Offline: Teil 2 – Facebook

Problem 2: Funktion und Datenschutz schließen sich teileweise aus

Das bereits erwähnte Beispiel des schnellen Auffindens von Freunden funktioniert auf Basis der Idee, dass Facebook die potentiellen Freunde eines neuen Mitglieds in der Datenbank hat. Um das „Freundschaftspotential“ aber zu ermitteln muss Facebook in die privaten Daten aller Mitglieder schauen. Beispielsweise wird geschaut, wem wer schon einmal eine E-Mail geschrieben hat. Facebook durchsucht auf Nachfrage auch Web-E-Mail-Accounts, wenn man es ihm gestattet.

Um den Vereinsausweis zu bekommen, musst Du Dich registrieren. Allzu kritisch schaut der Vereinsvorstand da nicht hin. Es reichen Name und eine Postanschrift. Du wirst aber auch, natürlich auf freiwilliger Basis, aufgefordert eine Kopie Deines Adressbuches mit den Adressen aller Deine Freunde, Bekannten und Familie herauszugeben. Der Verein prüft dann, wer von diesen schon im Verein ist und stellt den Kontakt zwischen euch her. Du kannst noch Deine besuchten Schulen und Deine berufliche Laufbahn hinterlassen, anhand derer der Gesichterklub dann ermittelt, wen im Verein Du kennst. Je besser und ausführlicher Du das machst, umso besser können auch zukünftige neue Mitglieder, die Du vielleicht schon kennst, auf Dich hingewiesen werden.

Diese großen sozialen Vorteile im Blick und um Deine Vereinsintegration zu gewährleisten gibst Du viele Informationen über Dich Preis. Letztlich scheinen diese Dir nicht kritisch. Ein paar Lebensdaten und Familie und Freunde sind doch absolut kein Thema.

Auch hier ist die Lösung eine einfache: Niemals Adressbücher oder Mailaccounts herausrücken, niemals ein Online-System, wie eine noch so schlaue App oder Website an Daten lassen, die sie nichts angehen. Auch dann nicht, wenn sie verspricht nur die „relevanten Dinge“ zu lesen. Nahezu alle großen Webmail-Anbieter bieten eine Schnittstelle zu SNs. Einfach ignorieren und nicht machen! Die E-Mail-Adressen und Telefonnummern Deiner Freunde sind deren Information, die sie Dir vertraulich gegeben haben.

Facebook kann nur funktionieren, wenn Du ein Maximum über Dich öffentlich preisgibst. Gibst Du keine Lebensdaten  heraus, keine Freundesadressen dann wird ab einem gewissen Punkt Deine Integration in das Netzwerk nicht funktionieren.  Du findest wenige Freunde und wenige finden Dich.

Wie im Problem 1 geschildert  muss der Gesichterklub so viel wie es geht über Dich herausgeben, wie er eben darf. Hier kommen ihm Datenschutzgesetzte und Grundrechte in die Quere. Er kann Deine Daten nicht einfach so veröffentlichen. Du musst es ihm erlauben!
Bei der Anmeldung weist nur ein kleiner Text darauf hin, dass Du die Datenschutzrichtlinien von Gesichterklub akzeptierst und wo Du im Detail ankreuzen kannst, was von Deinen Daten sichtbar ist und für wen. Die über zwei Dutzend A4-Seiten gehenden Abfragebögen wirken abschreckend. Vieles davon verstehst du kaum. Die beschreibenden Texte weisen die Vor- und Nachteile jeder Funktion stets nur zugunsten von Gesichterklub aus. Stets erfolgt der Hinweis auf die fast 100-Seitige Vereinssatzung. Ein Ausfüllen ist nicht verpflichtend. Änderst Du hier nichts, so geht der Verein vom eigenen „Standard“ aus, was die maximale rechtlich machbare Öffentlichkeit bedeutet. Deine Briefe werden öffentlich ausgehängt, Dein Adressbuch stets bekannt gegeben. Du bist in jeder Art von Telefonbuch und Suchmaschine auffindbar, mit den meisten Lebensdaten und und und.

So verklausuliert die Facebook-Nutzungsbedingungen sind, Du solltest sie einmal lesen. Es gibt viele Stellen im Internet, wo auch Anwälte diese interpretiert haben. Und es lohnt sich immer die Privatsphäre-Einstellungen durchzuklicken. Stelle erst einmal alles auf restriktiv. Das bedeutet: Nichts ist „Öffentlich“ oder für „Freunde von Freunden“, es sollte keine Abonnements geben und keinerlei Apps. Deine Handynummer geht Facebook nichts an.

Problem 3: Spionage und Stalking (soziale Überwachung)

Um für sich zu Werben gibt Facebook öffentliche Informationen heraus. Wenn Du ein hohes Maß an Öffentlichkeit gewählt hast, so ist Deine Freundesliste ungeschützt. Unter dem Motto „viele Krümel sind auch ein Streuselkuchen“ fügt Facebook alle Informationen für die „Neumitgliederwerbung“ zusammen. Schon beim Versuch einer Registrierung sieht ein Interessierter (ab sofort wollen wir ihn Stalker nennen) also sehr viel Deiner Informationen und – er sieht Dein Netzwerk! Tatsächlich hat eine amerikanische Studie bereits 2008 festgestellt dass soziale Überwachung, also etwas über andere zu Erfahren , ohne mit ihnen reden zu müssen, einer der wichtigsten Gründe für die Registrierung bei Facebook ist.

 Ein Stalker macht genau das, was Du getan hast. Er gibt jedoch eine Postfachadresse unter falschem Namen an, benennt Dich als Freund (Du kennst ihn nicht!) und wartet ab.
Als nächstes erhält er Infopost vom Verein: Eine beinahe vollständige Liste aller Deiner Freunde und die von ihnen öffentlich gemachten Informationen. Als nächstes wird er das gleiche mit allen Deinen Freunden machen. Stets wird er sich neu registrieren und daraufhin schauen, welche Informationen er erlangt. Wird er gar in Deinen Freundeskreis aufgenommen erfährt er noch mehr über Dich und Deine Bekannten. Er weiß dann alles, was Deine Freunde von Dir wissen.

Achte in den Privatsphäre-Einstellungen darauf, dass Dein Profil nicht öffentlich ist. Suche nch der entesprechenden Einstellung. Auch personalisierte Werbun muss dafür „aus“ sein. Deine in Facebook verwendete Mailadresse sollte nur Deinen Freunden sichbtar sein. Eventuell (Abweichend vom Tipp in Problem 1) solltst Du eigens für Facebook eine neue Mailadresse anlegen, welche Du für nichts anderes verwendest und niemandem mitteilst.