Splittergranate oder -partei?

Fetzen, überall Fetzen. Infos, Gespräche, Vorgänge. Schmerzen in der Großhirnrinde, der Hypothalamus spuckt Wut-Hormone aus, man flucht über die Evolution (oder wenn man an Gott glaubt halt über ihn), dass man zwar die Augen, nicht aber die Ohren schließen kann und darüber manifestiert sich die Frage, wohin „das alles“ wohl führen mag und ob man dahin mit muss, ob der Westerwelle auch da ist und wie viele Organspenden Steinmeier noch tätigen muss, um irgendwann mal Kanzler zu werden.

 

Flashback: Zu Beginn des Superwahljahres freute sich der Außenguido, dass die FDP nun in allen Landtagen der Republik vertreten sei. Grund zur Freude für die FDP? Natürlich! Hamburg bekam einen gelben Touch, einen Klecks, mehr nicht, mehr muss auch nicht sein. Nach Sachsen-Anhalt, BaWü, Bremen und MeckPomm ist der Klecks nur noch ein winziger Spritzer, unter der Lupe noch zu sehen, aber gänzlich ohne Bedeutung. Hagen Rether lachte vor 4 Jahren ins Mikro: „Ja, das böse Wort mit „F“ – FDP, die einzige Volkspartei in Deutschland unter 6 Prozent.“ Kaum ein Jahr später blieb ihm sicher das Lachen im Halse stecken, denn wie Phönix aus der Asche erwachte die FDP  zu neuem Leben, erreichte bei der Bundestagswahl einen Wert, bei dem selbst gestandene Politologen sich verwundert die Augen rieben. Im Nachhinein relativierten die Herren des politischen Denken das Geschehen, gestanden sich aber nicht ein, das System nicht erkannt zu haben. Kürzlich wunderte sich ein polnischer Imigrant über die Euro-Politik, runzelte die Stirn über die FDP und fragte mich, wie sowas eigentlich sein könne. Ich sagte ihm, dass es ein ganz einfaches Phänomen wäre: Die schubweise Neuverpackung einer Idee in Kombination mit der Unfähigkeit des gemeinen Bürgers, komplexe Vorgänge zu verstehen, Erinnerungen zu behalten und zu hinterfragen, ergibt das Auf und Ab bei den Wählerstimmen. Der Kollege schaut mich verdutzt an, woraufhin ich ihm sagte: „Schau, der neue Chef Hamburgs war vor wenigen Jahren politisch mehr oder weniger tot, er war es, der an der Seite von Ex-Kanzler Schröder HARTZIV verteidigte, weshalb die Menschen sauer auf ihn Wahren. Nun aber ist der Herr Scholz, der liebe, knuffige Olaf, wieder obenauf.“ Der Kollege nickte erstaunt.

Doch zurück zur FDP, die ja aktuell das genaue Gegenteil von obenauf ist. In Berlin, so man den Umfragen glauben möchte, liegen die Liberalen nicht nur hinter der Piratenpartei, sondern auch hinter Curry-Kalle, Mehmen von Achmeds Döner-Eck und sogar der toten Ratte, die an der Kreuzung Bornholmer Straße und Schönhauser Allee seit 2 Wochen einen Abfluss verstopft.  Der liebe, nette, freundliche P. Rösler hat den Neuanfang der FDP nicht einläuten können, doch wie soll ihm das auch gelingen, wenn er außer lieb in die Kamera zu schauen über keinerlei Talent verfügt und damit eine Partei anführen soll, dessen ehemaliger Chef nicht mehr als Chef taugt, wohl aber als Außenminister? Das Logo der FDP sollte das Ei werden, das Hühnerei, denn der gackernde Haufen eier so herum, dass das „Öhm, naja, also, tja, Enthaltung“ in der „Libyen-Frage“ (gemeint ist natürlich der Militöreinsatz der NATO zur Sicherung des lybischen Öls) als ein fester Standpunkt verkauft werden sollte. Selbst die Kanzlerin, der hosenanzugtragende Opportunitätspudding mit einer konservativen Metastase als Kern, wirkte da schon wie eine deutsche Eiche (eine morsche natürlich, so viel Zeit muss sein).

Apropos Merkel: Diese Frau verdient Respekt, nicht nur dafür, dass sie die älteste deutsche Volkspartei während der Koalition in den Abgrund riss, sondern auch dafür, dass die CDU fast unbschadet aus der Sache herauskam. Auch muss man Frau Merkel loben, dass sie nicht nur Neandethaler wie Merz, Rüttgers und Koch überstand, sondern auch Grobiane wie Mappus und dass sie es geschafft hat, die FDP in den Boden zu rammen. So effektiv kann das Nichtstun sein – in der Politik funktioniert das, im Fußball nicht, da würde man zur Halbzeit schon 10 zu 0 zurückliegen. Was uns lehrt: Politik ist kein Bewegungssport, sondern ein Geduldsspiel für flexible, leichte Köpfe und geschmeidig biegsame Körper. Also solche ohne Hirn und Rückgrat (dies sei erwähnt, falls sich auf Orthy.de mal ein Konservativer oder Liberaler verirren sollte und nicht versteht, was gemeint ist).

Was ist eigentlich mit der PDL? (Partei DIE LINKE) Statt aus der Regierungskrise Profit zu ziehen, schickt man freundschaftliche Briefe an Castro – das die Sozialisten nicht verstanden haben, wie man Gewinne macht (Stimmen sind Geld wert!), ist aber nicht verwunderlich, denn wer so blöd ist und sich nach einer längt überholten, stigmatisierenden Sitzverteilung eines Pseudo-Parlamentes benennt, hat es natürlich auch nicht besser verdient. Es führen viele Wege nach Rom – das klassische Dilemma der Opposition und historisch betrachtet jener, die man landläufig als „links“ bezeichnet. Jetzt, wo das glaobal-kapitalistische Systeme heftige Auflösungserscheinungen zeigt, wo die liberalsten Staaten (USA, GB, Irland) am Krückstock gehen, bekommen Ernst und Lötzsch den Mund nicht auf und wenn, dann kommen leere Sprüche heraus. Es ist halt nicht jeder ein so grandioser Populist wie der Oscar oder der Gregor – c’est la vie!

„La vie en vert“ – das Leben in grün, oder besser gesagt „la vie est vert“ – das Leben ist grün. Die Grünen beweisen momentan eindrücklich, dass man ohne konkretes Konzept, dafür mir alten Parolen Wahlen gewinnen kann – FDP relaoded eben. Sollte es zu Schwart-Grün bei der nächsten Bundestagswahl kommen, kann ich schon mal die Partei nennen, die nach einem Jahr in der Regierung ihre Umfragewerte halbiert haben wird. Holt man den alten Otto Kirchheimer aus der Schublade, lässt ihn kurz seinen Spruch zum Niedergang der catch-all-parties (Volkspareien) aufsagen und behält diese Warnung im Hinterkopf, so wird einem klar, dass die politische Szene in Bälde Konstellationen hervorbringen wird, die heute noch undenkbar sind. Schmökert man ein bisschen bei Thomas Meyer, Thorstein Veblen und Platon, wird einem aber schnell bewusst, dass so und so keine Konstellation nachhaltig, reformatorisch oder gar innovativ ist. Genau deswegen ist es auch völlig egal, ob Klaus mit der Renate, dem Frank, dem Harald oder dem Christoph koalieren wird. An alle Berliner: Ergänzen Sie ganz schnell mal die Nachnahmen der Personen sowie der Parteizugehörigkeit und die 3 obersten Punkte auf der Wahlkampfagenda! Sie haben 20 Sekunden Zeit …

 

JS für Orthy.de, C2011