Offline: Teil 2 – Facebook

Facebook: Soziale Verantwortung, nicht nur Plattform

Die oben geschilderten Probleme sind nur ein grober Abriss dessen, wo die Probleme mit unseren „harmlosen Daten“ liegen. Das Konglomerat aus den bereitgestellten Informationen, dem eigenen sozialen Netzwerk und den Gewohnheiten (räumliche Bewegungen, Bewegungen im WWW) hier zentral erfasst ergeben eine explosive Mischung. Ohne zu konspirativ zu werden: Wesentlich mehr oder brisantere Informationen sammelte die Staatssicherheit über die DDR-Bürger auch nicht. Der IM beobachtete private Gewohnheiten. Die Lebensdaten lagen bei den Behörden. In der Stasi-Zentrale floss alles zusammen. Was macht Facebook anders? Sie tun es nicht für eine Schweinediktatur.

Doch genau wie damals gibt es Denunziantentum und Voyeurismus. Die perfide Neugierde auf das Leben der anderen wird bei Facebook billig gestillt.

Wäre nun Facebook eine vertrauenswürdige Organisation – es wäre die größte Erfindung der Welt. Leider macht Facebook absolut keinen Hehl daraus, dass sie mit den Daten schachern und hausieren gehen. Sie lassen Staatsbehörden an die Daten heran – ohne Rücksicht welcher Staat.  Sie geben ehrlich zu, dass ihnen Datenschutz und Privatsphäre eher im Wege stehen. Sie nutzen die Benutzerdaten für sich und schöpfen weite Teile ihres Erfolges aus den negativen Nebeneffekten. Der Antrieb etwas gegen die ausgelösten Probleme zu tun, welche nun seit Jahren bekannt sind, ist sehr gering. Der Druck seitens der Legislativen leider auch.

Resümeè

Freiheit

Informationen werden nicht dadurch frei, dass man sie einem Großkonzern schenkt.
Eine Meinung wird nicht dadurch frei, dass sie möglichst viele hören.
Ein System ist nicht dadurch frei, dass es jede menschliche Dummheit zulässt.

Denkanstöße

Die Verantwortung des Inhabers von Informationen endet nicht an den Grenzen seiner technischen Fähigkeiten. Das will Facebook aber der Welt weis machen. Wenn eklatante Fehler auftreten, dann sind es die Anwender die einfach „zu viel Preis geben“. Und letztlich hat ja jeder Anwender der auch werblichen Weitergabe der eigenen Daten zugestimmt.

Shops wie Amazon, aber auch andere, werten Deine Facebook-Daten so gut sie können aus. Der werblichen Nutzung Deiner Daten hast Du zwar bei Facebook zugestimmt, nicht aber bei den Shops. Hier tun sich diverse rechtliche Grauzonen auf.

Öfter als einmal erwiesen sich neue Konzepte (wie Places, personalisierte Werbung etc.) als Datenschleudern. Der Fehler liegt größtenteils „im Konzept der Verteilten Information an sich“. Anstatt aber die Funktion einzuschränken, wurden dann meistens die Nutzungsbedingungen verändert. Einschränkungen der Dienste erfolgen in der Regel erst nach heftigen Nutzerprotesten.

Häufig nutzen auch Nutzerproteste nichts.

Obwohl mir bei der Rechersche dieses Artikels keine wirklich positive Nachricht über Facebook unter gekommen ist, hier doch einmal eine der positiveren: Facebook hatte in 2010 89% Nutzerzuwachs, in 2011 noch 24%, was sich wie ein Rückgang um Dreiviertel liest. Doch:
1. Facebook hatte Stand März 901 Millionen Nutzer, also eine knappe Milliarde. 24% Zuwachs sind also 174 Millionen.
2. Entsprechend müssen es im Vorjahr 726 Millionen gewesen sein, der Zuwachs also 384 Millionen.
Tatsächlich hat also das Wachstum um die Hälfte nachgelassen, was der Nebeneffekt eines gesättigten Marktes ist. Eigentlich ist es positiv (für das Unternehmen), dass ein einziges Unternehmen den vermuteten Markt mit weit über 90% alleine sättigen kann.

Facebook ist prüde. Über Krieg, Waffen und Gier darf ich öffentlich sprechen. Sex wird indiziert.

Facebook ist nicht in der Lage Illegales, Extremismus, Mobbing usw. zu unterbinden, möchte aber gerne ein Netzwerk für unter 13-Jährige einrichten. Dies jedoch wollen sie nicht unbedingt alleine um des eigenen Wachstums willen. In den USA ist die Veröffentlichung von privaten Informationen von Kindern unter 13 Jahren nur mit Einwilligung der Eltern erlaubt. Die kleinen umgehen derzeit die Alterskontrolle von Facebook indem sie ein falsches Geburtsdatum eingeben. Es geht also nicht um das Zeigen von Verantwortung, sondern um das Umgehen dieser. Findet Facebook nicht bald eine Lösung für dieses „Problem“,  winken harte Strafen.

Facebook wird zum Eigentümer aller Rechte an Bildern und Videos, die Du hochlädst. Doch leugnet Facebook jede Verantwortung, sollten diese Bilder gegen Recht verstoßen (Urheberrecht, Volksverhetzung, Persönlichkeitsrechte usw.).

Facebook beruft sich stets auf die Rechtsgrundlage jenes Landes, in welchem sich der Firmensitz befindet. Das ist geltendes internationales Recht (Gerichtsstand = Firmenstandort). Für Deutschland ist das Irland. Dies wiederum macht es den deutschen Datenschützern so schwer.

Die Weitergabe privater Informationen ist in den meisten Ländern der westlichen Welt verboten. Die Pragraphen lauten in der Regel „nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt“. Mit der Einwilligung zu den Facebook-Nutzungsbedingungen hast Du dies getan.

Jegliche Änderung der Nutzungsbedingungen kommt einer Vertragsänderung gleich, bei welcher Du das Recht einer Kündigung hast. Eigentlich müsste Facebook alle Daten dann löschen (und dies beweisen). Dies genau verweigern sie aber.

Jede Information kann öffentlich sein und bleibt sie so lange, bis sich einer beschwert. So brechen auf Facebooks häufig sogenannte „Shitstorms“ (Scheissestürme) los, wenn jemand populäres etwas falsches getan oder gesagt hat. Das Phänomen gab es auch in der Vergangenheit schon, doch die SNs haben es exponentiell beschleunigt.

Facebook aktivierte 2011 die Gesichtserkennung in Bildern. Das System schlägt zu jedem hochgeladenen Bild  samt Gesicht den dazu pasenden Nutzer vor. Der Schuss ging gewaltig nach hinten los, demonstrierte doch diese Funktion eindrucksvoll, wie mächtig eigentlich das Datensystem Facebook ist. Das Unverständnis der deutschen Sprecherin („Wir bekommen dadurch doch keine zusätzlichen Daten!“) beweist entweder Ignoranz oder tatsächlich die Dummheit, mit der Facebook die eigenen Daten sieht.

Seit kurzem tauscht Facebook die private Emailadresse in eine vom Format Vorname.Nachname@facebook.com. Eine E-Mail an diese Adresse landet in den Facebook-Nachrichten. In kombination mit o.g. Spionagemöglichkeiten, wie Fake-Accounts und Telefonbuchattacke dürfen sich Facebook-Nutzer auf eine ganz neue Dimension von Spam freuen.

Daten verweilen auch nach vermeindlicher Löschung lange im Netz. Eine einfache Google-Suche fördert über die Option „Im Cache“ längst verschollen Geglaubtes zu Tage. Die Halbwertzeit beträgt nach Löschung mindestens 3 und vermutlich bis zu 15 Jahre. Für Aussteiger: Mitlerwele haben sich Anwälte auf die strukturierte Löschung spezieller Daten spezialisiert. Sie versenden auch juristische Schreiben an die Inhaber von „Caches“ wie Google.

Freundschaft

Facebook ist nicht Dein Freund.
Facebook-Freunde sind keine echten Freunde.

Links

O.A: Facebook (Wikipedia.de) auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Facebook zuletzt aufgeruffen: 01.07.2012

O.A.: 10 psychologische Fakten über Facebook (Allagsforschung.de), 15.11.2010, auf: http://www.alltagsforschung.de/10-psychologische-fakten-uber-facebook/, zuletzt aufgerufen: 01.07.2012.

Claudio Müller: Datensammlung: Von Facebook umzingelt (Focus.de), 07.0.1.2011 auf:
http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-20929/datensammlung-von-facebook-umzingelt_aid_587640.html zuletzt aufgerufen: 01.07.2012

Jürgen Schmidt: Facebook Schutzbehauptung (Heise Security), 17.12.201 auf:
http://www.heise.de/security/artikel/Facebooks-Schutzbehauptung-1395316.html;

Martin Suppersberger: Facebook macht User zu Spitzeln (Vol.At), 10.07.2012
http://www.vol.at/facebook-macht-user-zu-spitzeln/3303724

pco(2012)