Orthys Fotoguide Teil 3: Es werde Licht!

Blende und Zeit

Konturschärfe gibt es nur mit langer Belichtungszeit

Wir können eine kurze Belichtungszeit durch große Blendenzahl erkaufen. Bei guten Lichtverhältnissen bieten sich hier nun eine Vielzahl an Möglichkeiten. Man kann beispielsweise mit einer sehr hohen Schärfentiefe (Blende >f/9.0) arbeiten, oder aber die Belichtungszeit sehr kurz halten und so Verwackeln vorzubeugen. Warum nicht eine Belichtungszeit von 1/1000s, wenn man sich es leisten kann? Sehr einfach: Es geht die „Konturschärfe“ verloren, die „Dynamik“ im Bild und damit die Plastizität eines Objejktes. Wer schöne Kontraste und gute Dynamik will, muss so lange belichten „wie er eben kann“. So beispielsweise bei Plastiken, Gebäuden, aber auch Makroaufnahmen gerne gewollt.

Und so kommt man in die Situation, obwohl man tolles Licht hat, trotzdem ein Stativ zu nehmen, weil man länger belichten will.

Überbelichten, absaufendes Schwarz oder unbedingt korrekt belichten?

Es kommt der Tag, da willst Du eine Landschaft fotografieren. Zuhause angekommen und am PC betrachtet ist der Himmel weiß. Sicher, mit der Bildbearbeitung lässt sich noch was machen. Aber die Wolken sind weg.

Wie kommt das? Nun der Himmel ist durch die Sonne logischerweise wesentlich heller als der Boden. Die eingebaute Belichtungsmessung der Kamera hat festgestellt, dass der „untere Teil des Bildes“ der relevante ist (Siehe: Selektivmessung) und beschlossen, dass die Lichtwerte des Himmels nur zu ca. 25% in die Belichtungszeitberechnung eingehen.

Die Landschaft sieht hierdurch eine Nuance unterbelichtet aus, der Himmel aber total überbelichtet.

Simple Lösung: Ein Grauverlaufsfilter, welcher die obere Bildhälfte etwas „abdunkelt“ und hierdurch die Belichtung „geraderückt“ oder eine Belichtugnsreihe und späteres Zusammenfügen der Unterbelichteten und Überbelichteteten Aufnahme in der EBB.

Andere Szene, immer gerne als Beispiel verwendet, ein Brautpaar. sie in strahlendem Weiß, er in Schwarz. Misst der Belichtungssensor ihr Kleid, werden die dunklen Töne im Bild „absaufen“, richtet man den Sensor auf seinen Anzug, wir die Braut strahlen wie eine 400 Watt-Glühlampe. Hier hilft übrigens auch die Belichtungsmessung auf Graukarte.

Was ist nun besser? Absaufende dunkle Töne (Grau zu schwarz) oder ausfransendes „weiß“ (der „weisse Himmel“, das strahlende faltenlose Brautkleid…)….

Obwohl unsere Landschaft völlig korrekt belichtet wurde sieht sie so nicht gut aus. Hier, so denkt man sich, hätte man mal lieber einen Tick unterbelichten sollen. Beim Brautpaar wäre das zum Problem geworden, denn dann wäre der Anzug des Bräutigams tiefschwarz und ohne jede Details.

Ich persönlich habe immer Schwierigkeiten das wirklich abzuschätzen. Ich sage mir, es muss die maximale Bildinformation auf die Speicherkarte und entsprechend mache ich eine Belichtungsreihe und entscheide zuhause. Die unterbelichtete Landschaftsaufnahme hat den guten Himmel, die leicht überbelichtete die Bodendetails.

Beim Brautpaar hat das unterbelichtete das schöne Brautkleid, das überbelichtete den Anzug.

7. Mist! Gerade keine Graukarte dabei. Was ist das überhaupt, Graukarte?

Das „Mausgrau“ einer Graukarte gilt als jener Farbwert, welcher bei verfügbarem Licht dem Belichtungsmesser hilft die genau richtige Belichtung zu finden. Du hälst sie vor die Kamera, drückst den Knopf für Belichtungsspeicherung (oder, wenn Du noch nicht weisst wie das geht, den Auslöser „halb durchdrücken“), nimmst die Karte weg und fotografierst.

Bei Canon geht das so:

1. Karte vor das Objektiv

2. Auslöser halb durchdrücken

3. „*“-Taste auf der Rückseite (rechts oben) drücken. Die Belichtung bleibt gespeichert.

Blöd nur, wenn man so eine ultrapraktische Graukarte mal wieder nicht da hat. Dann muss man sich so behelfen, dass man die Kamera die Belichtung an einem anderen Punkt nehmen lässt. Sprich in unserem Brautpaar-Beispiel, richten wir die Kamera erst einmal nicht auf das Paar, sondern ein bis zwei Meter daneben, oder auf die Treppe, nehmen die Belichtung ab und lösen dann erst aus.

8. Belichtungsspeicherung? Was soll das?

Bei jedem Auslösen misst die Kamera die Belichtung neu. Super, dann muss man also seine Belichtung, liebevoll mit Graukarte eignestellt, immer wieder neu machen! Graukarte vor halten, halb durchdrücken, Graukarte wegnehmen und auslösen. Blöd! Jede SLR bietet jedoch die Belichtungsspeicherung. Sprich, eine Taste, welche die Belichtungsmessung speichert, bis man sie wieder löscht. Dann wird nicht jedes Mal neu gemessen.

Schlusswort zu Teil 3

Über Licht und Belichtung sind ganze Bücher geschrieben worden. Ich will mich hier nicht so weit aus dem Fenster lehnen, alles erklärt zu haben. Es würde den Rahmen meiner kleinen Artikelserie bei weitem sprengen. Ich hoffe jedoch ich konnte einen gewissen Überblick verschaffen, wie die Zusammenhänge sind. Einige Dinge sind nun klarer „wie sie gemacht werden“, wie man absichtlich unscharf fotografiert, und vor allem wie man die beabsichtigte Schärfe ins Bild bringt.

Der wahre „Kompromiss“, zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO-Level ist der Kreativitiät des Fotografen überlassen. Jede dieser Größen hat auch einen sehr eigenen Einfluss auf die Bildwirkung.

 

Und hier die Links zu den „alten Guides“, für all jene, die etwas mehr darüber wissen möchten:

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