Offline: Teil 1 – Datenchaos (Update)

Dysfunctional excess, Is all it took for my success

Was hier im Großen passiert, geschieht mit privaten Daten fast täglich. Facebook wirbt unverholen mit den Profilen seiner Mitglieder auf anderen Sites, der „Gefällt-Mir-Button“ trackt das Surfverhalten und speichert es im Facebook-Profil. Es wird dann genutzt, um noch passendere Freunde, Apps und Werbung für den Nutzer zu finden, aber auch um mit dem Benutzerprofil effektiver werben zu können. Andere tun dies ähnlich.

Reduziert auf Dich und mich, hat die soziale Datenteilung ganz andere Folgen. Hochtrabend wird von Lobbyisten über Urheberrechte und Copyright-Acts geschwelgt. Großspurig werden hinter verschlossenen Türen ACTA-Abkommen mit tausenden Seiten gebaut. Das Urheberrecht ist eines der kompliziertesten Gesetzestexte und es wächst. Wie sieht es mit einfachen Grundrechten aus? Das „Recht auf das eigene Bild“ wurde im Zuge von Pressefreiheit und Urheberrecht immer weiter eingeschränkt und es fällt schwer, dieses im Internet, das nie vergisst, weiter durchzusetzen. Ich schätze mal, dass rund die Hälfte der Deutschen nicht weiß, was das für eine Maske ist, die auf diesen Anti-ACTA-Demos getragen wurde. Kaum einer wird wissen, was in ACTA stand und noch weniger wird es wirklich interessieren.

In den meisten dystopischen Fiktionen geht es nicht darum, dass ein Staat Menschen  wahllos tötet, sondern um Kontrolle. In „V wie Vendetta“ reisst V dieses gebilde ein, in 1984 folgt Winston einem einfachen Instinkt, der zu „Ungehorsam“ führt und (etwas populärer) in Matrix sind die Menschen selbst nur Daten und werden aus einer reinen Welt aus Daten befreit.

Die meisten Verstöße gegen geltendes Recht passieren wahrscheinlich nicht einmal mit Absicht. Längst kann man Grundsätze „Was gerecht ist, ist vermutlich richtig“, oder „Behandle den anderen, wie Du selbst behandelt werden willst“ usw. komplett vergessen.Das Recht ist in dieser Hinscht weder logisch, noch begreifbar . Unter totaler Kontrolle bist Du, wenn Du nicht mehr weist, welche Informationen über Dich, Deine Familie und Deine Freunde herum schwirren, Du Dir aber bewusst bist, dass immer und jederzeit ein Staatsorgan diese Informationen zücken kann, um Dich beliebig hart zu bestrafen. Ob China, Iran oder in einer beliebigen anderen Dikatatur wird das so gelebt.

Die aktuellen Ausschläge des Deutschen Staates im Hinblick mit dem Umgang pesonenbezogener Daten:
1. Die „Idee“, die Schufa dürfe Facebook-Daten für den Schufa-Index abfragen und nutzen
2. Das neue Meldegesetz, rechtskräftig, besagt, dass die Meldesätze der Einwohnermeldeämter an jedes Unternehmen weitergegeben werden dürfen. Nur wenn man dem widerspricht, darf as nicht mehr passieren. Und, heute schon widersprochen? Freuen wir uns, im harmlosesten Falle, noch auf eine Flut von „Müllpost“.

Wie schaut es mit Gesetzen gegen Cybermobbing  (-bullying) aus?
Für das Verhindern von Identitätsklau ist nicht etwa die soziale Plattform verantwortlich, sondern derjenige, dessen Identität „geklaut“ werden könnte. Ich muss also täglich alle sozialen Plattformen abgrasen, um zu schauen, dass keiner mit meinem Leben Schindluder treibt. Und dann ist der Täter auch noch unheimlich schwer zu bekommen, denn die berühmte „Vorratsdatenspeicherung“ betrifft aktuell eben nicht die sozialen Plattformen. Da wo diese dem Normalbürger nützen würde, wird sie nicht implementiert.

Während also eine Politik ACTA-Abkommen und Urhebberechts-Gesetz-Monstren erschafft wird nichts für den Schutz (oder gegen den Missbrauch) privater Daten im großen Informationsnetz getan.

Aber warum funktioniert das? Platt aber wahr: Menschen sind dumm und faul. Auch die Intelligenten. Facebook ist bequem, es ist schnell, es ist selbsterklärend. Mit seinen Gimmicks und Apps kann man sein gesamtes elektronisches Sozialleben hier abwickeln. Man benötigt keine E-Mails, keine eigene Website. Man braucht nicht mal einen PC, ein einfaches Smartphone reicht. Facebook ist aber auch ohne Alternativen. Andere wollen doch nur das gleiche. Google+ ist ein derartig offensichtlicher Abklatsch mit ein paar netten neuen Ideen, dass es schon weh tut.  Die VZ-Netzwerke machen nicht einmal einen Hehl daraus. Entsprechend sind diese Klone unterbevölkert und damit langweilig. Dann wären da noch die „Gegenentwürfe“. Diaspora zum Beispiel als Idee des „Sicheren Social Networking“. Super Idee, leider schon im Ansatz falsch, weil unlogisch. Diaspora ist nicht schnell und einfach. Es gibt dem Anwender die Kontrolle über seine Daten und lässt ihn mit dieser Verantwortung alleine.

All in all we are just another brick in the wall

Der eine sagt: Ich gebe dem Internet nur jene Informationen, die ich möchte – und das ist nicht viel und vor allem nicht viel Sinnvolles. Der nächste sagt: Ich mache einfach nicht mit. Kein Facebook, kein Google+, kein Youtube und keine Cookies in Online-Shops.

Das Ärgernis daran ist, dass man sehr viel mehr Bewusstsein bei der Verbergung eigener Informationen haben muss, als bei der Preisgabe. Für die „Golbal Player“ ist jeder Nutzer nur ein kleines Sandkorn, doch gleichzeitig ist er wie Goldstaub. Die Informationen sind handelbar, sie sind wertvoll für Unternehmen und Staaten. Die Verlockung ist groß!

Längst durchstöbern Chefs Facebook und gewichten die dort gefundenen Informationen genauso schwer, wie eine gesamte Bewerbungsmappe. Längst werden hier die Schwächen von Menschen gezielt gesucht und aufgegriffen. Jüngst will die Schufa (!) Soical-Media-Daten in die Bonitätswertung „einfließen“ lassen. Spätestens wenn es keinen Kredit mehr fürs neue Auto gibt, weil Du nicht bei Facebook bist, wird sich die Welt ein weiteres Mal gedreht haben. Die Polizei ermittelt über Facebook, postet Täterprofile und nimmt Hinweise entgegen.  Terroristen werden nicht in Hideouts in den Innenstädten gesucht, sondern im Internet. Urheberrechtsanwälte durchforsten die Plattformen nach Verstößen und mahnen gnadenlos (und teuer) ab. An eine „Obergrenze“ für Abmahnungen müht sich Väterchen Staat schon seit einer Dekade ab. Eine Lösung des Problems, dass hier (private) Abmahnanwälte mit zweifelhaften Mitteln Rechte durchsetzen, anstatt ein staatliches Organ, würde einen ganzen Wirtschaftszweig sterben lassen.

Kein Polizist sucht in den Plattformen nach Menschenrechtsverstößen. Die Gerichte tun sich schwer in den Fällen des Cybermobbings. Dem Verhalten der Unternehmen in den  sozialen Plattformen nach „Dreck“ ihrer Mitarbeiter zu stöbern, wird kein Einhalt geboten. Und nachdem sich Facebook und Co an meinen Daten gesund gestoßen hat, indem es mit meinen Vorlieben Werbung macht, springt auch noch der eine oder andere Euro für einen Abmahnanwalt dabei raus.

She took my silver spurs a dollar and a dime, And left me cravin‘ for more summer wine

Eine Diskette. Klein, handlich, handhabbar und über 20 Jahre mit jedem PC kompatibel. Theoretisch käme ich heute noch an meine Daten und wenn sie niemand aus meiner Wohnung klaut, kommt sonst  kein anderer ran. Doch die Daten sind längst verschwunden. Besser ist die CD- oder DVD-ROM. Tausende Jahre sollen die Daten hier halten.
Das Internet. Es vergisst nicht. Es zerkatzt nicht. Es ist nicht licht- oder hitzeempfindlich und es ist voll mit Unternehmen, die mir die Füße küssen, wenn sie meine Daten haben dürfen.

Doch zu dieser wunderschönen Welt der gespeicherten Kultur fehlt mir das Vertrauen. Ganz im Gegenteil, diese Unternehmen beweisen nahezu täglich, dass sie dieses Vertrauen nicht verdient haben. Social-Media hält der „Alles Kostenlos“ und Internet-Schnäppchen-Kultur den Spiegel vor und zeigt die hässliche Fratze, die entsteht, wenn man alles haben möchte, aber nichts dafür geben.

Und von der Datensammelwut wollen letztlich die Staaten auch noch etwas haben, weshalb die Motivation hier etwas „soziales“ zu machen eher gering ist.

Und so gilt auch im Jahre 2012 noch eines der am häufigsten zitierten Gesetze der IT-Sicherheit: Der sicherste Ort für vertrauliche Daten ist…

offline.

PCO(2012)

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