Lass mich raten: NPCs latschen durch Objekte, Gegenstände nehmen keinen Raum ein, Treffer zählen nicht und Gegner blockieren sich gegenseitig?
Japp, das volle Programm! Und daher nervten die Kinder die Spitzenpoltiker eben diese auch so intensiv… und als dann selbst auf dem G7-Gipfel im Juni alle Off-Topic-Gespräche sich darum drehten, mussten die Politiker einsehen, dass sie vielleicht mal auf die Jungend, also auf die unter 40 Jährchen, hören sollten.  Nicht aus Überzeugung natürlich oder aus Respekt, sondern einfach, um mal Ruhe zu haben… ja, Emotionen können nützlich sein.
Aber nur meckern hat nicht gereicht, oder doch?
Nein, hat es nicht, was auch verständlich war, denn meckern kann ja jeder… ja, speziell damals tat es auch jeder. Doch die, welche auf dem Mecker-Empfang-Ohr halt mittlerweile taub waren, mussten auch irgendwie erreicht werden. Erfreulicherweise hatte Kingdom Come: Deliverance auch so viele positive Aspekte: Das kreative Questsystem, welches die Mitbewerber von Bioware und Bethesda echt alt aussehen ließ, wäre da vornehmlich zu erwähnen. Auch die tollen Sprecher und fein erzählten Storydetails,  die partiell wunderschöne Landschaft, das komplexe Kleidungs- bzw. Rüstungssystem, die auch mal ungewöhnlichen Skill-Trees… ja, es gab schon echte Highlights. Und als just diese dann halt gen Mitte des Jahred auf der brandneuen Plattform happyandnicetube.com gepusht wurden und von Social-Media-Profis und Influencer
Pappa, weniger Dummlaberworte bitte!
Ja, tut mir leid, also ich meinte ungelernte, gelangweilte, sozial-verstoßene MitbürgerInnen in ihrer reichhaltigen Freitzeit dieses Projekt unterstützten, was ja kein Problem war, denn der Aufwand
war ja damals schon ein minimaler, war der Stein des globalen Anstoßes ins Rollen gebracht und die große Freu-dich-doch-mal-und-zeige-auf-lustige-Weise-Verbesserungen-auf-Bewegung… ganz simpel z.B. mit einem Bild.


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