Offline: Teil 2 – Facebook

Es ist das größte Netzwerk der Erde. Die am schnellsten wachsende Plattform. Jeder dritte Interentnutzer ist registriert. Jeder zweite hat Berührungspunkte mit Facebook und nahezu jede Mailadresse ist Facebook bekannt. Spricht man über Social Networking, spricht man nur noch über Facebook. Was ist das Erfolgsrezept und wo liegen die Probleme?

In eigener Sache

Zahlen, Daten, Fakten

Alle in diesem Blogbeitrag gemachten Angaben sind in den Medien nachzulesen. Das Quellenverzeichnis befindet sich auf der letzten Seite. Viele Punkte im Artikel stellen Intepretationen dar, welche gemacht werden, um die Komplexität des Themas vereinfacht darlegen zu können. Der Artikel hegt keinen Anspruch auf journalistische oder technische Exaktheit.

Probleme

Der Beitrag war schon fast fertig, als mir durch den Kopf ging „da fehlt etwas“. Ich zeige fast ein Dutzend Probleme auf, aber keine Lösungen. Nicht zu jedem Problem gibt es eine Lösung, anders als „einfach keine sozialen Netzwerke nutzen“.
Die hier vorgeschlagenen Lösugnen sind also jene, bei denen Du weiter bei Facebook, Google+ oder sonstwo registriert und aktiv bleiben kannst, exemplarisch an Faccebook dargestellt.

Eine kurze Geschichte sozialer Netzwerke

Die (technischen) Ursprünge elektronischer sozialer Netzwerke (SN) liegen in den Foren, Newsgroups und Chats  – in ihren unterschiedlichen technischen Ausprägungen. Es gibt sicherlich Belege von Kettenbriefen oder ähnlichen Dingen, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen, doch ich wage zu  bezweifeln, dass die Schöpfer der SNs davon überhaupt Kenntnis hatten.

Foren sind häufig Orte an denen sich eigentlich unsoziale Menschen sehr sozial verhalten. Über die Jahre erwiesen sich die  sogenannten Community-Funktionen, wie die privaten Nachrichten, die Bewertung von Postings, komplexe Nutzerprofile und so weiterals  wichtige Erfolgsfaktoren.  Auch heute noch entwickeln sich Foren technisch weiter, doch  ihr Funktionsumfang bleibt stets sehr ähnlich. Ein wichtiger Unterschied: Erfolgreiche Foren legen sich auf ein Themengebiet fest. Je klarer dieses Gebiet abgrenzbar ist, desto größer der Erfolg, da dies auch „Experten“ zum jeweiligen Gebiet anzieht.

Doch die Ursprünge des SNs gehen noch weiter in die Vergangenheit. Der Urvater der Foren und auch der SNs war das Usenet. Es existiert bereits über 25 Jahre.  Letztlich funktioniert es auf sozialer Ebene genau wie Foren. Man verbindet sich mit einem Usenet-Server, abonnierte Foren (im Usenet Newsgruppen oder Newsgroups) die einen interessierten und kommunizierte via einer Art von E-Mail mit diesen Gruppen. Das war schon den SNs sehr ähnlich. Allerdings beenötigt man hierzu einen Usnet-Client, was das Netzwerk weniger flexibel macht.

Marc Zuckerberg war weder ein Genie, noch hatte er eine Eingebung. Was allem fehlte war eine kritische Masse und ein hierdurch ausgelöster Schneeballeffekt. Facebook war ursprünglich nicht viel mehr als ein „gemeinsames Adressbuch von Studenten mit  Fotofunkition“. In astronomischer Geschwindigkeit wurden jedoch oben genannte Funktionen nachgestrickt und das Netz verbreitete sich über die Universitäten hinaus. Warum nur ein Adressbuch mit einem Foto, wo es doch viele Bilder sein könnten, die man unter einander tauscht? Warum nur ein Adressbuch, man könnte sich doch auch Nachrichten schicken? Warum nur Nachrichten an einen, wieso keine Pinnwand? Für alle genannten Funktionen gab es bereits Plattformen überall im Internet. Für die Pinnwand war bspw. Twitter schon deutlich früher da. Die Adressdaten gab es in Foren und Business-Networks. Und das berühmte „Netzwerkeln“ im Internet war ein alter Hut.

So wie Google eine Dekade zuvor das Internet durchsuchbar gemacht hatte, hat Facebook die Kommunikation im Internet  revolutioniert, indem verschiedenste Medienbrüche aufgehoben wurden.

Seine Unkompliziertheit hat Facebook groß gemacht. Die Registrierung dauert ca. 5 Minuten. Das Profil ist vollständig in einer Stunde eingetippt. Facebook fragt Dein E-Mail-Adressbuch nach Namen ab, Dein Android-Smartphone oder iPhone und letztlich zeigt es Dir Menschen, die zur gleichen Zeit die gleiche Schule besucht haben und letztlich zeigt es Freunde von Freunden. Dein Netzwerk wächst. Facebook wächst.

Ich schreibe jemandem eine Nachricht, er antwortet im Chat, wir tippen etwas, er schickt mir ein Video, ich ihm einen Link zu lustiger Musik. Ich beschließe ins Cafe zu gehen, über mein Smartphone reißt die Kommunikation nie ab. Er will mich im Cafe treffen, weiß aber nicht wo es ist ich schicke ihm auf Knopfdruck meine Geo-Koordinaten. Er klickt sie an, Maps öffnet sich und er sucht sich die Busverbindung dort hin. Alles findet in Facebook statt.

Facebook war mitnichten der erste Anbieter von Social Networking (u.a. MySpace und Orkut  waren schon Jahre präsent) .

Fluch und Segen von Facebook sind Funktionen, die auf den ersten Blick nicht naheliegend sind, wie seine API (Advanced Programmable Interface), die Programmierschnittstelle, über welche auch Drittentwickler Anwendungen für Facebook (Facebook-Apps) oder mit Facebook-Zugriff programmieren können. So können auch außerhalb der Regie von Facebook Inc.  Funktionen wachsen.

Mit Video-On-Demand und Videoanrufen wird der Chat von Facebook aktuell „revolutioniert“.

Facebook und die Konkurrenz

Durch diese Benutzbarkeit fand der Anwender schnell Freunde. Und entdeckte Freunde von Freunden. Häufig wird gesagt, SNs basieren auf dem Small-World-Syndorme. Dies würde im Umkehrschluss übrigens bedeuten, dass ab einer kritischen Masse (Demographie lassen wir etwas außen vor), jeder Mensch via Facebook erreichbar ist, egal ob er einen Account hat, oder nicht. Dazu später noch einmal.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Facebook war stets, dass neueste Technolgien schnell (und teilweise schmutzig) adaptiert wurden.  Selten drang vor der Veröffentlichung einer neuen Funktion etwas nach draußen. So konnte Facebook einige Male Nutzerschaft und vor allem Konkurrenten überraschen.

Die Konkurrenz wurde mit mehr oder minder legitimen Mitteln aus dem Felde geschlagen. Der eigentliche Urvater MySpace schmiss letztes Jahr das Handtuch. Die VZ-Netzwerke verschwinden im Nutzerschwund. Google+ wird von der Welt ignoriert.  Und das sind nur einige populäre Beispiele.
Facebook frisst auch nach und nach die „Spezialisierten“ SNs, wie Stayfriends (für Schulfreunde) auf. Xing ist zwar deutlich geeigneter für Unternehmen, hat aber eben keine so breite Basis.

Die große Popularität kommt als weiterer wichtiger Faktor ins Spiel. Facebook sperrt sich nicht gegen andere SNs, im Gegenteil. Das eine oder andere SN nutzt sogar die Facebook-eigene API und macht es so seinen Benutzern leichter, sowohl in Facebook als auch im eigenen SN zu „existieren“. Der Nutzer wiederum will das nicht. Er hat den Drang nur ein Netzwerk zu nutzen. Da er quasi alle anderen Netze nach Facebook „migrieren kann“, fällt die Entscheidung leicht.

Auf lange Sicht wird wohl Facebook, ähnlich wie Google für die Suche, oder Microsofts Windows für Betriebssysteme den Standard für SNs darstellen.

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