Daily Adolf

Was dem „Führer“ einst nicht gelang, auch nicht mit dem Volksempfänger, schafft der öffentlich-rechtliche Rundfunk spielerisch. Die Domninanz und Omnipräsenz, daherkommend im wohlig-gruseligen Mantel der Dokumentation, des irren Österreichers ist wie ein schwerer Verkehrsunfall: Man weiß, was passiert ist, kennt die Bilder, doch wegschauen kann man nicht. Allabendlich und -nächtlich flimmert eine Doku über den Schirm, was soweit ja wirklich nicht schlecht ist, doch mal eine ohne A.H. zu sehen, kommt einem Sechser im Lotto gleich.

 

Kennen Sie Guido Knopp? Ja, natürlich, wer kennt ihn nicht? Wie könnte man am größten Historiker unserer Zeit auch vorbeikommen, denn was zwei Generation an Wissenschaftlern nicht erreichten, schafft der Workaholic, der 20 Stunden am Tag forscht und recherchiert, untersucht und interviewt, filmt und vertont. Die restlichen 4 Stunden verbringt er mit der Pflege der grauen Mähne, Schlaf braucht er nicht, kann er sich auch nicht leisten, denn es geht um Aufklärung, um die lückenlose Darstellung dessen, was „damals“ kaum einer wusste. Nämlich dass der Größenwahnsinnige ein Privatleben hatte, junge Frauen mochte, die er formen konnte wie Wachs („Hitler und die Frauen“, sechsteilige Serie), dass dass er Rommel in den Freitod trieb („Hitlers Krieger“, sechsteilige Serie), dass er Helfer hatte („Hitlers Helfer“, I und II), dass er Manager hatte („Hitlers Manager“, fünfteilige Serie), dass er Feinde hatte („Sie wollten Hitler töten“, „Stauffenberg – die wahre Geschichte“), dass er Kinder hatte und ein spezielles Schulsystem errichtete („Hitlers Kinder“, fünfteilige Serie) oder auch dass nicht alle in der Wehrmacht verblendete Idioten waren („Die Wehrmacht“) und man eine Bilanz zu Hitler ziehen kann („Hitler- eine Bilanz). Den 2. Weltkrieg, diesen „Jahrhundertkrieg“ (neunteilige Serie), zerlegt Knopp detailverliebt und stets sachlich in seine Einzelteile („Die SS – Eine Warnung der Geschichte“, sechsteilige Serie), beleuchtet das Wie und das Wieso, das Wer und das Wer Nicht („Die große Flucht“, fünfteilige Serie), lässt Zeitzeugen („Das Drama von Dresden“) und Wissenschaftskollegen (Sönke Neitzel) zu Wort kommen und … hoppla, da sind mir doch tatsächlich Werbesprüche dazwischen gerutscht … sorry!

Krieg ist ein Geschäft, auch wenn er längt vorbei ist.

Es wäre falsch, von einer Plattitüdensammlung zu sprechen, denn Knopps Ziel ist, wenn man ihm das unterstellen und/oder glauben darf, ja durchaus aller Ehren wert, nur ist die Präsentation weit jenseits der Fragwürdigkeit angekommen. Wie ein verschrobener Mann wird Hitler teils dargestellt, wenn er sich in rhythmischen Bewegungen zum Takte einer Musik bewegt, in die Kamera lächelt, Eva Braun versucht zu ignorieren, die wiederum verschämt den zufälligen Blicken ausweicht, während Himmler und Bormann sich auf dem Berghof über militätische Erfolge freuen und und der Zuschauer dies in Farbe verfolgen kann. Also in bunt, schön digital aufbereitet, wie ein kleines Sommermärchen mit lächelnden Verbrechern, die doch so menschlich wirken. Kurze Zeit später kommt sitzt dann ein alter Mann im Studio und stammelt schluchzend die historische Lüge überhaupt in die Kamera: „Wenn wir damals gewusst hätten …“. Es überkommt einem das kalte Grauen, wenn nicht klar gesagt wird, dass die Einwohner von Weimar sehr wohl wussten, was in Buchenwald geschieht, stattdessen sieht man Bilder von verstörten Weimarern, als sie von den US-Soldaten dazu gewzungen wurden, sich den Wahnsinn im befreiten Buchwald anzusehen.  In Sichtweite zur Stadt stand Buchenwald, um das KZ wurden die Bäume abgeholzt, damit eventuell Flüchtende Insassen leichter zu entdecken (und zu erschießen!) sind, doch die Deutschen ahnten nicht, was in den Konzentrationslagern vor sich ging. Wie sollten sie auch? Es arbeiteten dort ja nur Zehntausende als Aufseher, Verwalter und Lieferanten, aber damals erzählte man sich ja nichts, außer man war Jude, homosexuell oder Kommunist, dann wusste man Bescheid, wie auch immer dies möglich war, wahrscheinlich via Telepathie oder so.

Ein „kritisches Portrait“ zu Eva Hitler, geb. Braun, gibt es heute Abend zu sehen, natürlich auf PHOENIX, natürlich zu besten Sendezeit, und weil das nicht reicht, das „nie zuvor gezeigte Material“ an den Zuschauer muss, wiederholt PHOENIX die Sensung am Sonntag um 7 Uhr Morgens und nochmal um 18:30 Uhr.  In der Serie „Geheimnisvolle Orte“ können Sie zu Hitlers Westwall reisen (PHOENIX, 14:45), in „Momente der Geschichte“ (ZDF Info, 21:45) bekommen Sie dann nochmal Adolf zu sehen, ebenso bei „Hitlers Leichte und der KGB“ in der Mediathek (Sendung vom 5.1.). Am Montag können sie ausschlafen, denn Dienstag gibt’s von 20:15 bis Mitternacht den „Hitlers Helfer“-Marathon samt Wiederholung bis Mittwoch Morgen 7:30 Uhr.  Donnerstag zum Abendessen genießen Sie „Der Kampf um Südtirol“ in seinem Drang zum großdeutschen Reich zu gehören (ZDF Info) und am Freitag sollten Sie pünktlich um 21:00 Uhr auf PHOENIX schalten, denn Holocaust und die SS begleiten Sie stimmungsvoll durch den Abend und die frühen Morgenstunden. Wie immer werden Sie feststellen, dass alles nach Schema F abläuft: ein paar Filmschnipsel, dazu beschreibende Worte aus dem Off, dann ein Statement eines Zeitzeugen (für die zusätzliche Dosis Emotion) und ein Kommentar eines Geschichtsforschers. Alles eingerahmt von ein paar freundlich lächelnden, aber natürlich sehr mahnenden Worten von G. K. – die Guido-Knoppisierung in Perfektion!

Die Planung für neue Folgen von ZDF-History laufen auf vollen Touren, neben „Hitlers heimliche Bündnisse“ und „Hitler und die Religion“ sollen auch die Mehrteiler „Hitlers geheime Konten“ und  „Hitlers  Spione“ produziert werden. Für 2013 stehen dann „Hitlers Lieblingsrestaurants“, „Hitlers Hunde“, „Hitlers  Aliens“ und „Die Hitlers – eine deutsche Schicksalsfamilie“ mit Daniel Brühl, Tobias Schweighöfer, Veronica Ferres und Til Schweiger in den Hauptrollen wie auch „Adolf und Josef – eine Männerfreundschaft“ an. Wir dürfen also gespannt sein, was wir da dann Neues erfahren!

 

JS für Orthy.de, anno knoppi 63