Offline: Teil 1 – Datenchaos (Update)

Der Fall „Soziale Netzwerke“

Facebook ist eine Forensoftware, wie es sie schon seit über 10 Jahren gibt, mit einer sehr stark ausgeprägten Community-Funktion und diversen „Features“ drum herum, die den sozialen Effekt verstärken. Die Idee ist also nicht gerade neu, aber phantastisch! Wäre Facebook ein redliches, offenes und menschenfreundliches Unternehmen, welches seine Dienste aus einem Quentchen Werbung und Spenden finanzieren würde, mit bescheidenen Ansprüchen an Profit und Wachstum, der Friedensnobelpreis wäre Mark Zuckerberg sicher.

Doch das ist es nun mal leider nicht. Facebook, Google+, Youtube, VZ, Twitter, Xing, Stayfriends und viele andere existieren von den Inhalten ihrer Nutzer. Ohne Daten währen diese Netze wüst, leer,  unprofitabel und würden sterben. Das Kapital sind also die Benutzerdaten. Je mehr und je transparenter , umso besser.

Eine soziale Plattform dazu zu zwingen, den Benutzer seine Daten schützen zu lassen, ist wie einen Metzger dazu zu zwingen, nur halb so viel Tiere zu schlachten.
Eine soziale Plattform, die die Daten ihrer Nutzer für nichts weiter einsetzt, als für den reinen Nutzen der Anwender, ist wie oben genannter Metzger, der einzig artgerechte Schlachtung macht.
In einer Welt in der soziale Plattformen und Fleisch nichts kosten dürfen, würde ein solcher Metzger kaum eine Zukunft haben.

Und so wird aus dem redlichen Handwerk des Metzgers eine Industrie, die ihre Pressfleischerzeugnisse jedem anbietet der dafür zahlt. Unter dem Strich sind soziale Medien, oder noch weiter gefasst das Internet, nicht der richtige Ort, um vertrauliche Daten abzulagern.

Facebook ist der vermeintliche Ausweg für  den Datenjunky. Man „added“ alle Freunde und „connected“ sie im Android-Smartphone. Pflegeaufwand gleich null. Die Verbindung zwischen Facebook und den SIM-Kontakten des Telefons sorgt für immer aktuelle Daten. Und die Pflege wird zu den anderen verlagert. Toll! Das ganze wird im GMail-Adressbuch verheiratet (Google Contacts) und zusammengefahren. Da Google nun auch eine Social-Media-Plattform hat, muss man wohl oder Übel auch noch Google+ ins Haus lassen (wieder ein Ort wo somit Daten „liegen“). Dazu noch Xing, ein bisschen Twitter und die guten alten „handgepflegten“ Kontakte.

Am Ende des Tages kennen mindestens 3 soziale Plattformen alle meine Freunde und annähernd mein gesamtes soziales Umfeld und Netzwerk.

Soziale Daten?

Ursprünglich hatte der Einstieg in die schöne soziale Welt des Internet ja ein Ziel. Die Frage, die ich mir nun einmal stellen muss ist, ob dieses Ziel erreicht wurde. Hat das soziale Netzwerken mir etwas gebracht? Auf sozialere Ebene gehörst Du ohne Facebook nicht mehr dazu. Jede zweite Site ziert ein Like-Button und nie wurdest Du so derart geliked für Deine völlig dummen Hobbies. Heute kannst Du,  wenn Du magst, mitkriegen, wie Harald G. aus B. in einem Nachtklub einen abseilt und sich dabei mit seinem Handy fotografiert – wenn Du möchtest.

Ja, mein soziales „Umfeld“ ist größer geworden und ja, ich habe mehr Facebook-Bekanntschaften, als ich überhaupt je Bekanntschaften hatte. Ich unterhalte mich in Facebook in meiner Freizeit mit Menschen, denen ich nie meine Freizeit geopfert hätte, lasse Menschen an meinem Leben teilhaben, die mich gar nicht interessieren und pflege Freundschaften zu Leuten die nicht meine Freunde sind.