Der Michael Jackson Prozess - Retrospektive PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: pco   
Samstag, den 02. Juli 2005 um 11:50 Uhr
Klagen ist in. Nur wer klagt kann auch gewinnen. Zu verlieren gibt es freilich nix. Verklage einen Star und Du wirst reich! Klagen ist hipp - Michael Jackson verklagen sogar Popp
Das Urteil haben alle vernommen - Freispruch. Auch schon 1993 ist der King-of-Pop(p) wegen Kindesmissbrauch verklagt und freigesprochen worden.
Wenn man vom Urteil im letzten Monat hört, dann weiss das jeder. Jeder weiss, dass es da schon einmal was gab. Keiner weiss jedoch, wieso damals die Klage nicht "durch" kam.

Die Vergangenheit
Es ging es 1993 um Jordan Chandler, dessen Vater damals mit dem Jungen auf dem Neverland-Anwensen wohnte und laut Aussage des Jungen wurde Jackson damal "zudringlich". Es kam zur Klage. Die Ranch wurde durchsucht, es kam zur Leibesvisitation an Michael Jackson, damit der kleine seinen Pimmel beschreiben konnte - was er aber nicht in befriedigenden Masse tat.
Es stand Aussage gegen Aussage und um die seinige zu untermauern erzählte der kleine immer mehr pikante Details. Was daran verwunderte (zumindest mich verwunderte es), dass der Junge weder bei der schriftlichen Aussage, noch bei der ersten Anhörung derart viele Details kannte.
Federführend war und ist Staatsanwalt Thomas Sneddon, der seit damals nur eine Aufgabe kennt: Jackson muss hinter Schloss und Riegel!
Haarsträubend wurde es jedoch als im neueren Prozess von 2004/2005 die Chandlers wieder auf der Klägerbank sassen - dieses mal jedoch ohne den mutmasslich vergewaltigten Jordan. Der war im Ausland und wollte auch nicht zurück in die USA. Also sagten die Eltern über eine Tatsache aus, bei der sie nicht einmal dabei waren! Diese Aussage wurde zugelassen, man stelle sich das mal vor! Fast noch lächerlicher jedoch ist, dass die Staatsanwaltschaft auf eine derart schwachsinnige Anklage und derart offensichtlich lügende Zeugen aufbaute! Denn über die Vergewaltigung an sich konnten die Eltern nichts wissen, sie waren nicht dabei und MUSSTEN demnach lügen.
Angeblich wurde 1993 Schweigegeld in Millionenhöhe gezahlt, damit die Familie Chandler ihr schmutziges Geheimnis für sich behält. Tatsächlich jedoch wurde der Prozess durch die Medien derart aufgebauscht, dass Jacksons damals noch vorhandene Karriere ernsthaft ins Wanken geriet und die Zahlung einer Millionenabfindung schlimmeres verhinderte. Die Gefahr eines Urteils zu Ungunsten von Michael Jackson bestand 1993 nie! Das schöne Leben auf der Neverland-Ranch war jedenfalls für die Chandlers vorbei.

Das neue Verfahren - Auslöser...
Auslöser des Verfahrens war die Aussage von Michael Jackson selbst in einem Fernsehinterview anno 2003, in welchem er zugab, manchmal mit Jungs in einem Bett zu pennen.

... und MJs Auftritte
Auch im neuen Verfahren gab es dann einige Merkwürdigkeiten. Klar gestaltete Jackson seine Auftritte theatralisch und natürlich brachte er dabei Staranwälte mit, doch an seiner Krankheit war nichts gefälschtes oder gespieltes. Der Mann war fertig. Das sah man.
Doch eine Prozessaussetzung gab es freilich nicht. Auch das Psychologen bescheinigten, dass MJ wahrscheinlich einen komplett durchgefochtenen Prozess gar nicht durschstehe beeindruckte den Richter wenig. Rücksicht auf die Krankheit des Angeklagten wurde nicht genommen. Auch nicht, als er vom Notarzt aus dem Gerichtsaal gebracht werden musste. Einfach mal um zu beweisen, dass es diesmal der Justizia Ernst war. Der Richter (Melville) galt im übrigen als sehr strenger Vertreter seiner Berufsgruppe.
Das Urteil der Jury - Freispruch in allen 10 Anklagepunkten. Für die Öffentlichkeit vielleicht überraschend, wurde von Melissa Herard frappierend auf den Punkt gebracht: "Welche Mutter würde es wohl zulassen, dass ihr Kind vergewaltigt wird?" Jackson war ein gebranntes Kind als er angeblich mit dem 13-jährigen Gavin Arvizo schief. Wie kam das?

Hintergrund und Prozessverlauf
Gavin war Krebspatient und Michael Jackson beglich seine hohen Behandlungskosten. Ohne diese Hilfe wäre Gavin nicht zu retten gewesen. MJ ist einer der wenigen Stars, denen ich ihr soziales Engagement auch abkaufe.
Gavin sagte aus, im gleichen Raum, aber nicht im gleichen Bett mit MJ geschlafen zu haben. Eine etwas ältere Tonaufnahme des Jungen belegt, dass sich Jackson "Nie ungehörig" benommen habe.
Die Neverland-Ranch wurde durchsucht, Personal und Besucher befragt.

Zeugenflopp 1: Gavins Mutter
Gavins Mutter sagte aus, sie seie von Michael angefleht worden, dass Gavin in seinem Bett schlafen dürfe und habe es daraufhin erlaubt. Sie gab zu Protokoll, es seien 30 Besuchen im Hause Jackson gewesen, manchmal auch für 2 Wochen und jedes mal wäre es dazu gekomme. Neben viel unangebrachter Theatralik tischte sie den Geschworenen einige faustdicke Lügen auf und verstrickte sich in Ungereimtheiten, insbesondere im Bezug auf die Aussagen ihres Sohnes und ihrer Tochter. Gavins Schwester hatte nämlich ausgesagt, dass Gavin in MJs Schlafzimmer pennen wollte.
Und auch im Punkt der Freiheitsberaubung nahm Gavin selbst seiner Mutti den Wind aus den Segeln, als er zugab, dass er es war, der auf Neverland bleiben wollte. Seine Mutter wollte gehen, aber Michael (und er) hielten sie zurück!
Als sie im April 05 endlich in den Zeugenstand sollte, um endlich die Anklage zu untermauern, verweigerte sie die Aussage. Wohlgemerkt: Eine der Hauptzeugen und Mutter des Kronzeugen!
Wahrscheinlich hat sie der Staatsanwalt Sneddon selbst zum Mundhalten verdonnert. Denn Mrs. Arvizo ist nachgewiesene Betrügerin und hat die Sozialhilfe übers Ohr gehauen. Keine gute Zeugin.
Beweisflopp 1: Pädophile Bilder
Die erste Bilderserie war schon Komödie auf Al-Bundy-Niveau. Gezeigt wurden hochbrisante pornografische Aufnahmen von über 50-jährigen Damen. 1700 Stück davon wollte Thomas Sneddon gerne als Beweisstücke vorführen. Der Richter brach die Diavorführung im Gerichtssaal nach einigen wenigen ab und liess die Bilder nicht zu.
Ein tolles peinliches Beweisstück war dann auch ein Buch mit Nacktaufnahmen von Kindern (halbnackt triffts eher), welches Mr. Sneddon stolz präsentierte um die Perversität des Angeklagten zu demonstrieren. Tatsächlich wars ein Fangeschenk und zeigt Aufnahmen zum Film "Herr der Fliegen" - der nicht X-Rated ist, soweit ich weiss. Vielleicht wusste MJ nicht einmal mehr, dass er so ein "pädophiles Machwerk hollywoodscher Regiekunst" in seinem Haus hatte. Naja, jetzt weiss er es!

Zeugenflopp 2: Chris Carter
Nein, nicht der Schöpfer von Akte-X, ein Sträfling. Ja ein Sträfling! Glaubwürdigkeit ist irrelevant.
Zeugenflopp 3: Ex-Gemahlin Debbie Rowe
Dann trat noch Debbie Rowe, Jacksons Exfrau auf. Sheddon dachte wohl, sie auf seiner Seite zu haben, denn es läuft gerade eine Sorgerechtsklage zwischen Rowe und Jackson. Doch Pustekuchen. Vom Kindsmissbrauch wusste sie nichts (entgegen der Boulevardmeinung), sie wollte nur Sorgerecht für ihr Kind - ein gutes Recht. Michael wollte das auch - auch verständlich. Alltägliches also. Als Zeugin war Debbie im übrigen eher wertlos, wenn nicht schädlich, denn sie hat lange auf Neverland gelebt und nichts bemerkt!
Beweisflopp 2: Die angeblichen Zeugen-Scripts
Direkt lächerlich gemacht hat sich die Staatsanwaltschaft dann wieder, als sie beweisen wollte, dass diverse Zeugenvideos, insbesondere jenes von Debbie Rowe, gescripted waren. Das bedeutet, Michael Jackson soll den Zeugen per Skript vorgschrieben haben, was sie vor der Kamera zu sagen haben.
Ein besonders pikantes Rebuttle-Video zeigt wie Jackson den Arvizos (angeblich) die Worte in den Mund legt. Auf diese Videos sollte sich auch Gavins Schwester bei ihrer Aussage beziehen. Diese konnte sich jedoch an den Inhalt des Videos nicht mehr erinnern und bat Tage vor ihrer Aussage Staatsanwalt Sneddon, ihr noch einmal eine Kopie des Videos zu schicken. Zur "Gedächtnisauffrischung" (Aua!).
Dumm nur, dass die Beweisskripte Zeitangaben enthielten, die NACH der Aufnahme der Bewiesvideos liegen. Verheerend: Debbie Rowe gab im Zeugenstand klar zur Aussage, sie habe kein Script erhalten!

Anklage versus Verteidigung - Die bösen auf der guten Seite!
Am Ende konnte das Urteil nur auf Freispruch lauten - im Zweifel für den Angeklagten. Die Kläger waren jedoch sehr zweifelhaft. Während nämlich auf Klägerseite nachweislich gelogen wurde, alle Register gezogen und Zeugen an den Haaren herbei gezogen - auch unvorteilhafte, führte Jacksons Staranwalt Thomas Meserau eine vorbildliche Verteidigung vor. Von der Auswahl der Jury, die trotzdem eher konservativ und glaubhaft blieb, bis hin zu den Verhören - perfekt.
Wäre es ein Tennismatch gewesen, hätte Meserau dank Technik und Ballgeschick seine Gegner spielend in 3 Sätzen geschlagen.
Die Verteildigung hingegen versuchte Richter und Jury mit "schmutzigen Suggestivfragen" zu lenken. Ganz offensichtlich eine falsche Strategie. Sie berief Gott und die Welt in den Zeugenstand - leider auch die unglaubwürdigen und die völlig uninteressanten.
Konspirativ: Die SONY-Veschwörung
Konspiration zum Schluss: Sony steckt vielleicht dahinter. Man wollte die Karriere Jacksons zerstören. Nachdem schon das letzte Album "Invicible" still und leise aus den Regalen verschwand, keine Werbung mehr dafür gemacht wurde und es keine weiteren Videos gab, sollte nun die Karriere endgültig zerlegt werden.

Fazit

Ich weiss ja nicht wie die Weltöffentlichkeit das sieht, aber erwiesen dass MJ Kinder missbraucht, wurde weder 1993 noch 2003. Bewiesen wurde nur, dass nichts bewiesen werden konnte. Und wenn die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesagt werden soll und nur die Zeugen der Anklage des Lügens überführt werden - dann ist das gelinde gesagt dumm.
Fakt ist:
1. Die Anklage konnte die Schuld von MJ in keinem Punkt beweisen.
2. Dabei hat sie die unmöglichsten Zeugen vorgeladen die
3. Sich in Widersprüche verstrickten und im
4. Zusammsnspiel mit absolut hirnrissigen Beweisen
5. und direkt schlecht recherschierten Beweisen
6. sich eher schon Zeugen der Verteidigung entpuppten (Debbie Rowe).

Und dabei hatte die Anklage gute Karten, denn sie hatte:
1. Die öffentliche Meinung auf ihrer Seite
2. Einen strengen guten Richter
3. Konservative Geschworene, die fast alle mit Kindern und Familie ausgestattet waren.
4. Fast freie Hand bei den Verhören, beim Sammel von Beweismitteln und beim Vorführen dieser
Trotzdem haben die 12 Geschworenen Tage gebraucht, um zu dem Urteil zu kommen, dass man im Zweifel für den Angeklagten ist. Letzteres wurde von den Medien so ausgelegt, dass es jemals auch nur einen Beweis für die Schuld von MJ gegeben hat.
Doch es gab nur eine bewiesene Tatsache: Ein Junge verbrachte eine oder mehrere Nächte im Schlafzimmer von Michael Jackson. Das hat Jackson zugegeben und es war der einzige Punkt in dem sich die Zeugenaussagen decken.
Vielmehr gab es viele Aussagen von Freunden und Bekannten des Popstars, die alle aussagten, ihm Kindesmissbrauch nicht zuzutrauen. Hinzu kommen enorme Zuwendungen und der zweifelhafte Lebenslauf der Eltern des jungen Gavin, die ein anderes Urteil einfach nicht zugelassen haben.
Vielleicht hätte Mr. Sneddon sich mal objektiv mit seinen Zeugen auseinandersetzen sollen, sich mit ihnen utnerhalten. Den Kern ihrer Geschichte herausfiltern. Wenn es einen Missbrauch gegeben hat, dann steckt die Warheit in den Zeugenaussagen. Doch der Staatsanwalt begnügte sich mit Medienwirksamen Hasstiraden vor Gerichtsgebäuden.
Vielleicht ging es tatsächlich, wie Michael Jackson es sagte, den Anklägern nur um 5 Minuten Ruhm. Und wenn es wirklich Kindesmissbrauch auf Neverland gegeben hat, wurde den Kindern mit diesem Prozess kein Gefallen getan.
pco(2005)
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 02. Juli 2005 um 11:50 Uhr
 

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