Bye, bye OCZ

Mit dem anstehenden Insolvenzantrag von OCZ verabschiedet sich womöglich ein weiterer „großer, alter Name“ aus dem Geschäft. Wieder wird ein Stein aus der großen Herstellerwand herausgerissen – so ganz überraschend kommt dies aber nicht: Wer den Lauf der Dinge der letzten Jahre beäugt hat, konnte etwas Derartiges schon eine ganze Weile lang vermuten.

 

 

Wer vor 10 Jahren „etwas auf sich hielt“, wem Geschwindigkeit wichtig war und wer gern an der Takt-Schraube drehte, hatte ein Abit-Mainboard, eine Samsung-Festplatte, einen Dual-Core von AMD und natürlich RAM von OCZ. Erstgenannte Marken gibt’s nicht mehr, OCZ wird folgen, wobei, wenn man ehrlich ist, OCZ sowieso seit geraumer Zeit nicht mehr das ist, was es früher mal war.

Auch vor 10 Jahren, oder auch vor 4, als OCZ noch RAMs herstellte, stellte man die RAMs natürlich nicht selbst her, weshalb „Hersteller“ auch ein falscher, aber eben gern benutzter Begriff war. OCZ hat damals schon bei den großen Chip-Herstellern (Micron, Powerchip, Nanya etc.) nur die Module gekauft, sie auf ein gescheites PCB gesetzt (gern Brainpower) und dann mit einem OCZ-Sticker versehen. Das lief nicht anders als man USB-Sticks „baute“,  als man Netzteile „herstellte“, die Marke „PC Power & Cooling“ kaufte, als man plötzlich CPU-Kühler (unvergessen der „Vendetta 2“) verkaufte oder Mäuse an den Zocker brachte („Behemoth“), dem Kerngeschäft namens RAM blieb man aber immer treu, es war die Basis, man hatte ich schnell einen guten Ruf erarbeitet, v.a. natürlich unter den OC-Freunden.

Die alles änderte sich, als man ins SSD-Geschäft einstieg. Als ich, es müsste 2008 gewesen sein, über die GC schlenderte und mit Tobias Brinkmann über Lüftergeschwindigkeiten, PWM-Support, Dual-Fan, Nager-Software und RAM-Kühler sprach, machte Tobias einen etwas unruhigen Eindruck, war einerseits euphorisch bzgl. der anstehenden SSD-Welle, deutete aber auch an, dass die Entwicklungen bei den anderen Produktkategorien wohl etwas schleppend voranhingen. Ich wollte auf dem „Gladiator Max“ einen anderen Lüfter sehen, nicht den röhrenden Standard-ADDA 1212DX, Tobias machte mir aber keine große Höffnung, dass eine Version erscheinen würde, die ein größeres Drehzahlband aufweist, auf ein gescheiter Gleitlager setzt oder gar noch beleuchtet ist. Das war sehr schade, denn der Gladi Max hatte Potenzial, auch wenn er, wie quasi alle HDT-Kühler, aus der Fertigungsstraße von PCCooler stammte. Als später die Zusammenarbeit mit Fatal1ty begann, als ein geplanter VGA-Kühler aber nie erschien, als diverse Dual-Channel USB-Sticks nicht realisiert wurden und OCZ unfassbarer Weise aus dem RAM-Geschäft ausstiegt, war vielen Nutzer schon klar: „Oha, das kann nicht gut gehen!“

Nicht der Nutzer übertaktete fortan mit OCZ, sondern OCZ übertaktete SSD-Controller und Chips – die Ausfallraten stiegen, das QM ließ zu wünschen übrig, mit der heimlichen NAND-Umstellung bei der Vertex2 vergraulte man viele bis dahin eigentlich recht zufriedene Kunen. Man wollte die Low-Cost-SSD-Schiene fahren, hatte anfänglich Erfolg, doch als die BigPlayer Samsung und Crucial ernst machten, als Sandforce gekauft, aber nicht verbessert wurde, brach das Vertrauen der Nutzer weg, wurden ähnlich aufgestellte Hersteller wie Corsair, ADATA und Kingston immer stärker. Seit 2011 gibt es den Spruch „Wenn Du Datensicherheit willst, kauf dir keine OCZ-SSD!“ – das ist fatal für eine Marke.


Was Toshiba mit der Marke OCZ anstellen wird, kann man vorab noch nicht sagen, es ist aber zu vermuten, dass man den „verbrannten“ Namen nicht am Leben lassen wird. Und so wird sich OCZ in die „Todes-Reihe“ zu Abit, Epox, MDT, DFI, Verax, Aopen, Soltek, Chaintec, Soyo und QDI begeben, als Echo in den Köpfen von Oldschool-Nutzern bleiben und sich vielleicht da und dort man in einem Retro-System wiederfinden. Schade.

JS für Orthy.de, C2013

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