Land oder kein Land?

Deutsche Politiker sind für viele Dinge bekannt, neben Stammtischpolemik und Aufschwungsbgeblubber gehört auch die kreative Phrasenschöpfung dazu. Spätestens seit zu Guttenbergs „kriegsähnlichen Zuständen“ wissen wir alle, wie man taktvoll, vorsichtig und bedächtig sprechen muss, um etwas auszudrücken, was eigentlich jeder weiß, was eigentlich jeder ganz klar benennen kann und es auch so benannt haben möchte, was aber (noch) nicht als solches benannt werden darf. Thomas de Maizière, Bundesverteidigungsminister, gehört eher zur bedächtigen Sorte Politiker, ist dennoch äußerst kreativ.

 

 

„Der Strand ist kein Land“ sprach er in die Kameras und stellte damit Naturwissenschaftler vor vollendete Tatsachen. Bisher ging man u.a. in der Biologie davon aus, dass Kiemen für eine Atmung im Wasser ganz klar von Vorteil sind, während an Land die Atmung damit enorm schwierig zu gestalten sei, weshalb Landtiere ja auch solche Lungen entwickelten, wie sie eben heutzutage der Normalfall sind. Während Ozeanologen mittlerweile berechnen, um wie viel größer die Wasserfläche auf Mutter Erde nun ausfällt, weil ja an jeder Küste 2 Kilometer weniger Land existiert, grübelt die Immobilienbranche, wie sie nun Strandhäuser verkaufen soll, weil die ja nun de facto im Wasser stehen. John C. Harland von der Miami Real Estate meinte in einem Telefoninterview hierzu, dass dies aber letztlich kein Prolem sei, schließlich könnte man die Fassade auch so streichen, dass man Stelzen im Venedig-Look anbringen kann. Vor eine Aufgabe deutlicher schwieriger Art stehen nun aber die Polynesier, denn die dortigen Insel weisen oftmals einen Durchmesser auf, der kleiner als 2 Kilometer ist, weshalb die Fischer, Perlentaucher und Krabbenfänger sich nun fragen, wie sie der zivilisierten Welt erklären sollen, dass sie auf Hausbooten leben, nicht aber in Häusern. Auch die Stadtplaner in Hamburg und München sehen sich nun genötigt, andere Wege zu beschreiten, so wird der City Beach Club am Alsterufer künftig alle KellnerInnen in Tauchanzügen arbeiten lassen und das „Klinikum rechts der Isa“ wird genau wie die Maximliananlagen in ein Unterwasser-Erlebnispark umgewandelt.  Die Stadtoberen in Cuxhaven überlegen aktuell, ob man den Schlensenweg und die Nordfeldstraße für Schiffe freigibt und auf Sylt sind schon intensive Streis darüber ausgebrochen, wie die eh schon hohen Immobilienpreise angesichts des nun um 93 Prozent geringeren Bauplatzes zu regulieren sind. Doch man soll nicht alles schwarzmalen, Familie Svensson aus dem Hultenheims Väg 2 in Oskarshamm (Ostschweden) zum Beispiel freut sich darüber, dass die Ostsee nun direkt vor der Haustür liegt und der laute, nervige Steir Ingmarsons aus Nummer 4 nun keine nächtlichen Parties mehr veranstalten kann, weil die Gäste ja nun bei den Fischen schlafen müssen und nicht mehr im Vorgarten.

JS für Orthy.de, C2012

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