Der Zentralrat der Empörten ist empört

Es gibt aktuell nicht wahnsinnig viel, über das man sich von Herzen freuen darf. Noch weniger sogar, über das man sich vom Verstand aus freuen kann. Da kommt das Urteil des Landgerichts Köln wie gerufen:  Es  überwiege  das  Grundrecht des  Kindes  auf  körperliche  Unversehrtheit  und dies seit höher zu werten als die Grundrechte der  Eltern auf freie Religionsausübung. Das ist ein herber Schlag für den religiösen Wahnsinn, der auch im 3. Jahrtausend nach Geburt des Zimmermanns noch gelebt wird.  Da ist es nur allzu verständlich, dass die Anhänger des Unsinns empört sind, das aber haben sie verdient, denn wer auch heute noch „argumentiert“, dass die Beschneidung von Kleinkindern ja schließlich „seit Jahrtausenden weltweit praktiziert“ wird, dem gehört einfach mal ein kräftiger Schuss vor den Bug gesetzt, der am besten ein Loch reist, welches das Schiff der Idiotie zum Sinken bringt.

 

 

Wieso kleine Jungs beschnitten werden sollen, muss gar nicht großartig erforscht werden, es ist schlichter Unsinn genau wie so viele andere Aspekte, die von Religionen weltweit seit Jahrtausenden propagiert werden, und nicht hinnehmbar, wenn der humanistische Verstand der Herr im Hause sein soll, nicht aber der kanalisierte Glaube, der allein dem Machterhalt dient und sich „Religion“ schimpft. Kommt ein Maya-Nachfahre auf die Idee, Menschenopfer wären durchs Grundgesetz geschützt? Wenn ich an den Sonnengott Ra glaube, darf ich dann Sklaven halten und Pyramiden bauen? Glauben kann man, was man will, nur gibt es Grenzen, und diese sind dann ganz klar überschritten, wenn ich andere damit schädige. Wenn man glaubt, die „Arier“ wäre eine Herrenrasse und deshalb eine blonde Schwedin heirate, ist das doch OK, wenn ich aber anfange, „Mischehen“ zu verbieten, geht das zu weit. Wenn ich an Jahwe glaube, ist das OK, wenn ich aber ein Kind, welches natürlich als Atheist auf die Welt kommt, beschneiden lasse, geht das zu weit. Wenn ich aus religiösen Gründen, weil Allah dies so will, keinen Akohol trinke, ist das OK (fast sogar lobenswert), wenn ich aber anderen Menschen den feinen Scotch zum Wochenausklang verbiete, geht das zu weit. Menschenrechte sind für Menschen da, nicht für Religionen und deren Ziele und da kann der Zentralrat der Juden noch so empört sein, sich noch so aufspielen und auf die im Grundgesetzt (Artikel 4 „(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“) verankerte Freiheit pochen. Der oberste aller Artikel ( 1 „(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar.“) und auch in Artikel 2 („(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“) darf nicht aus Tradition, aus überkommenen Ansichten und phantasievollen Wünschen angegriffen werden, denn beide Artikel dienen dem Schutz der Menschen vor anderen Menschen, eben auch vor religiösen. Menschen können ohne Religion leben, ohne Menschenrechte jedoch nicht. Der Eingriff ins Selbstbestimmungsrecht der Kinder wird ja schon dadurch dramatisch vorgenommen, dass man sie gar nicht vor die Wahl stellt, welche Religion sie ausüben wollen. Ungefragt werden die jungen Atheisten mit Religionsquatsch bombardiert – eine frühe Indoktrination ist eben die effektivste. Wenn schon nicht das schwammige „seelische“ Heil gewahrt werden kann, dann doch wenigstens das klare körperliche.

Aus diesem Grunde sollte jetzt jeder ein Steak essen, das von einem Schwein stammt, welchem ein Bolzen durch den Kopf ging, und dazu ein kühles Bierchen schlürfen (alternativ: Diesel, Radler, einen Lagvulin, Cubra Libre, Eierlikör etc.) und mit einem breiten Grinsen zum Zentralrat der Empörten schauen, ruhig einmal herablassend den Kopf schütteln und ein „Ätsch, ihr Deppen!“ säuseln.

Bleibt zu hoffen, dass nicht nur eine Signalwirkung von diesem Urteil ausgeht, sondern drastische Rundumschläge folgen. Den Menschen zuliebe, dem Verstande zuliebe.

 

JS für Orthy.de, C2012

4 Antworten auf „Der Zentralrat der Empörten ist empört“

  1. „Polemisch übertriebener Blödsinn mit dem einzigen Ziel, ein soziales Massendürfnis zu denunzieren (gemeinschaftlicher Gottglaube) und ein weiteres egoistisch-inquisitorisches Exzempel zu haben, warum Religionen ein Irrtum sind und Narzismus die einzige Religion, der jeder Mensch, welcher sich für gebildet hält anhängen sollte.“

    Das war der ersten Gedanke, über Deinen Artikel. Sorry, ich muste tatsächlich darüber 2 Wochen lang nachdenken.

    Das Feigenblatt der Menschenrechte, welches Du Deinem völlig überzogenen Artikel anhängst, ist komplett übertrieben. Die Menschnrechte, die Du herbeibetest, werden durch solche Reden mehr mit Füssen getreten, als bei jeder Pro-Islam-Demo.
    Hier wird kein Menschenrecht beschnittten, sondern der Pullermann einigen kleiner Kinder. Das wiederum passiert nicht auf einem Altar oder Hackbrett, sondern im Operationssaal, unter chriurgischer Überwachung.
    Die körperliche Einschränkung geht, im Gegensatz zur Beschneidung von Frauen, gegen Null und der von Dir verschwiegene Nebeneffekt ist Hygiene im Schlüpper, welche unter diversen Vorhautpilzen und lustigen anderen Krankheiten leiden könnte. Daher kommt übrigens auch diese merkwürdige Tradition.

    Ich finde physische Eingriffe auch nicht toll und großartig. Ich bin auch dagegen aus religiösen Motiven in die Physis einzugreifen. Aber was hat denn das Gesetz gegen diesen Eingriff bewirkt?

    1. Die Beschneidung wird nicht mehr legal in Krankenhäusern gemacht
    … Sondern illegal, auf Altären oder dem heimischen Hackbrett. Mit allen gesundheitlichen Risiken. Oder wer hat ernsthaft geglaubt, dass ein Gesetz über die Tradition stellen kann? Bestenfalls gehen die Familien, so sie es sich leisten könne ins Ausland.
    Und damit hat das Gesetz geschafft, was es eigentlich verhindern wollte: Kommt es hier zu Komplikationen ist kein Arzt da, der den Pillermann noch rettet.
    2. Der Staat greift unnütz in religiöse Praxis ein, die sich bereits den Realweltgegebenheiten angepasst hat.
    … Die gläubigen Juden (und übrigens auch Muslime, denn die Beschneidung gibts bei beiden Religionen) sind in Krankenhäuser gegangen. Ein wenig „spiritueller“ Ort, aber sie haben sich angepasst. Es gab eine Kompromisslösung.
    3. In Deutschland haben mal wieder die Gutmenschen Konjunktur, während die religiösen Eiferer Wasser auf ihre Mühlen bekommen…
    Es gibt auf beiden Seiten Extremisten. Und nur die beiden Seiten dürfen sich an diesem Vorgang erfreuen. Die Gelackmeierten sind die „gemäßigten“, die eine Beschneidung wollen, oder denen es freilich egal ist. Die deutschen Gutmenschen nehmen das Häutchen als Fernal für die körperliche Unversehrtheit, die religiösen Eiferer interpretieren den Richterspruch als Eingriff in die Religionsausübung. Aus beiden Sichten ist die Argumentation übrigens richtig. Nur aus der logischen, gemäßigten Sicht – der Sicht eines logischen Kompromisses – ist das ein dummblödes Urteil.

    Es geht hier um ein kleines, etwa 3 Gramm großes, völlig überflüssiges Stückchen Haut. Jeder dritte Mann in Deutschland ist beschnitten – unabhängig von seiner Religion und aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen – außer dass es in 90% der Fälle überflüssig ist.

    Warum lässt mich das gerade so an die Decke gehen?

    Nun neulich habe ich einen prima Bericht gesehen, wo „religiöse Eiferer“ sich gegen die pränatale Diagnostik auflehnten, da ein neues Verfahren (Blut- statt Fruchtwasseruntersuchung) es ermöglicht eine Genetische Anomalie beim Kind schnell und unkomliziert zu erkennen und ggf. eine Abtreibung einzuleiten.
    Die Religion lehnte sich auf und zeigte auf den Wert des Lebens.
    Die Emanzen dieser Welt sind beinahe explodiert darüber, die Atheisten und Agnostiker bliesen ins selbe Horn. Das „Selbstbestimmungsrecht der Frauen“ gibt das Recht dazu. Niemand muss ein behindertes Kind zur Welt bringen. Ergo: Man darf es töten. Ist doch eine ganz normale Sache und ein großer zivilisatorischer Fortschritt, diese „Früherkennung“.

    Komisch. Ich hielt es bis vor 2 Wochen für einen der größten zivilisatorischen Fortschritte, dass auch behinderte Menschen in unserer Gesellschaft eine Chance und ein Recht auf Leben haben. Ich muss mir diesen Irrtum eingestehen. Der Fortschritt seit dem Faschismus ist kein humanitärer, sondern ein rein temporärer. Die Nazis haben einfach zu spät gemordet.

    Es ist schon erstaunlich, wie wenig Gedanken sich über solche Fragen gemacht wird, bevor man das Maul aufreisst. Der Begriff des „Unwerten Lebens“ ist ja nun leider von den Nazis verbraucht worden. Wie wollen wir denn die Behinderten Feten nennen? Voraussichtlich unbequeme Mitbürger? Unpässliches Leben? Oder wie wäre es mit: Montagsbaby.
    Ab dem wievielten Monat darf man eigentlich von Euthansie sprechen?
    Kleiner Tipp: Das Oldenburg-Baby kam nach knapp 6 Monaten zur Welt. Der Großteil seiner Behinderungen beruht darauf, dass die medizinische Erstversorgung für 10 Stunden komplett unterlassen wurde, da das Kind eh auf den Müll sollte. „Tim“ ist seither schwerstbehindert. Nach aktueller Interpretation nichtreligiöser Eiferer sollte man ihn heute (Alter 15 Jahre) töten, denn schließlich hat „die Gesellschaft“ bereits 1997 beschlosssen, dass er es nicht Wert ist zu leben.

    Die neuen Religionen heißen Narzismus, ihre Ausprägung ist Intoleranz und Egoismus. Ihr erklärtes Ziel ist die Antipathie – oder sagen wir mal Gegen-Empathie und die eigene Selbsterfüllung. Ihr Gebet ist die körperliche und geistige Masturbation.

    Ich bin schon der Überzeugung, dass sich eine Gesellschaft, welche sich Euthanasie und Darwinismus leistet, aber zu feige ist das Kind beim Namen zu nennen, bei 3 Gramm Haut ein Auge zudrücken sollte.

    Mahlzeit

    PCO

  2. Lieber PCO, Du bringst einiges durcheinander.

    Es wird sehr wohl ein Menschenrecht beschnitten, denn es ist ein Menschenrecht, körperlich unversehrt zu sein. Wenn man sich später oder aus medizinischen Gründen dafür entscheidet, ist das eine andere Sache, da muss man aber klar differenzieren. Es kann, es darf aus humanistischer (nicht aus unterstellt-narzistischer Sicht (kurz: mir ist es herzlich egal!)) nicht ein solcher Eingriff vorgenommen werden, aus Gründen, die einfach idiotisch sind. Das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit dem Schutz des Verstandes. Man kann nicht alles hinnehmen, man darf es nicht. Außerdem hat sich die Natur bei der Erfindung der Vorhaut schon etwas gedacht, es ist kein Blinddarm.
    Dass Verbote umgangen werden, dass in der Praxis Schlupflöcher existieren, dass man andere Gründe vorschieben kann usw. usf. ist KEIN Grund, ein Gesetz bzw. ein Verbot nicht zu verabschieden, ein Urteil nicht zu fällen. Man beugt sich damit schlicht und einfach zukünftigen Problem, man zieht den Schwanz ein – so nicht! Das ist Frühkapitulation! Das hat auch nichts mit „gemäßigt“ zu tun, so etwas gibt es bei Religionen gar nicht, es ist reinweg die teilweise Akzeptanz gewisser Wahrheiten, die eben nicht in den alten Märchenbüchern stehen, dazu eine große Portion Bequemlichkeit. Hier tappst Du in die Falle des Unterschiedes zw. Norm und Normauslegung. Und überhaupt: wo bitte schön es ist nicht pervers narzistisch, wenn man seinem wehrlosen Kind eine Religion aufdrängt? „Ich bin Jude / Moslem, und mein Kind daher auch. Punkt. Basta.“ Und wenn nicht narzistisch, dann ist das unreflektiert altruistisch!

    Pränatale Diagnostik und Abtreibung sind, sorry, aber ein ganz anderes Thema. Hier geht es um Leben und Tod, um Grenzfälle, nicht um klare Logik. Da hast Du 2 Wochen gebrübelt und bist doch komplett am Thema vorbeigeschossen. Es hat nichts mit Selbstverliebtheit zu tun, sondern mit klaren Aussagen, die eben unbequem sind, die eben auch jene treffen, die sich für gemäßigt halten. Es ist alles andere als egoistisch, sich für Menschen (dazu gehören auch Babies *gg*) einzusetzen und sich gegen menschenverachtende Strömungen zu wenden, klar und konsequent, alles andere ist Wischiwaschi und pseudo-mediatorisches Gesülze!

    MFG IVI

  3. Also ich hab mich noch einmal belesen. Es gibt sehrwohl körperliche Folgen außer dem Fehlen eines überflüssigen Stücks Haut. Die Haut „schützt“ den Eichel im nicht errigierten Zustand. Ohne Sie können die tastilen Sinne dort veröden.

    Mir geht es auch nicht um die Idiotie der Gründe, oder ein bisschen doch, aber unter anderem Gesichtspunkt. Einfacher: Sie werden es sowieso tun! Leute, die aus religiösen Gründen egal welche Schnibbelungen an ihren Kindern durchführen werden dies auch tun, selbst wenn Du das unter Todesstrafe stellst. Nun machen sie es illegal, unter zweifelhaften hygienischen Umständen und das Risiko, dass da etwas schief geht, ist ungleich größer.
    Ich fand es in den Berichten ja schon beachtlich, dass sich die „Gläubigen“ so weit verbiegen ließen, die Beschneidung nicht rituell, sondern in einem Krankenhaus statt einem Gotteshaus, von einem Arzt, statt einem „Zeremonienmeister“ unter Narkose, statt unter Schmerzeen durchführen zu lassen

    Wir leben in Hinsicht in einer zwiegespaltenen Gesellschaft. Weiche Drogen sind verboten. Tabak und Alkohol sind erlaubt. Beides schädigt das Nervensystem irreparabel und es hat sogar soziale Folgen. Und obwohl der Ausschank an Jugendliche verboten ist, wird es doch mit gerümpfter Nase gemeinschaftlich gebilligt. Vom Rauchen ganz zu schweigen. Dass Eltern ihren Kindern Ohrringe stechen lassen ist erlaubt (wozu?). Die Klare Logik würde Dir dein Feierabendbier abspenstig machen und Dir zu Ingwertee und Meditationsübungen raten.

    Wir sind aber eben keine Mr. Spocks, die damit zufrieden sind, sich abends auf der Sportmatte das Universum auf transzendaler Ebene reinzupfeifen und sich über die Logik der Drehrichtung eines Bleistiftspitzers klar zu werden.

    Zurück zum Thema räume ich Dir „Recht“ ein, welches Du aber falsch begründest. Denn wenn die Beschneidung gebilligt wird, kommt morgen ein Schwarzafrikaner um die Ecke und will das bei seinen Töchtern auch machen. Und da hat das sogar frappierende gesundheitliche Folgen.

    Wobei ich mich natürlich manchmal frage, warum wir uns um die körperlichen Folgen des Entfernens von drei Gramm haut so aufrege und nicht über die geistigen Folgen des aktuellen Nachmittagsprogramms. Würden meine Kinder so viel TV schauen, wie ich seinerzeit, sie würden sich mit SM-Praktiken besser auskennen als ich.

    Nun, die Diskussion um „pränatale Früherkennung von evolutionären Designfehlern“ ist natürlich sehr weit gegriffen. Aber während die Religionen sich hier klar für das Leben aussprechen und sagen, die Gesellschaft sollte sich nicht-letale Lösungen einfallen lassen, werden sie als unmodern belächelt, wenn sie einen winzigen Eingriff haben wollen, an den genetisch perfekten Deisgn-Kindern.

    Selbstbestimmung (wer kein behindertes Kind will, muss auch keines Austragen) gehört heute zum (deutshen) Lifestyle, Religionen eben nicht.

    Das blitzt dann schon das Gutmenschentum durch.

    Es ist halt schon erstaunlich, dass ein riesen Medienrummel um die Vorhaut gemacht wird, während kein Mensch überhaupt weiß, dass vor einigen Wochen ein Verfahren entwickelt wurde, die Früherkennung von genetischen Defekten durch Blutuntersuchung zu ermöglichen und damit weniger riskant und aufwändig zu gestalten als die bisherige Fruchtwasseruntersuchung.
    Ein Verfahren, welches nur einem einzigen Zweck dient: Einer rechtzeitigen Abtreibung genetisch unwerten Lebens.

    Aber ja, ich schieße schon wieder über das Ziel hinaus, denn das ist eine Mediendiskussion.

    PCO

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.