Die Soundkarte macht die Musik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: pco   
Montag, den 03. Dezember 2007 um 19:45 Uhr
Auf der Suche nach gutem Ton aus dem PC.

Multimedia gehört die Zukunft

Die Schwalben singen es von den Bordsteinen: Multimedia ist das Zauberwort. Es beflügelt das Weihnachtsgeschäft.Multimedia - Die Vielfalt der Wiedergabe. Bild und Ton sind beispielsweise Multimedial. Aber auch Geräte die CD, DVD und MP3 wiedergeben wären Multimedial. Kaffeemaschinen die auch Tee können, sind dagegen multifunktional.

Tatsächlich war also demnach irgendwie auch schon Omas Schwarzweißfernseher Multimedial. Übrigens ein Riesengag: Panasonic BW-TV mit High-Frequency 50Hz Interlaced Blacktron Tube, single Bass reflect Sound und hard-click Spin-Switch. Natürlich High-Definition Multimedia. Er war natürlich auch bereit für PAL-Color, zwar nur in Schwarzweiß, aber bereit.

Aber ich komme vom Thema ab. Multimedia und PC. Das gehört heute zusammen. Längst selbstverständlich, Routine, kann jeder…

Jugendsünde Multimedia-PC vom Discounter

Und weil das kein Problem ist und auch die billigsten Mainboards, mit den einfachsten CPUs und der günstigsten Grafikkarte das können müsste, wurde dereinst bei Datenträgerladen der Mehrfachträger-PC gekauft. Ein 399 Euro Schnäppchen kaufte ich denen ab. Die CPU war nicht mal so schlecht. Dass der „Multimedia PC“ keinerlei AV-Out besaß machte dann ja doch stutzig. Vom AV-In reden wir noch gar nicht! Immerhin aber schon DVI – was mir aber mit meinem Röhernfernseher nix bringt.

Doch anfängliche Pläne, dem PC einen AV-Out durch andere Grafikkarte zu spendieren schlug ich beim Betrachten, beziehungsweise Belauschen des Verbauten Realtek-Soundchips in den Wind.

Da haben wir also ein WindowsXP-Mediacenter-Edition. Große Buttons, eine Fernbedienung – fein. Kopfhöhrerbuchse nach vorne durchgeschliffen. Auch fein! Ganz schlau jedoch: Über ein winzig kleines Icon in der Tray, ließ sich die Audio-Buchse vom 4.1-System auf die Kopfhörerbuchse umschalten. Dabei ging ein großes hässlich blaues Fenster auf und man konnte wählen.  Unergonomisch, aber es ging  (dazu später)! Aber das war das kleinere  Problem, denn Sound auf dem Kopfhöhrer wiederzugeben war gelinde gesagt … es klang schrecklich. Flache Bässe, fehlende Höhen und in der Mitte ein wahrnehmbares dumpfes Rauschen. Dazu ein seichtes Brummen über die 4.1-Boxen, wenn gerade mal nichts wiederzugeben war. Der Ausgang an die Stereoanlage fehlte. Digital-Out = Fehlanzeige und der Anschluss an die Lautsprecherausgänge endete in einer Brummschleife.
Die Idee für 399 Euro einen Audio- Video-Heimserver erstanden zu haben schlug ich mir schnell aus dem Kopf.

Der nächste Akt war das Zücken eines spitzen Bleistifts. Zum einen bräuchte ich wohl mehr RAM für rund 50 Euro, einfach um die Bootzeit von gut einer Minute zu verkürzen. Okay! Dann wäre da eine neue Grafikkarte für rund 70 Euro mit AV-Out wenn es geht nötig.  Dann eine vernünftige Soundkarte für rund 70 Euro und dann war da noch der surrende CPU-Lüfter – na vielleicht ein vernünftiger Kühler für 40 Euro. Also weitere Inverstitionen von rund 230 Euro. Mit dem Kaufpreis also rund 530 Euro.

Die Alternative: Kauf eines vernünftigen DVD-Players, vielleicht mit USB-Stick-Anschluss, der alles wieder gibt – rund 120 Euro, eines passablen Verstärkers – rund 200 Euro.  Funktioniert sofort mit meinem Fernseher und hat all die schönen ergonomischen Nachteile nicht.

Lebensretter: Der PC

Wenn man sich einen ordentlichen PC zusammenbaut, beginnt alles mit einem ordentlichen Mutterbrett. Die Mutter aller Bretter für Intels Core2Duo war vor einem knappen Jahr das Gigabyte 965P-DQ6. Mit ALC888-D-Chip auch soundtechnische mit einem eher guten Soundchip bestückt. Vergiss es!

Papis Sennheiser Kopfhörer filterten ein hochfrequentes Fiepen souverän nicht heraus. Auch die Bässe kamen nicht. Der Kopfhörer und der Typ dazwischen langweilten sich. Die Höhen waren übrens okay, aber auch hier ein Hintergrundrauschen in stillen Passagen. Der furchtbare Treiber tat ein Übriges.

Man muss halt doch zu Qualität greifen und so wurde die gute alte Soundblaster Audigy2ZS eingepflanzt und mittels aktuellster Treiber zum Leben erweckt.

Da zeigt sich doch Qualität! Kein Rauschen, satte Bässe, präzise Höhen und auch die Mitten lassen keine Wünsche offen. Auch nicht die kleinste Tonstörung! Und wenn man CMSS abstellt bekam man auch den Klang, den der Studiotechniker irgend wann mal erzeugen wollte!

Aber ein Problem gab es doch: Ein Umschalten zwischen Kopfhörer und 4.1-System war nicht drin. Umstecken war die audiophilste Lösung, denn eine Weiche dämpfte den Ton auf dem 4.1-System (unterschiedliche Impendanzen zw. Lautsprecher und Kopfhörern bzw. Impendanzteilung bei Parallelschaltung). Mist!
Was eine Kopfhörererkennung ohne Kopfhörer-Buchse soll? Frag mich!

Aber der Ton stimmte definitiv.

X-Firlefanz: Fatal Idioty

Na und dann wollten wir es noch einmal wissen. Eine Creative Labs Soundblaster X-Fi: Fatality musste her. Das Referenzbrett der X-Fi-Reihe. Sechs mal mehr Transistoren als noch bei den Vorgängern. Goil! Wenn nun noch der Sound zur Audigy2 wie in vielen Testberichten ein Müh zugelegt hat ist sie die Kohle wert.

Doch das Anschlusspanel brachte Ernüchterung! Digital-Out nur über Erweiterungsbox – die hat dann auch den separaten Kopfhöreranschluss. Ansonsten stehen einem nur die Anschlüsse für die 5.1-Boxen zur Verfügung. Kontakt mit einer Stereoanlage? Ja wie denn? Digital-Out? Fehlanzeige! Und der geliebte Firewire-Anschluss für meine Digicam fehlt auch noch!

Also auf den ersten Blick eine Verschlechterung.

Aber hey, X-Fi-Chip …  51,1 Millionen Transistoren 10.340 MIPS harr harr harr…  Das muss rocken. Da müssen die Ohren beim Hören abfallen.

Härtetest: Genesis – Calling all Stations DVD / 5.1 Sound DTS …  Gibs mir! Das erste Lied beginnt *Knack pfff*
…Dann wuchtige Drums (fein)… Unser aller Ray singt… Perfekt… das Lied endet *pff Knack flupp… knack* das nächste Lied beginnt.

Was ist passiert? So kann man das nicht hören. Nach jedem Track ein Kacken als würde einer den Langspielplattenarm auf das nächste Lied setzen (oder Ray nach zu viel Jägerwilson das Micro runterfallen / kleiner Insider).

Das selbe Phänomen bei allen Windows-Sounds, bei jedem Schussgeräusch in Spielen, bei jedem Musikstück in jedem Format. *knack pfff*…  Der Weg führt ins Internet:
1. „Nimm eine andern Treiber“ – Hilft nichts!
2. „Stell am CMSS-3D mal folgendes ein!“ – Nein!
3. „Samplefrequenz runter, 16 Bit…“ – Keine Hilfe!
4. „PCI-Latenz rauf“ – Forget it!
5. „Wechsel‘ das Betriebssystem!“ – Bingo!

Ach hatte ich das nicht erwähnt? Ich benutz(t)e Windows Vista! Hatte ja grad den ersten Geburtstag. Alle haben beim Launch geheult, weil EAX nicht funktionierte. Aber keiner stört sich an Knacksen im Sound, an Rauschen in leisen Passagen… Ob Vista 32 Bit oder 64 Bit, das Phänomen ist das Selbe.

Unter Windows XP alles bestens! Der Sound ist tatsächlich um weite Längen besser als bei der Audigy2. Wuchtige klare Bässe, präzise Höhen – phantastisch! Kein Knacken kein Zischen – Sound wie er sein soll. Die Live-Mitschnitte klingen, als stünde man daneben!

Doch für mein Eingangs erwähntes Multimedia-Projekt ist das auch nix. Denn nach wie vor krieg ich meine Kopfhörer nicht so dran wie ich das will. Ein hässlicher Bug in der Software stellt die Lautsprecher in der Konfiguration falsch dar und verhindert so die genaue Konfiguration und das 2 Jahre nach Erscheinen der Hardware!

Ende des Experiments

Wir schreiben das Jahr 2007 und es neigt sich dem Ende zu. Und in all den Jahren ist es offensichtlich noch unmögliche eine saubere Soundkarte zu bauen. 130 Euro für eine Soundkarte zu verlangen die einfach gesagt nur das „Notwendigste“ an Anschlüssen mitbringt und mit Digital-In/Out geizt. Selbst ein separater Kopfhöreranschluss scheint zu viel zu sein. Nur ein Frontpanel oder gleich das schweineteuere „XFI-I/O-Drive“. Dafür aber Abermillionen Transistoren, für die es noch keinen einwandfrei funktionierenden Vista-Treiber gibt.

Doch liest man so die Erfahrungen anderer hörgeschädigter User, so hat der geneigte Creative-User es ja noch gut. Er bekommt einwandfreie, wenn auch schwach ausgestattete, Hardware für sein Geld - auch wenn es wohl noch ein weiteres Jahr braucht, bis man wieder unter Vista genussvoll Musik hören kann. Andere Hersteller haben offensichtlich unter diesem Betriebssystem ganz ähnliche Probleme. Danke Microsoft für dieses super Multimedia System!

Wäre dies jedoch ein Test aktueller Audio-Hardware würden sie alle geschlossen durchfallen.

PCO(2007)

 

 

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