Orthys Fotoguide Teil 2: Kauf der richtigen Technik

Problemfall Objektiv

Verzerrungen im Bild – Disortion

Es gibt nun mehrere verschiedene Probleme, welche bei sehr komplexen Linsensystemen, wie Objektive es sind, auftreten können. Basierend auf dem, was wir bis hierher wissen, hier der erste Exkurs.

Durch die verschiedenen Krümmungen der Linsen und Ungenauigkeiten bei der Fertigung von Objektivmechanik und Linse kommt es häufig zu „Verzerrungseffekten“. Gerade Dachkanten werden „gebogen“, im Weitwinkelbereich kommt es zu einer Art „Fischaugeneffekt“ (also einer Wölbung). Im Tele-Bereich geht diese Wölbung häufig in die andere Richtung. Da die Brechung in den Randbereich bekanntlich stärker ist, nimmt die Verzerrung hier zu (Prinzipiell wie oben beschrieben zum Thema Unschärfe und Schärfebereich).

Nicht umsonst sind bei Spiegelreflexkameras die Objektive recht teuer. Schon Fehler im Bruchteil eines Milimeters können ein Objektiv von einem Spitzenprodukt zur absoluten Gurke machen. Es wird aber gerne die Disortion mit „stürzenden Linien“ verwechselt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Bei der Disortion kommt es durch Tonnen- oder Kisseneffekte zu verkrümmten Linien. Stürzende Linien sind ein ganz normale optischer Effekt, welcher vom Menschlichen Hirn beim Betrachten dreidimensionaler Objekte ausgeglichen wird, aber nicht bei zweidimensionalen Fotos. Dazu später noch einmal.

Unschärfe im Bild 1 – Fehlfokus, oder der Fokus „sitzt nicht“

Ein schnell erkanntes Problem. Man probiert und probiert, der Messensor meldet „Scharf! Drück ab!“ und trotz Fokus „voll drauf“ sind die Blätter am Baum in 10 Metern Entfernung „Matsch“. Dies kann mehrere Ursachen haben.
Zum einen Anwenderfehler (sprich, der Fokus sitzt schon, das Objektiv funktioniert super) wie verwackeln oder zu kleine Blendenzahl (auch dazu später noch mehr).

Zum anderen, kann es vorkommen, dass der AF fehlfokussiert. Hier liegt meistens am Objektiv, welches nicht jene Einstellung wählt, welche laut Phasenvergleich das „Optimum“ darstellt. Da die meisten Kameras AF-Through-The-Lens (durch das Objektiv) machen, sprich keine separate Messung haben, ist davon auszugehen, dass die Messdaten des AF-Sensors schon stimmen.
So kann es aber passieren, dass der Sensor misst, das Objektiv stellt ein, der Sensor misst wieder („Nanu, immer noch unscharf“), das Objektiv stellt neu ein und es geht immer so weiter.

Ein sogenannter „Fehlfokus“ des Objektivs lässt sich schnell diagnostizieren. Stellt man seine Kamera von „AF-Mehrfeldmessung“ auf „Kontrastmessung“ um und das Ergebnis wird besser, oder das Objektiv scheint nicht zum Stillstand zu kommen, haben wir hier ein Fokusproblem und das Objektiv muss zur Justierung.

Unschärfe im Bild 2 – Chromatisch Abberation

Man könnte es auch vereinfachten „Prismeneffekt“ nennen. Bei der Brechung werden verschiedene Wellenlängen von Licht auch verschieden stark gebrochen(bspw. Blau viel stärker als Rot). Objektive kompensieren das. Machen sie es schlecht, kommt es zu „Farbsäumen“ an den Kanten. Häufig sind diese Rot und Blau oder Violett und Grün. Dies lässt sich verhältnismässig gut mit Programmen beseitigen, kommt gerade bei Zoomobjektiven verstärkt vor, zeugt aber von schlecher Güte, je stärker dieser Effekt ist.

Chromatische Abberation

Unschärfe im Bild 3 – Vignettierung

Nicht wirklich eine „Unschärfe“ bezeichnet die Vignette eine kreisrunden Helligkeitsunterschied am Rand, welcher zum einen der Filterwirkung des verwendeten Glases (verschiedene Dicken) oder eventueller Fassungen welche in das Bild hinein ragen und so ihren „Schatten“ werfen geschuldet ist. Meist sieht man Vignettierung gar nicht. Wenn sie so stark ist, dass man sie sofort sieht, ist es ein guter Zeitpunkt das Objektiv zurückzugeben. Grundsätzlich hat jedes Objektiv eine leichte Vignetten-Neigung, welche sich ohne Probleme in der elektronischen Bildbearbeitung beheben lässt.