Orthy-Archiv: Orthy speist im Linux-Restaurant

Ich gebe zu, es ist weniger geworden, hier auf Orthy.de. Wir sind nun 10 Jahr „am Markt“ und so komm ich nicht umhin, dass einige wirkliche Perlen in den Jahren dabei waren. Klar, es ist aufgewärmte Kost, schließlich war das alles ja schon mal da und letztlich findet man auch diesen Artikel im Archiv. Aber ich finde es halt schade, dass er dort vor sich hinstaubt. Dieser Artikel hier ist vom 09. Mai 2007 – also nun 3 1/2 Jahre alt. Ich mag ihn und musste selber hier und da noch einmal schmunzeln.

Wie sähe wohl ein Linux und OpenSource-Restaurant aus? Ausschnitte aus einem Restaurantbesuch.

Türsteher: „Guten Tag der Herr, haben sie schon einen Namen?“
Gast: „Ich bin der Tim!“
Türsteher: „Der Name ist nicht komplex genug. Wählen sie einen anderen!“
Gast: „Ich bin der Tim M.!“
Türsteher: „Der Name sollte Zahlen und Sonderzeichen enthalten!“
Gast: „Tim_M.69!“

Kellner: „Sie können einen dieser sieben Tische wählen!“
Gast: „Naja, die sehen alle gleich aus, … is wohl egal!“
Kellner: „Nun, das ist durchaus nicht egal. Sehen sie auf dem runden dort servieren wir kein Wild, da auf dem Sechseckigen keinen Alkohol, an dem langen dürfen Sie nicht rauchen…“
Gast: „Huh, der Tisch da drüben ist ja bloß ne auf den Boden gelegte Holzplatte!“
Kellner. „Ja, das ist ein ganz neuer Desktop. Sie müssen sich zwar noch auf den Boden setzen, aber er funktioniert ansonsten schon ganz annehmbar!“
Gast: „Wie wäre es mit dem tollen Schellacktisch dort!“
Kellner: „Der ist nur für erfahrene Esser, wir sind bisher noch nicht dazu gekommen die Beine zu befestigen. Er fällt öfters mal um…“
Gast: „Okay, da bleibt ja nicht viel. Nur der riesige zwei Meter hohe dort,…“
Kellner: „KDE-Tisch… ist der Stammtisch für unsere Distributoren!“
Gast: „…oder dieser kleine dort…“
Kellner: „Für Gnome!“

Gast: „Kellner, bringen sie uns die Karte!“
Kellner: „Möchten sie was trinken?“
Gast: „Was bieten sie denn an?“
Kellner: „Clubcola, CocaCola, AfriCola, VistaCola, PepsiCola, TigerCola, RedmondCola, Fanta, Miranda, Signalco, Lichtenauer Orange, Gerolsteiner Orange, Bad Liebenwerder Orange, Clockwork Orange …“
Gast: „Ja, äh, da kann man sich kaum entscheiden..:“
Kellner: „Wir können ja mal alles zusammenschütten und schauen was raus kommt…“

Kellner: „Die Karte der Herr!“
Gast: „Mein Gott! Die hat ja mindestens 6000 Seiten!“
Kellner: „Das Linux-Restaurant ist bekannt für seine Auswahl!“
Gast: „Ja aber wie soll man denn da das passende finden?“
Kellner: „Wer im Linux Restaurant ist, muss sich mit seiner Nahrung auseinandersetzen. Wenn Sie nicht bereit sind, sich in einem Mindestmaß mit ihrem Essen zu beschäftigen, dann sollten sie vielleicht doch lieber nichts essen!“

Gast: „Können sie was empfehlen?“
Kellner1: „Ich empfehle Rehrücken!“
Kellner2: „Quatsch, das Wildschwein ist das beste was ihnen im Linux-Restaurant geboten wird!“
Kellner3: „Rehrücken und Wildschwein dauert zu lange… Kaninchen geht schneller!“
Kellner4: „Ich benutz immer noch Bockwurst mit Senf am liebsten!“

Gast: „Na dann nehm ich das Kaninchen!“
Kellner: „Leider is das Kaninchen aus. Wir hatten Probleme mit dem Lieferanten…“
Gast: „Hat er nicht geliefert?“
Kellner: „Wieso liefern? Wir haben einige Mitarbeiter, die im Großmarkt arbeiten und die bringen das Abends nach der Arbeit einfach mit!“
Gast: „Aber ist das nicht Diebstahl?“
Kellner: „Wieso Diebstahl? Ich sagte doch, sie machen das NACH der Arbeit!“

Kellner: „Ihr Rehrücken an Preisselbeersauce mit Prinzesskartoffeln und elsässer Rotkraut!“
Gast: „Das ist doch kein Reh!“
Kellner: „Ja, wegen des schlechten Supports des Jägers hat unser Koch einfach ein neues Tier erfunden, welches wir Contra genannt haben. Contra ist sowieso besserr als Reh, da es frei gehalten wird…“
Gast: „Aber schmeckt es auch wie Reh?“
Kellner: „Natürlich, wenn sie dazu einen unserer drei Hausweine trinken und kein Besteck benutzen, schmeckt es schon irgendwie wie Reh!“
Gast: „Also sieht es nur so aus und ist doch gar nicht wie Reh?“
Kellner: „Wenn sie erst einmal herausgefunden haben, wie sie den Rehrücken mit den Händen zerteilen und die Preisselbeeren auf dem Fleisch garnieren und essen, ohne sich von oben bis unten vollzusauen oder den Teller vom Tisch zu werfen, wird die Freude über ihren Erfolg so groß sein, da wird der Geschmack zweitrangig!“

Kellner: „Hat es geschmeckt?“
Gast: „Das Rotkraut war ungeniessbar,…“
Kellner: „Ist ja auch Rotkraut 0.1.106. Version 0.1.107 wird besser!“
Gast: „… und die Prinzesskartoffeln sahen zwar lecker aus, schmeckten aber exakt genauso wie die Folienkartoffel meiner Frau!“
Kellner: „Nun, das liegt daran, dass Folienkartoffel2.0 ein Fork von Prinzesskartoffel1.9 ist! Es ist bei uns nicht wichtig, welches Kartoffelgericht sie bestellen. Wir sind ja schon froh, dass alles nach Kartoffel schmeckt. In der nächsten Version werden wir alles vereinheitlichen, da ist es dann auch optisch egal, ob sie Fritten, Salzkartoffeln oder Kartoffelpuffer bestellen…“

Gast: „Ausserdem hatte meine Frau Käfer auf dem Teller!“
Kellner: „Das waren keine Käfer, das ist die Garnitur!“
Gast: „Ein paar von denen leben sogar noch und krabbeln rum!“
Kellner: „Nun haben sie sich mal nicht so, die anderen haben viel größere und gefährlichere Käfer im Essen, als wir…“

Kellner: „Bei uns ist es üblich Trinkgeld zu geben, der Herr!“
Gast: „Es hat fast 45 Minuten gedauert, bis sie uns einen Tisch gegeben haben. Die sieben Zwerge, die uns bei der Wahl des Essens beraten sollten haben uns permanent beleidigt und teilweise hat das, was sie uns empfohlen haben nicht geschmeckt.
Zum Glück hab ich eh nur die Hälfte verstanden, von dem was sie gebrabbelt haben.
Kellner: „Unsere Zwerge arbeiten für lau hier. Sie geben sich wirklich Mühe. Reden Sie nicht so schlecht über sie!“
Gast: „Es hat mich halt irgendwie gestört, dass sie selbst dann noch brabbelnd neben dem Tisch gestanden haben, als wir schon das essen hatten…

Gast: „… Die Vorsuppe kam schon nicht mit meinem neuen Gebiss klar…“
Kellner: „Da kommen sie in zwei Jahren mal wieder, da wird es wohl Gebiss-Treiber geben. Da die Dentalindustrie lieber WindowsSpearmint unterstützt als uns, dauerts halt ein bisschen länger…“

Gast: „…Der Nachtisch zum Beispiel war viel zu groß, der Salat wurde uns unfertig serviert, die Glaskglocke haben wir bis jetzt noch nicht von der Butter runter. Da konnten uns auch die sieben Zwerge nicht helfen.
Auch dass wir das Essen teilweise selbst in der Küche holen mussten war unter aller Sau!“
Kellner: „Na und, vor 65.000 Jahren hätten sie sich ihr Contra noch jagen gehen müssen. Was beschweren Sie sich? Dieses System macht und flexibel. In einigen Großkantinen arbeitet es schon lange erfolgreich und ich setze es auch zuhause ein!“

Gast: „… In ihrem zugegeben umfangreichen Menü gab es aber nich ein einziges Eis! Nicht eines! Auch nur Kaffee schwarz, ohne Milch und Zucker! Und das bei über 6000 Speisen in ihrer Karte!“
Kellner: „Wenn sie unseren Wine bestellt hätten, hätten sie ja ihre Microsoft-Speisen geniessen können. Mit WineFX sogar so in 3D! Und wer Zucker benutzen will, gehört eh nicht in unser Restaurant! Kristallzucker ist ungesund und unnütz! Darum haben wir auch kein Eis, keine Süssspeisen und keine Torten.“
Gast: „Aber sie haben doch Limonaden und Cola und so…“
Kellner: „Ja, weil es da noch keine Alternativen gib. Wenn wir die gefunden haben, fliegen die auch raus. Es gibt bereits diverse Linux-Restaurants, bei denen es schon das neue Wasser0.01a gibt. Schmeckt zwar nach nix, ist aber frei!“

Kellner: „Aber ansonsten waren Sie doch sehr zufrieden…“
Gast: „Sie meinen abgesehen davon, dass meine Frau und ich jetzt schon seit drei Tagen in ihrem Restaurant sitzen und immernoch Hunger haben?“

Kellner: „Dafür war das Essen aber auch kostenlos. Schauen sie mal was MacDoomnalds für eine Kohle will!“
Gast: „Dafür schmeckt es aber auch immer gleich, ist stets gut verdaulich und in Minuten serviert! Die Tische sehen immer gleich aus und man weiß sofort was man essen möchte…“
Kellner: „Aber das ist doch nichts für Feinschmecker!“
Gast: „… viele essen ja auch lieber Microsoft-Eis….“
Kellner: „w32.salmonelle, b@dbeere, Amaretto-Zwang, teuer…“
Gast: „Wenn man sich dran gewöhnt hat wird man auch satt…“

Kellner: „Empfehlen sie uns weiter…“
Gast: „Ja, an Freunde mit nicht zu hohen Ansprüchen und meine Feinde…“

Kellner: „Auf wiedersehen und beehren sie uns bald wieder!“
Gast: „Vielleicht ist ja in 2 Jahren alles besser!“
Kellner: „Ja in zwei Jahren wird es keine Microsoft Restaurants mehr geben. 90% aller Restaurants werden Linux-Restaurants sein. Wir sind uns sicher, dass die Welt genau das braucht und will. Wir sind innovativer, kostenlos und wir sind frei!“

PCO