Offline: Teil 1 – Datenchaos (Update)

Heiter bis wolkig mit Aussicht auf Hackerangriffe

Der gleiche Wildwuchs in der „Cloud“. Zig Dienste sprießen wie Dropbox-Klonkrieger aus dem Boden. Angefangen hat das ja mal mit dem Dropbox-Erfinder, der einfach seine Studienunterlagen überall haben wollte und sich ein Laufwerk „ins Netz“ gelegt hat. Das ist nichts wirklich Neues. Man nehme einen Webspeicher mit WebDAV oder wenigstens SFTP und schiebe seine Daten dort hin. Mit einem Synchronisationswerkzeug halte man sämtliche Daten zwischen der eigenen Computer-Festplatte und dem Onlinespeicher synchron. Dies macht man dann so auf jedem Computer auf dem man die Daten permanent und schnell braucht. Will man nur mal gucken oder braucht es nicht so schnell, so arbeitet man gleich komplett im Online-Speicher.
Das ist das Killerfeature einer Cloud. Alles andere ist schmückendes Beiwerk.

So schön könnte die bewölkte Datenwelt sein, doch auch die Cloud hilft mir nicht bei meiner Sucht. Nehme ich Dropbox bekomme ich einen  Wetterdienst der in den USA sitzt und mit keiner Silbe verspricht sich meine Daten nicht anzuschauen (oder anderen Schabernack zu treiben). Alle anderen Wolkengeneratoren laufen auf dem einen oder dem anderen Betriebssystem nicht, da fast alle proprietäre Systeme verwenden und es noch keinen einheitlichen Cloud-Standard gibt. Apples iCloud beispielsweise ist wieder typisch Apple. Hochkomfortabel, super integriert aber nur mit Apple kompatibel. Nicht einmal einen Windows-Client gibt es dafür. Schade.

Aber die Cloud “kommt”. Cloud-Applikationen, Cloud-Gaming… und die zugehörigen Daten sind Online. Das wird so schön!

Meine Daten, Deine Daten, Seine Daten

Wem gehören welche Daten eigentlich?

Beispiel: GEMA versus Youtube. Die GEMA möchte, nicht zu Unrecht, dass, wenn ein Werk eines Mitglieds der GEMA gespielt wird, einen Obolus ab haben  – 0,6 Cent pro „Abspielung“.

Eines der erfolgreichsten Videos der Youtube-Plattform aller Zeiten hatte rund 150 Millionen Klicks. Für die GEMA wären das dann rund 800.000 Euro. Davon sollen dann sämtliche Kosten, direkte und indirekte bezahlt werden.
Die GEMA besteht auf ihrem Standpunkt, dass sie den Preis „ihres“ Produktes selbst festlegen dürfen sollte. Google ist der Meinung, die GEMA kann froh sein, wenn sie den Cent bekommt und sich eher an den Hosting-Kosten beteiligen sollte. Verdrehte Welt.
Das Beispiel ist etwas ungeschickt, denn das Verkaufsmodell der GEMA ist ebenso zweifelhaft, wie der Datenkommunismus hinter Youtube. Beide haben Recht im Unrecht.
Wo die GEMA aber Recht hat: Der Künstler muss auch in der schönen neuen digitalen Welt weiterhin das Recht haben, zu entscheiden, was mit seiner Kunst passiert , wer sie konsumiert und wer daran verdient.
Das von den mittlerweile Internet-Kommunismus-Erblindeten ins Feld geführte Argument, dass Künstler und vielleicht sogar ihre Nachkommen ja hierdurch ewig an einem erfolgreichen Titel verdienen ist Unfug. Zwar ist natürlich Kunst ein Kulturgut und damit Allgemeingut, auf der anderen Seite, ist eine Musik so genial, dass sie auch in hundert Jahren noch gespielt wird, ist es nur gerecht, dass die Familie des Künstlers auch weiter davon profitiert.
Internet-Kommunismus ist übrigens nicht das was die sozialen Plattformen propagieren. Sie wollen maximale Kohle mit minimalem Aufwand. Auch jene, die am lautesten protestieren, sind keine guten Kommunisten. Sie wollen einfach nur alles geschenkt. Sie verwechseln die kommunistische Freiheit zu teilen was mir gehört, mit der Freiheit sich alles zu nehmen, was mir nicht gehört. Ginge es ihnen selbst an die Früchte ihrer Arbeit, sie würden ganz andere Folklore singen.

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