Orthys Fotoguide Teil 3: Es werde Licht!

Fotografieren ist das Arbeiten mit Licht. Man nutzt eigenarten des Lichtes schamlos aus um gute Fotos zu machen. In den ersten beiden Guides ging es sehr um die Technik und grundlegendes Anfängerwissen. Das alles war nur vorbereitend, um verstehen zu können, wie die Zusammenhänge zwischen Bild und Wirkung sind.

 

 

Der Zusammenhang von Belichtungszeit, Blende und ISO-Level

Grundlage

Alle drei Begriffe kennen wir nun, aber sie stehenin einem kausalen Zusammenhang, den Blende und Belichtungszeit regeln die Lichtmenge, der ISO-Level die Empfindlichkeit des Sensors. Die Kamera, oder ihr Anwender kann also alle 3 Werte entsprechend einstellen, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten.

Belichtungszeit / Verschlusszeit

Masstab
Das Verhältnis Entfernung zur Abbildungsebene - je weiter ein Objekt entfernt ist, desto kleiner ist es auf einer Abbildung und desto geringer ist auch der Einfluss der Bewegungsunschärfe.

Die Belichtungszeit (oder Verschlusszeit) wird unter einer Sekunde in Sekundenbruchteilen angezeigt, darüber in Belichtungssekunden. Sie ist jene Zeit, in welcher die Blende „offen“ ist und somit das Bild aufgenommen wird.

 

Je kürzer diese Zeit ist, desto weniger Licht fällt auf den Sensor.

Je kürzer diese Zeit ist, desto schärfer jedoch werden bewegte Objekte dargestellt.

Willst Du freihand ein Bild aufnehmen und hast eine wirklich ruhige Hand, dann brauchst Du trotzdem rund 1/160-Sekunde oder weniger, damit die Aufnahme nicht „verwackelt“. Es ist zwar auch immer von der Zoomstufe und Motiventfernung abhängig, aber 1/160 kann man getrost als Minimum für Freihandfotografie ansehen (bei „Normalbrennweite“).

Aber die Verschlusszeit kann auch als stilistisches Mittel gewählt werden. Nehmen wir ein vorbeifahrendes Auto bei 50 km/h. In einer Sekunde bewegt sich der Wagen rund 13 Meter weiter. Bei einer Belichtungszeit von 1/160 bedeutet dies, dass er sich in der Zeit rund 8 cm weiter bewegt hat. Das Auto wird unscharf. Bei 1/640 sind es noch 2 cm. Immer noch nicht ganz scharf und bei 1/1000 sind es 1,3cm usw. Erst bei 1/4000 sind es nur noch rund 0,33 cm, was dann wohl scharf werden dürfte. Man kann also durch gezielt längere Belichtungzeiten absichtlich „verschwimmen“ lassen (Bewegungsunschärfe) oder durch sehr kurze schnelle Bewegungen einfrieren.

Blende

Beispiel für Blende 2,8
Blende 2,8 bei 35mm kurze Distanz. Die Figur ist scharf, die Umgebung unscharf.

Die Blende ist schlicht gesprochen jenes Loch, durch welches das Licht durch das Objektiv fällt. Richtig wäre also „Blendenöffnung“, jedoch spricht man im Jargon gerne einfach von „Blende“.

Die größe der Blende wird auch „Blendenzahl“ genannt, wobei eine größere „Blendenzahl“ eine kleinere Blendenöffnung „symbolisiert“. (Tatsächlich lässt sich aus dem Verhältnis Brennweite / Blendenzahl der tatsächliche Durchmesser in Milimetern der Blende bestimmen). Normale Blendenzahlen sind 2,8 , 3,5, 4,0 , 5,6 usw.

Bei vielen Zoom-Objektiven ist die kleinste Blendenzal „f/3,5“, bei einigen „f/2,8“ und es gibt im oberen Preissegment noch besser, deren Frontlinse dann meist dem Durchmesser des Badezimmerspiegels Kokurrenz macht. Jede Blendenstufe halbiert bzw. verdoppelt die einfallende Lichtmenge! (wichtig!)

Wie wir im Kapitel „Fokusebene“ (Teil 1) gelernt haben, verändert sich mit der kleineren Blende aber nicht nur die Lichtmenge, sondern auch der Fokusbereich. Im Falle

einer großen Blende (kleine Blendenzahl) ist also der Fokusbereich „eng“.

Will ich also 1/4000 Belichtungszeit fotografieren, so kann ich gerne die größte Blendenöffnung (sinnigerweise auch „Offenblende“ genannt) nehmen, doch dies führt zu einem Effekt, der eventuell nicht gewollt ist. Das Motiv wird scharf, doch mit der Entfernung nimmt die Schärfe ab.

Beispiel: Ein Wintermorgen. Bei einer Blende von F2,8 erreiche ich zur korrekten Belichtung (bei ISO200, dazu später mehr) gerade einmal eine Belichtungszeit von 1/160. Die Umgebung (dank Offenblende) wird unscharf. Die Figur hierdurch freigestellt. Der Fachmann spricht vom „Bokeh“.

Der ISO-Level – Letzte Chance auf mehr Licht

Die Empfindlichkeit des Sensors. Wir erinnern uns ISO100 ist sehr rauschfrei weil sehr tolerant aber „Lichthungrig“.

ISO400 und mehr sind je nach Kamera etwas „kriselig“ bis hin zu merklichem Rauschen, aber „genügsam“ an Licht.

Um bei meinem Beispiel „Wintertag“ zu bleiben: Bei ISO1600 „schaffe“ ich bei Offenblende eine 1/320er Belichtungszeit (gerade so).

Erkauft habe ich dies durch eine sehr hohe ISO-Einstellung, welche wie gesagt etwas „rauschlastiger“ ist und eine Offenblende, welche mir die Figur „freistellt“, den Rest aber unscharf wirken lässt.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.