Das Panda-Prinzip

Pandas regen mich zum Nachdenken an. Okay, wer Pandas kennt, der weiß, dass diese selbst scheinbar wenig nachdenken. Aber ganz im Ernst, ich überdenke zwei Philosophien, mit „Heimelektronik“ umzugehen – eine puristische Panda-Strategie und meine „was geht wird gemacht“-Variante. Gibt es ein „Mittelmaß“? Was ist denn nun besser? Oder ist beides gut?

Warum gibt es Pandabären?

Nein im Ernst, wozu gibt es die? Sie fressen Bambus, aber nur eine Sorte, ein bisschen zu warm, ein bisschen zu kalt und schon gibts keine kleinen Pandas mehr. Sie verlieben sich nicht in Gefangenschaft, haben scheinbar keinen Spaß am Sex, überhaupt keinen Überlebenstrieb und sind apathisch herumsitzende, hier und da mal kletternde Zeitgenossen, deren einziger Lebenszweck es demnach zu sein scheint, Bambus zu fressen und unheimlich putzig auszusehen. Sie halten keine Schädlinge vom Wald fern. Wäre der Bambus den sie verputzen wenigstens ein wildwucherndes Unkraut – aber nein, Panda und Bambussorte sind gleichermaßen vom Aussterben bedroht!
Was hat das nun mit diesem Thema zu tun? Gar nichts! Aber denk mal drüber nach!

Phasen eines Arbeitsalltages

Ein Tag, wie er sein könnte

Ich versuche für mich herauszufinden, ob diese ganze Technik eher Segen, oder eher Fluch ist. In locker fortlaufender Weise schreibe ich mir nun einfach einen Tag hintereinader weg zusammen, wie es viele in meinem Kalender gibt, immer mit dem Hintergedanken, ob ich technisch unterstützt werde, oder es auf die „altmodische Art“ mache.

Entsprechend ist der Text farblich hinterlegt.
Grün: Reichlich Hightechfirlefanz, wie sich das die Industrie so vorstellt.
Blau: Klassischer. Einfaches Handy, Notizbuch, …

Phase 1 – Aaaaaaufstehen…

(05:30) Mein Handy klingelt. Okay, „Smartphone“. Es weckt mich mit Lieblingsmusik. Über Nacht hat das gute Stück via WLAN E-Mails runtergeladen, RSS-Feeds der (für mich) wichtigsten interessantesten Internetseiten runtergeladen – Lesestoff für in der Bahn, seine „Apps“ aktualisiert und Facebook-Neuigkeiten geladen. Wecker aus, Kaffee kochen. Ich trotte in die Küche und drücke den blauen Knopf und gehe Duschen.

(05:30) Mein Wecker klingelt. Er weckt mich mit der lispelnd verrauschten Stimme einer Frau, die mir über das Radio Antifaltencreme aufschwatzen will, danach nervt mich ein Autohändler mit dem neuen Schlitten Coupet…. ich beschließe aufzustehen. Auf dem Handydisplay sehe ich, aha, Jürgen hat angerufen. Ja, den muss ich mal zurückrufen, denke ich mir und trotte in die Küche. Kanne, Wasser, Pulver, Kaffee… Duschen.

Phase 2 – Frühstück

(06:15) Musik macht müde Männer munter. Das „Smarte Smartphone“ hat die ganze Zeit nicht aufgehört zu dudeln. Fröhlich saugt es von der an die DSL-Box angeschlossenen Festplatte „gestreamedte“ Musik. Nur Musik, denn die Bandbreite der DSL-Box ist nicht die Welt. Da muss irgend wann etwas neues her. Ich tippe kurz auf das Display… Genre, hmmm… Rock vielleicht… Bewertung, nix unter 3 Sterne… aah, das ist geil. Hab ich ja schon ewig nicht mehr gehört. Tipp und schwupps, die Datei wandert aufs Telefon – für später im Zug. Eilig kriegt der Hund sein Futter, ich meinen Toast, dann gehts vor die Tür mit dem kleinen Wolf, geschäftliches erledigen.

(06:20) Musik macht müde Männer munter. Der MP3-Player spielt zum dritten Mal den gleichen Song. Ich muss undbedingt mal neue Musik auf das Ding packen. Die alte nervt so langsam. Ich beschließe für die anstehende Bahnfahrt wenigstens noch fix 3-4 Lieder auf das Ding rauf zu machen, flugs zum PC, den ich im übrigen so konfiguriert habe, dass er 05:30 praktisch „mit mir“ in den Tag startet, und so keiner dran sitzt, um 08:00 Uhr auch wieder aus geht. Sehr praktisch! Binnen 5 Minuten habe ich in meinen tausenden Dateien doch die Lieder gefunden, denn sie liegen gut strukturiert. Hund füttern, Toast essen. Auf zum kleinen Geschäftlichen!

Phase 3 – Die braune Masse und wer ist Jürgen?

(06:45) Während ich dem Hund beim Bretzelnbacken zuschaue, geht mir der Schnack mit Jürgen gestern nicht aus dem Kopf. Er hatte mir via Facebook eine Nachricht zukommen lassen, ich soll doch bitte kein Bier, sondern lieber etwas Fleisch mitbringen. Mir schwant, ich könnte was vergessen haben. In den Kontakten des Smartphones, welche jene Informationen, die ich liebevoll in mein Online-Profil eingegeben habe, mit jenen aus Facebook und ein bis zwei anderen Netzwerken „verheiratet“, finde ich es schnell heraus. Ja, Jürgen hat Geburtstag und ja, ich habe versprochen zu kommen. Jürgen, das ist der Freund von Isabell und Isabell kenne ich wieder sehr gut. Isabell hat eingeladen. Und wie ich so im Smartphone schmökere sehe ich – ich habe um 08:30 einen Termin – Ach war das heute?

(07:10) Wären ich dem Hund beim Schockotalerweitwurf zuschaue, spiele ich kurz am Handy rum. Bin spät dran, sagt die Handyuhr. Jürgen hat angerufen. Wer ist Jürgen? Seit ich mein letztes Handy ins Wasser geworfen habe und natürlich die Client-Software von Leif Ericsson nicht kompatibel ist mit der von Sam Zung… Egal! Gute Gelegenheit mal die Kontakt aufzuräumen. Komm Hund wir müssen los! Schon zehn nach sieben!

Phase 4 – Arbeitsweg

(07:10) Gassi ist für das Tier das größte *g*. Da mich der Hund inspiriert hat, beschließe ich aber vorher noch einmal dem Keramikgott etwas zu opfern.
Um 07:30, eigentlich schon etwas spät aber noch gerade so pünktlich, also perfekt stehe ich an der S-Bahn. Und da kommt die Bahn – nicht. „Die Linie S41 verspätet sich voraussichtlich um wenige Minuten!“.
10 Minuten späte ist sie dann doch da.
In der Bahn lese ich kurz mal meine E-Mails quer. Isabell. Ich soll Jürgens Geburtstag nicht vergessen und Jürgen isst kein Rindfleisch! Gleich mal markieren und „kopieren“, ab in den Kalender und für heute Nachmittag nach der Arbeit einen Termin einfügen… so kann man sich eine Bahnfahrt auch versüssen. Dauert rund 5 Minuten. Mit dem Zettel wäre ich schneller gewesen (oder das gute alte Notizbuch). Ob Smartphones uns wirklich produktiver machen? Hmm… Ein Termin ist gesetzt: 18:00 – Jürgen, Geburtstag, Fleisch holen, kein Rind. Rostbrätel?
Auf Facebook ist der Gratulationsreigen schon los gegangen. Und das früh um halb acht! Das deutet schon an, nicht nur Jürgen, auch seine Freunde werden älter. Ich hinterlasse einen Gruß.
Nun komme ich doch noch datzu einge RSS-Feeds, eine chronologische Auflistung aller Neuigkeiten der für mich interessanten Sites, zu lesen.
Das Lied vom Frühstück begleitet mich auf den letzten Metern Fussweg zur Arbeitsstätte.

(07:30) Gassi ist für den Hund das größte *g*. Der Hund hat mich sicher inspiriert, doch ich habe beschlossen mit meinen Stoffwechselprodukten meinen Arbeitgeber zu schädigen, denn jetzt muss ich los! Es muss schon ein romantischer Anblick gewesen sein, wie ich erst dem Zug hinter laufe und dann sehnsüchtig nachblicke. Mein Blick wandert auf die Anzeigetafel: S41 in 17 Minuten. Ich zücke mein Handy, die Uhr zeigt 07:45. In mir drin brodelts. Doch nicht aus Wut. 3 Jahre Berlin härten ab, sondern weil ich nach wie vor diese Inspiration meines Hundes in mir spüre. Ich beschließe ihr nachzugeben, gehe die Treppe des S-Bahnhofes wieder hinauf, dort zum Imbiss, bestelle einen Kaffee und gehe erst mal so richtig schön…
Fünf Minuten später bin ich dann auch fertig, habe einen frischen Kaffee. Von der Idee um 08:00 Uhr in der Firma zu sein habe ich mich längst verabschieded. Zu wissen, dass man etwas gar nicht mehr schaffen kann, verschafft Gelassenheit. Am Bahnsteig kaufe ich mir noch die BZ. Berliner Frühstück – BZ und Kaffee, dazu ne Kippe.
Endlich in der Bahn angekommen versuche ich meine BZ etwas „auszubreiten“, was aufgrund des alltäglichen Gruppenkuschelns in der Bahn Übung erfordert. Ich schaue auf mein Mobiltelefon. Ohje, schon zehn nach acht, sonst nichts neues. Auch nicht in der BZ. „Rapunel behauptet Rübezahl habe einen Haarfetisch“, „Prince verklagt die Gebrüder Grimm auf Markenrechtsverletzung – Ab sofort heissen alle Prinzen in den Märchen TAFKAPBNTPGFE (The Artis formerly known as Prince, but not that prince guy from egypt)… Lokalteil, viel Quatsch, viel zum betreten Schmunzeln, Politikteil, äh ja.. Sportteil, nicht meins. Zum Schluss die bewundernswerten Konturen der nackten Hausfrau auf der letzten Seite. Da hat man Lust aufs Putzen.
Zur Zeitung gibt es Musik aus dem MP3-Player auf die Ohren. Jeden Tag, jeden Tag, jeden verdammten Tag die gleiche Musik. Radio kann man auch vergessen, das nervt nur. Vielleicht hole ich mir wieder einmal ein Hörbuch.