Das Scotch-Duell: Part III

Cheers! Junge Rauchbomben: Finlaggan OR vs. Smokehead

Rauchige Scotches liegen im Trend, weltweit herrscht eine große Nachfrage und so verwundet es nicht, dass die Platzhirsche namens Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig auch „Noname-Konkurrenz“ bekommen haben. Zwei dieser Vertreter stehen heute im Fokus.

Den Namen „Finlaggan“ kennen Whiskykenner schon seit vielen Jahren, es handelt sich um ein altes Schloss samt See auf der Insel, die für ihre rauchigen Scotches berühmt ist. Wie  der Finlaggan Old Reserve (FOR) stammt auch der „Smokehead“ von Islay und wie auch beim Finlaggan ist nicht klar, aus welcher Destille er denn nun eigentlich kommt. Es gibt viele Gerüchte, viele Mutmaßungen, doch die sogenannten unabhängigen Abfüller, die LKW-ladungsweise zu einer Destille fahren, um dort Fässer befüllen zu lassen, dürfen die Quelle nicht angeben – dies öffnet Spekulationen natürlich Tür und Tor. Eines aber sei hier ganz klar gesagt: Selbst wenn man den Brennereicharakter glaubt erschmeckt zu haben, trügt dieses Geschmacksbild, denn kleine Änderungen während des Destillationsprozesses sorgen für enorme Unterschiede, sodass man wunderprächtig in die Irre geführt werden kann. Ob Caol Ila oder Bowmore, ob Laphroaig oder Lagavulin – man kann nicht erschmecken oder erriechen, woher FOR und Smokehead stammen.

Kategorie 1: der Rauch
Wer auch immer die beiden Kandidaten destilliert hat, sie reifen ließ, sie verdünnte und schließlich abfüllte, tat dies erfolgreich, so denn eine sehr, sehr intensive Rauchigkeit das Ziel war. FOR und Smokehead erzeugen schon kurz nach dem Öffnen eine Rauchduftwolke im Raum, die schwer, intensiv und erst einmal alles andere überdeckend ist. Das kann abschrecken, ein Naserümpfen ist bei absoluten Whisky-Neulingen keine Seltenheit, aber man sollte sich auf den Duft einlassen!
Beim FOR wirkt der Rauch frisch, erinnert an ein recht heißes Lagerfeuer, ist mild und keinesfalls aggressiv. Müsste man den ppm-Wert („parts per million“) erraten, würde man wohl auf 35 bis 40 tippen, zum Vergleich: dem Ardbeg 10 werden 40 und dem Laphroaig 10 deren 45 nachgesagt. Eine feucht-aromatische, eine maritime Note ist vorhanden, eine Tendenz zum Medizinischen ist zu erschnüffeln. Ähnliches lässt sich auch für den Smokehead vermerken, er wirkt aber etwas süßer, etwas gesetzter mit einem Tick mehr dieser besonderen, aromatischen Medizin-Note („phenolisch“).
Neben dem Rauch sind kaum weitere Aromen zu erreichen, so sehr man sich auch anstrengen mag, eine Komplexität ist nicht zu finden. Beim FOR kommt nach einiger Zeit eine gewisse Holznote durch, dazu eine leichte, florale Süße. Beim Smokehead bleibt die Eiche aus, dafür ist eine tiefe Süße festzustellen, sogar ein Hauch von Karamell. Sonderlich mehr haben die beiden jungen Rauchbomben nicht zu bieten – zu wenige Jahre lagen sie schließlich im Fass.

Kategorie 2: der Geschmack
Wenige Jahre im Ex-Bourbon-Fass (sicherlich nicht First-Fill, sondern eher 2nd- oder 3rd-Fill) bringen nicht viele Aromen mit, Kaffee und Vanille sind erwartungsgemäß nicht zu schmecken, es geht bei FOR und Smokehead ganz geradlinig zu. Den Torf-Rauch schmeckt man bei FOR ganz klar, recht schnell kommt auch eine leichte Holzigkeit heraus, zudem sogar eine dezente Bitternote. Den Alkohol merkt man, trotz der nur 43 Volumenprozente, durchaus deutlich, aggressiv ist er aber nicht, es ist eine harmonische Mischung, wenn auch keine voluminöse. Anfänglich etwas ölig, dann mit deutlicher Kraft samt Würze und auch einer gewissen Schärfe knallt der Smokehead auf den Gaumen. Der Rauchgeschmack ist sehr stark, die Süße deutlicher, das Volumen größer – und dies obwohl auch der Smokehead nur 43 Volumenprozente aufweist. Er ist, v.a. im direkten Vergleich ganz klar zu erschmecken, der deutlich intensivere Scotch, der ganz nebenbei keinerlei Trockenheit versprüht und auch nur wenig Eichenfracht mit sich bringt. Der Smokehead ist wuchtiger und auch phenolischer als der FOR, schmeckt wilder, aber nicht „älter“.

Kategorie 3: der Abgang
Leicht, etwas holzig-trocken und mit klarer Rauchnote verabschiedet sich der FOR vom Gaumen. Mehr als „mittellang“ ist der Abgang nicht, doch keine unschön dominante Note verdirbt den Geschmack. Was man beim Duft schon vermutet hat, wird vom Abgang verstärkt: Ein ganz so junger Scotch ist der FOR tatsächlich nicht.
Der Abgang des Smokeheads ist die logische Konsequenz aus Duft und Geschmack, alle Eindrücke setzen sich wie erwartet fort, länger und aromatischer als beim FOR geht es hier zu, zudem wärmt der Smokehead auch mehr, sogar ein leichtes Glühen lässt sich feststellen. Rauch-Fans dürften dem Smokehead sicherlich eine „gefährliche Süffigkeit“ attestieren.

Zieleinlauf
Die Ansprüche erfüllen beide Kandidaten ohne Zweifel und angesichts der mehr als fairen Preise sind FOR und Smokehead auch absolut einen Kauf wert. Der Rauchkopf aber gewinnt das Duell knapp, weil er etwas aromatischer, etwas komplexer und intensiver ist. In der „Rock Edition“ gibt es den Smokehead übrigens in einer optisch sehr auffälligen Totenkopf-Design-Metalldose, für Sammler ist diese Version sicherlich interessant. Den FOR gibt es nur in einer simplen Papp-Schachtel, dafür aber gebührt ihm der Titel der wohl preiswertesten Rauchbombe überhaupt, denn bei großen Supermärkten und natürlich auch in diversen Onlineshops gibt es ihn schon für 23 Euro – für weniger Geld kommt man nirgends an eine Flasche sehr rauchigen Single Malts, die qualitativ auf diesem wirklich guten Niveau liegt.

Randnotizen
Junge, sehr rauchige Scotches, die kein Loch in die Geldbörse reißen, gibt es noch einige andere. Erstmal natürlich den „Finlaggan Original Peaty“, der noch jünger und geradliniger ist. Dann gibt es noch die Cask Strength, eine absolut brachiale Abfüllung, die auch durch Süße und BBQ-Aroma überzeugt. Der 10-jährige Laphroaig darf natürlich nicht fehlen, schließlich ist er auch für unter 30 Euro zu haben und wirklich ein toller Tropfen. Wer es etwas milder und maritimer mag, sollte den Tomintoul Peaty Tang probieren, samtig mild ist dieser, für etwa 25 Euro ein echter Preisbrecherscotch. Aus der ältesten Destille auf Islay stammt der Bowmore Legend – 8 Jahre, etwas wild, mittelrauchig, mit einem spürbaren Einfluss von Sherry. Rundum reifer und komplexer ist dann der klassische Bowmore 12 yrs, eine echte Rauchbombe ist dieser aber schon nicht mehr.

JS für Orthy.de, C2014