Computer im Wandel des Jahrzehnts (Update 2)

Die Welt hat sich weiter gedreht, der Wind hat sich gedreht, aber er riecht noch immer nach dem Alten. Er riecht nach Vorurteilen und Marketing und auch wenn unsere Mission nicht zuende ist, so sind den Soldaten doch die Füße müde geworden.

Damals wars

Die „Missionen“ von Orthy.de waren ganz einfache 3 Dinge:

  1. IT-Wissen muss nicht zwangsläufig langweilig sein, es kann lustig und unterhaltsam präsentiert werden
  2. Computer müssen nicht teuer sein. An praktischen Lösungsansätzen in Hard- und Software wurde es bewiesen
  3. Computer kennen nur perfekte Zustände – Null und Eins, und doch am Ende sind sie die mit Abstand unfertigsten Geräte, welche auf die Menschheit losgelassen werden

Wir schreiben das Jahr 2010 – Orthy.de hat längst aufgehört „Geburtstage“ zu feiern und es bleibt die Frage, was hat uns unsere „Mission“ eingebracht. Einfach einmal ein paar Themen, damals und heute können etwas Licht ins Dunkel bringen.

Hardware – out oft he box
Komplettsysteme

Komplettsysteme waren und sind teils gut, teils weniger gut vorkonfigurierte Susi-Sorglos-Rechner für Nicht-Bastler. Nun, das sollten sie jedenfalls sein. Doch auch 10 Jahre danach, und in den Jahren dazwischen, hat sich so gar nichts verändert. Die Leistung jeder Komponente hat sich mindestens verzehnfacht, aber ein Volks-PC aus dem Supermarkt ist nach wie vor eine Krücke.
Mir ging es jüngst so, dass ich einfach keine Lust dazu hatte, mir meinen PC zusammenzubasteln. Ich dachte über einen „Kompletten“ nach. Was man da so in der Preisrunde unter 1.000 Euro fand, waren Highend-CPUs mit Mainboards, welche vor über 3 Jahren erschienen sind und damals schon nur „OEM-Ware“ waren. Chipsätze die keiner will oder braucht.
Alternativ gab es Systeme mit einer Grafikkarte, die als schnell beworben, auf den zweiten Blick die Generation von Vorgestern ist. Man trifft gar solche Stilblüten, wie Core-i7-Systeme mit 6 GByte RAM und „großer“ 500 GB Festplatte. Wir sprechen von Computern, die zwischen 700 und 1000 EUR den Besitzer wechseln – das Netto-Monatsgehalt eines kaufmännischen Angestellten im ersten Jahr, einer Putzfrau, einer Kassiererin. Wir sprechen vom Druchschnittsgehalt eines arbeitenden Amerikaners der Mittelschicht.
Nach wie vor ist das einzige „Komplettpaket“ welches sich auch so nennen darf, ein Mac. Ich frage mich immer noch, ob der Preis nicht gerechtfertigt ist.

Notebooks

Schlepptops bieten viel Dampf unter der Haube. Das ewige Spiel – Performance gegen Akkulaufzeit – auch das hat sich nie geändert. In Sachen Geschwindigkeit ist das 08/15-Notebook bis heute dem 08/15-PC zwei Jahre hinterher, doch die heute gebotene Rechenleistung reicht für wirklich alle Aufgaben. Das Klischee „Ein Notebook is nix zum Spielen aktueller Titel“ ist nach wie vor richtig, es sei denn man holt sich ein sündhaft teures „Gamer Notebook“, welches dann mit seinem meist hohen Kampfgewicht, eigentlich eher als „Komplett-PC für unter’n Arm“ bezeichnet werden sollte. Neulich hatte ich so ein Teil in den Griffeln. Schneller Core-i-irgendwas-CPU, nVidia-Grafik vom feinsten, 4 GB Arbeitsspeicher und 750 GB Festplatte. Dazu noch 17“-Display und sogar recht ordentliche eingebaute Lautsprecher. „Hey“ dachte ich mir „Zwar schwer wie Hecke, aber definitiv ein Susi-Sorglos-PC zum Mitnehmen“. Dockingstation… achne, da war kein Steckplatz für eine Dockingstation. Okay, USB … ahne, 3 Ports… Maus, Tastatur und Drucker, dann ist Schluss. Oder externen Hub (so hats der Kollege gemacht). Okay, was soll es, kurz den Monitor an den DVI… wo isser? Nix DVI! Display-Port. Dazu ein Adapter auf DVI. Das sieht sooo cool aus. Als das Teil aufgebaut war, hingen aus dem Notebook 7 Kabel (Maus, Tastatur, Netzteil, externe HD, Display-Port, Drucker und Headset). Das Ding sah aus wie ne Bombe. Ich suchte mir also eine Schere und dann das rote Kabel… Spaß bei Seite.
Es wäre trotz aller Ergonomie-Schwäche noch ein super Notebook – auch für Unterwegs. „Auf dem schönen großen Display kannste ja dann im Zug fein DVD oder so gucken. Macht sicher Spaß!“ – „Ne, der Akku hält nur ungefähr ne Stunde wenn ich DVDs schaue. Außerdem wird das Teil auf den Knien sau warm!“ – PLONK!
Die großen Innovationen im Notebook-Sektor blieben in den letzten Jahren aus. Ich meine hier nicht, Hochkapazitätsakkus, ULV-Prozessoren oder der obligatorische SD-Kartenslot, sondern vielmehr bspw. auswechselbare Hardware oder „ergonomische Wunderwaffen“. Klar, es gibt keine Hardware ohne Abstriche, aber oben genanntes ist Alltag.
Bei vielen Notebooks lassen sich ohne weiteres RAM, DVD-Laufwerk, Akku und Festplatte wechseln. Bei allen anderen Dingen wird es eng. Ein CPU-Wechsel ist bei den wenigsten ohne Zerlegen des gesamten Notebooks möglich – wenn überhaupt! Das leidvolle Thema der stromfressenden Grafikkarte, auch hier ist trotz mehrerer Anläufe selten ein Wechsel möglich, wurde auch mit „Tandem Lösungen“ eines schwachbrüstigen, aber stromsparenden, im Zusammenspiel mit einem schnellen, aber starken Chip nicht in allen Fällen gelöst. Eigentlich kann dies so richtig zuverlässig nicht einmal das MacBook-Pro, jedoch von allen wohl noch am Besten. Sehr traurig!
Traurig auch das Thema Notebook-Displays. In Zeiten, wo OLED-Displays leuchtende Farben bei jedem Wetter auf das Mobiltelefon-Display bringen, ist nun jedes zweite Notebook mit vollverspiegeltem Display zu bekommen. Sieht schick aus, ist aber der größte Schwachsinn, seit der Erfindung des USB-Tassenwärmers. Gegen so viel „Design“ hilft dann auch ein LED-Backlight nichts.
Der fromme Wunsch eines Notebooks, welches man mit in den Park nimmt, um dort einige Stunden in der Sonne gemütlich zu surfen und zu lesen – vielleicht dauerts noch 10 Jahre, vielleicht schraubt man aber auch seine Ansprüche runter und kauft sich ein…

Netbook, WebPad, iPad oder sowas

In der Regel sickern ähnlich wie bei der KFZ-Technik Innovationen immer von der Oberklasse langsam in die Mittelklasse. Bei Netbooks ging Hersteller ASUS mit dem „eee“ einen andern Weg.
Ein winziges 7“-Display, eine CPU mit der Leistung aus sagen wir „Ende Neunziger“, lächerlich wenig Festplatte und RAM, kein optisches Laufwerk. Dafür aber WLAN und in der Ur-Version kein Windows, sondern ein umgestricktes Linux. Eigentlich doch Schrott, oder reden wir hier über ein Mobiltelefon?
Nein es ist ein Notebook, oder besser, Netbook – der ASUS eeePC701 war wohl der erste seiner Zunft und definierte einen Kult. Grund? Er war billig billig billig. Bei 230 Euro ging es in der kleinsten Konfiguration los. In späteren Versionen kam Windows aufs Netbook und so wurde etwas Office möglich. Surfen, Musik hören und schreiben auf einem kleinen, gerade einmal knapp 500g schweren Gerät. Das lausige Mäusekino-Display störte da wenig. ASUS hat es geschafft, ergonomische Details in ein Billigst-Gerät zu bringen, welche im Highend noch gar nicht angekommen waren.
Der eeePC war „ultra mobile“ (manchmal liebe ich diesen Marketing-Babbel) und mit 6 Stunden Akkulaufzeit aufwärts zeigte er den „Großen“ den Stinkefinger.
Heute sind die kleinen groß geworden. Bis zu 500 Euro kosten sie nun wieder, bieten aber meist bei relativ kleiner Rechenleistung und kleinen Displays (bis 12“) reichlich Akkulaufzeit, WLAN, Bluetooth und UMTS-Modul und dank kleinen Gewichtes auch echte Mobilität.
Klar dass die Marketing-Kosmonauten gleich eine neue „Geräteklasse“ ersonnen haben. Ich schlug vor, die Geräte „G1RN“s (Sprich Tschirns) – Generation 1 of Real Notebooks, aber irgendwie schien das denen zu zynisch.
Der Gedanke ist klar: Ein fester PC für um die 1000 Euro plus ein 500 Euro „Netbook“ und verbindet man mehr Leistung und mehr Flexiblität, als man es mit einem „Gamer Notebook“ jemals kriegen könnte.

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