Orthys Fotoguide Teil 3: Es werde Licht!

Heiss diskutiertes Thema: Der optische Bildstabilisator

Stabilisatoren sind überschätzt

Hast Du Dir jemals Gedanken gemacht, wie der optische Bildstabilisator, oft IS (Canon) oder OIS (Panasonic) genannt, funktioniert? Nehmen wir also an Du schwenkst ein paar Millimeter beim Auslösen nach unten. Bei einer Brennweite von 300mm ist das Bild dann futsch. Der Stabi darf das richten. Doch wie macht er das? Du hast ein klassisches Henne-Ei-Problem. Du hast ja bereits die Kamera verrissen, wenn der Stabi überhaupt merkt, dass etwas passiert ist. Dies bedeutet, der Stabilisator hat nur den tausendsten Bruchteil einer Sekunde, um eine Bewegung „rückgängig“ zu machen. Dabei muss er Millimetergenau arbeiten.

Tatsächlich funktionieren die meisten Stabilisatoren gleich. An zwei Gyromotoren „hängt“ eine oder mehrere Linsen oder Prismen, welche bei Bewegungen entsprechend gegensätzlich verschoben werden und so den Bildkreis stets gleich auf den Sensor fallen lassen. Dabei kann auf Schwingungen von bis zu 10Hz (Panasonic OIS) ausgeglichen werden. Sprich alles, was sich an Bewegung innerhalb einer Zehntelsekunde abspielt.

Grundsätzlich

1. Der Stabilisator rettet keine Zitterhand

Stabilisator hopp oder topp, eine ruhige Hand ist wichtig. Wenn man ohne Stativ fotografiert sollte die Kamera trotzdem nicht wackeln. Idealerweise kannst Du die Ellenbogen dabei abstützen, aber wenn auch das nicht geht, so solltest Du die Kamera stabil halten. Hierzu sollte eine Hand das Objektiv von unten umfassen und der Arm auf die Brust gestützt werden. Die rechte Hand sollten den Body fest halten und am Auslöser sein. Der Arm sollte eng an Körper liegen. Vor dem Auslösen kurz durchatmen. Ausatmen, Luft anhalten, auslösen und dabei darauf achten, dass man nicht „verreist“. Ferner sollte man eine kleine Bilderserie von 2-3 Bildern abfeuern. Das „Mittlere“ ist meist dann weniger verwackelt, da beim ersten der Spiegel erst ausgelöst wird und beim letzten geht meist die Körperspannung schon wieder verloren. Diese Bilderserie, auch „Schrotfilntenverfahren“ genannt, liefert oft gute Ergebnisse.

2. Trotz Stabilisator: Je kürzer die Belichtungszeit…

… desto weniger stört verwackeln. Auch ein Stabilisator sorgt bei langen Belichtungszeiten für eine gewisse „Unschärfe“, da der Sensor des Stabilisators manchmal auch dann eine Bewegung wahrnimmt, wo es gar keine gibt. Je weiter ein Objekt entfernt ist, desto mehr fällt an ihm das Verwackeln auf (logisch). Bei besonders langen Brennweiten ist dann schnell mal das ganze Bild unscharf.

Als Faustregel ist es gut sich zu merken: Die Belichtungszeit ist etwa 1/Brennweite. Bei 50mm also 1/50s. Aber selbst da ist das Verwacklungsrisiko groß.

Ich persönlich tendiere dazu zu sagen:

Ohne Stabi mindestens 1/300s bei 50mm Brennweite, mit Stabilisator 1/160s.

Sobald aber Belichtungszeiten von 1/1000s zur Verfügung stehen: Stabilisator aus! Bei solch kleinen Belichtungszeiten kann er nichts mehr „richten“ und stört eher.

Bedeutet meine Faustformel ist eher 1/(Brennweite * 6). Bei 300mm und ohne Stabi oder Stativ ist unter 1/800s nichts mehr zu machen. Will man auf 300mm über einen großen Bereich „Schärfe“ herstellen, muss die Blendenöffnung klein werden, also mindestens einmal f9. 1/800s bei Blende f9 setzt wirklich strahlenden Sonnenschein voraus, oder einen hohen ISO-Level.

Die Frage ist nun, ob der Stabilisator bei 1/800s noch nützen kann?

Darum wage ich auch die Sinnhaftigkeit von bspw. 70-300mm-Objektiven, welche zwar günstig zu haben sind, aber mit geringer Lichtstärke als Freihandobjektive komplett unbrauchbar sind, zu bezweifeln. Diese kann man wirklich nur sinnvoll am Stativ einsetzen.

3. Stativ: Wo es möglich ist, auch benutzen! Stabi aus!

Wichtig bei Stativfotografie: Stabilisator aus! Der Gyromtor des Stabis sorgt für Erschütterungen, der Stabilisator selbst trifft nicht immer und verwackelt bei Langzeitbelichtungen erheblich. Wenn man (zur blauen Stunde bspw.) eine längere Belichtungszeit braucht, so sind Stative unumgänglich. Da das Stativ während der Aufnahme idealerweise nicht wackelt, ist auch ein Stabilisator unsinnig.

4. Stativ zum 2.: Zeitverzögert, Belichtungsreihe und Spiegelvorauslösung

Um das letzte an Schärfe heraus zu kitzeln, sollte man eine zeitverzögerte Auslösung machen. Sprich: Man drückt und erhält Gelegenheit die Kamera los zu lassen. So kommt es beim „Knopfdrücken“ nicht zu Verwacklern. Die „Spiegelvorauslösung“ klappt den Spiegel weg, bevor eine Aufnahme gemacht wird. So fällt auch diese „kleinste“ Erschütterung weg.

Mittels einer Belichtungsreihe von 0,5 bis 1 Blendstufen über- und untebelichtet, sowie einer korrekt belichteten Aufnahme, kann man später in er EBB einen größeren Kontrastumfang erreichen, indem man die Bilder zusammenfügt.