April-Webwatch

Das Internet besteht zwar zu 99% aus PrOn, aber auch das verbleibende Prozenz beinhaltet so dermaßen viele Informationen, dass es dem Menschen unmöglich ist, auch nur halbwegs die Übersicht zu behalten. Das lässt sich auch nicht ändern, tragisch aber wahr. Der vierte Monat des zweiten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends der Menschheit nach Jesus Christ Superstar ist da keine Ausnahme – allein vom Drittel der Trinität gibt’s nichts neues, liegt es am biblischen Götzendilemma?

 

Um die Frage kurz zu beantworten: Ja! Denn das zweite Gebot verbietet Götzen, doch Jesus, ein Teil der Trinität, am Kreuze ist ein Götzenbild – schön doof, oder? Papst Benedikt XIV hat sich hierzu in seinem neusten Werk natürlich nicht geäußert.

 

Nach dem üblichen Scherz-Start in den Monat, wobei man auf den ersten Blick auch glauben konnte, eine intelligente Folie, die Gammelfleisch erkennt, gehöre dazu, gab es einen Weltrekord zu vermelden: in Innsbruck schafften es Physiker mit 14 Quantenbits zu rechnen – das hätte ich nicht nicht erwartet, vielleich auch weil ich keine Ahnung habe, was ein Quantenbit ist. Es ist aber schön zu wissen, dass sich Physiker mit vielen unglaublich kleinen Dingen beschäftigen und damit die Vorurteile bestätigen. Scherz bei Seite, aber bleiben wir bei der Physik: das AKW Fukushima hat sein 1971 Probleme mit dem Notkühlsystem – nein, halt, das ist Politik, denn kein Physiker hätte dieses Problem ingnoriert. Die Politik ist die Krönung der Ignoranz, das wird in bei Fankreichs Einsatz in der Elfenbeinküste klar, beim typischen Zensursula-Auftritt beim Berufsbildungsbericht 2001 und auch bei es-gibt-eine-Stromlücke-Brüderles Eigentor mit der Studie über erneuerbare Energien. Natürlich wäre der Blick auf die Welt ohne die Erwähnung des Land of the brain-free kein umfassender, der IWF stellt die USA auf eine Stufe mit Griechenland, was sinnvolles Sparen bedeutet, weiß Obama vielleicht, allein realisieren kann er es nicht, und solange die weltweite Rüstungsindustrie so herrlich boomt, wird sich das auch nicht ändern. Aus Texas gibt’s übrigens auch etwas zu vermelden: das Zentrum der Konservatismus und der Frömmigkeit wird zur Brutstätte der bildungsfernen Unterschicht – kurz gefasst: Neoliberalismus + christlicher Fundamentalismus = Idiotie³!

Machen wir mal einen Bogen um Fukushima, denn der dortige GAU ist zwar wahrhaftig eine Katastrophe, aber als singuläres Phänomen halt medial zu greifbar, sodass man andere Probleme allzu gern ausblendet. Da wäre z.B. das saure Meerwasser,  welches Lebewesen geradezu auflöst, da wären 40 Fischarten, die im Mittelmeer vom Aussterben bedroht sind, da wären die nicht abschätzbaren Folgen der Deep-Water-Horizon-Katastrophe,  und letztlich eine alte, nun aber bestätigte These, dass Armut krank macht – es sollte also nicht verwundern, wenn im Land des lupenreinen Demokraten enorm viele Kranke leben und der Krankenstand in der Minijobber-Republik Deutschland zukünftig das soziale Netz zum Reißen bringen wird.

Apropos Gesundheit: dass das Medienkonsumverhalten „unserer Kinder“ ungesund ist, vor allem natürlich auf geistiger Ebene, ist nun keine neue Erkenntnis, aber welche Auswirkungen es auf die Blutgefäße hat, ist schon erschreckend. Im weitesten Sinne das physische Wohl betreffend und ebenfalls sehr erschreckend, ist das Phänomen der U-Bahn-Gewalt, welche mittlerweile fast schon ein alltägliches ist. Wenn sogar konservative Medien wie Die Welt schreiben, dass der Sparkurs samt heillos überforderter Polizei die Gewalt begünstigt, müssen sich Politiker wie Big Brother Schäuble natürlich die Frage gefallen lassen, wieso man pöhse Terroristen jagt, man aber die „normale“ Gewalt nicht in den Griff bekommt.

Tja, gibt’s auch mal was Positives zu vermelden? Wenn es nach Sarkozy geht (dass dieser Name gerade hier fällt, hätte sicher keiner erwartet), dann sollen Beschäftige zukünftig mehr von Gewinnen der Unternehmen profitieren, das Ozonloch über Europa schrumpft (vorerst) und die UNO rügt die US-Regierung wegen ihres Verhaltens gegenüber Bradley Manning, die Isländer gehen aud Konfrontationskurs in Sachen Bankenrettung und in der Causa Guttenberg wurde nun auch offziell das bestätigt, was der logisch-denkende, also nicht verblendete Bürger schon vorher wusste: Copycarl hat absichtlich abgeschrieben! Dass K.T. sich gegen die Veröffentlichung sträubt, verwundert wohl keinen.

Hmm, über was man sich heute schon freuen kann? Soll? Muss? Darf? Es ist eigentlich traurig, sich über eine „Lösung“ eines Problems zu freuen, wo doch die Problemvermeidung Priorität haben sollte und auch nicht mal unmöglich gewesen wäre.

 

JS für Orthy.de, C2011