Trump: ein Symptom

wahlenNein, die vernichtende Niederlage von Hillary hat wohl niemand kommen sehen, und wer das Gegenteil behauptet, ist entweder ein Lügner oder halt ein Trump-Fanatiker. Macht aber alles nichts, denn der Wahl kann man auch Positives abgewinnen…

… denn eines ist klar: Einstein hatte Recht: Die menschliche Dummheit ist unendlich… na zumindest größer als das Universum. Aber es wäre unfair, nun alle Trump-Wähler als „dumm“ zu bezeichnen, genau so wäre es falsch, alle AfD-Wähler als dumm zu bezeichnen. Das liegt einerseits daran, dass „dumm“ sehr subjektiv mit Bedeutungen besetzt ist, aber auch daran, dass „unlogisch“, „mit niedrigem Horizont versehen“ oder „nicht fähig, das System zu erkennen“ einfach viel passender ist… und auch noch besser klingt.

Ja, nach allem, was wir „zivilisierten Bürger“ uns gern auf die Fahne schreiben, ist Trump kein Humanist, kein sozialer Mensch, kein ehrbarer Typ oder gar eine Intelligenzbestie, aber ist er nun Präsident – hoppla? Nein, nicht hoppla, es ist auf eine perverse Art und Weise sogar „logisch“. Schaut man in die westliche Welt mit ihren Demokratien, so stellt man fest, dass es überall dieselben Probleme gibt:

1. die Politikverdrossenheit – die aber keine ist, sondern sie ist eine Politiker- und Parteienverdrossenheit, weil halt alle möglichen Parteienkonstellationen gewählt wurden, die grundlegenden Probleme aber nicht gelöst wurden
2. das Verschwinden der Volksparteien – was Otto Kirchheimer vor 50 Jahren (!) schon vorhersah: Keine Partei kann einen Großteil der Bürger in sich binden. Uns wird, kaum dass wir laufen können, schon eingetrichtert, dass wir Individuen sind, einmalig, besonders… bla, bla, bla! Nein, wir sind Menschen und somit Herdentiere, egal was Werbung und Pädagogen sagen. Aber wir haben viele Freiheiten, nutzen diese aus (welch Überraschung?), wir setzen auf Unterschiede und genau so wählen wir auch. Die Briten haben nun ein 3-Parteien-Sysem (noch vor 20 Jahren quasi unvorstellbar), in Deutschland gibt es nun ein 6-Parteien-System (vor 40 Jahren noch undenkbar) und in schöner Regelmäßigkeit ploppen neue Parteien auf, die sich eben einem gewissen Zentralthema widmen.
3. die 99 vs. das eine Prozent – was es schon immer gab, man denke nur an das alte Griechenland („Geburtsort der Demokratie“), an die Monarchien, Fürstentümer , das Dritte Reich, alle möglichen Diktaturen, Bankster, die „oberen Zehntausend“ etc. pp. Dumm nur, dass heute die Kommunikationswege mannigfaltig sind und eben jeder mitbekommt, dass etwas gehörig schief läuft und eben nicht „jeder gleich“ ist (was ja auch ganz böse sozialistisch wäre). Die Unterschiede, die wir so schätzen, sind eben nur dann gut, wenn wir oberhalb der „Unterschiedsgrenze“ sind… drunter ist halt Mist und jeder Mensch ist eben nicht nur sozial, sondern auch egositisch veranlagt… und das Pendel schwingt immer weiter gen Ego.
4. Grenzen des Systems – wo ein François Hollande seine Staatshaushalt nicht in den Griff bekommt, ein Bürgerrechtler wie Obama Guantanamo nicht schließen kann, ein Carsten Maschmeyer ein TV-Star ist und Fußballspieler 10 Millionen Euro pro Jahr verdienen, obwohl dies „doch eigentlich sein sein darf“. Ja, normative Vorstellungen und Realität kollidieren halt gern, weil der Mensch (also der Wähler, der Großteil der Wähler) nicht befähigt ist, zwischen Symptom und Krankheit zu unterscheiden. Ein Pflaster da (paar Euro mehr Kindergeld), eine Schmerztablette hier (ein paar tausend Atombomben weniger), ein Stützverband dort („Schulen ans Netz“ – eine der gaaanz wenigen positiven Aspekte der Schröder-Zeit)… das ändert aber nichts an der Krankheit an der die Demokratie leidet: an der Demokratie an sich. Denn: Es ist sehr wohl demokratisch, wenn die Wähler mit überwältigender Mehrheit eine Partei wählen, die dafür ist, dass alle Bürger lila Hüte tragen müssen… oder einen Gott anbeten… oder Elektroautos fahren müssen… oder Grüne Smoothies trinken. „Volkes Wille“ kann eben auch die Selbstzerstörung sein.

Das mag hart klingen und natürlich gibt es auch das Grundgesetz, aber alles lässt sich ändern… die Homo-Ehe war auch mal undenkbar… oder die Religionsfreiheit… oder ein Studium, ohne SED-Mitglied zu sein. Das sind alles Beispiele, die erfreulicherweise in eine positive Richtung gehen, aber eben nicht für alle, sondern eben nur für „viele“ und dies hier in Deutschland. Man stelle sich mal vor, man würde in einem Land leben, wo Schusswaffen zum Alltag gehören und wo Jesus größer als alles ist – man ersetze Jesus mal durch Allah und schon ist man im Islamismus angekommen. Parallelen erkennbar?
Man stelle sich mal vor, 10 Millionen Wähler müssten entscheiden, ob eine Bank „gerettet“ wird oder eben in die Pleite geht, 5.000.001 Wähler stimmen dafür 4.999.999 dagegen – zwei Stimmen Unterschied und schön könnten 4.999.999 Wähler ihr Obdach verlieren, weil es eben dieser Bank gehört. Man stelle sich mal vor, 10 Millionen Wähler müssten entscheiden, ob man in den Krieg gegen das Nachbarland zieht… oder  100.000 Flüchtlinge aufnimmt… oder das Schulsystem das Geld erhält, was man der Pleite-Bank nicht geben will… aber weil diese alle Häuser des Nachbarlandes besitzt, könnte man die bösen Nachbarn obdachlos machen…. und sich selbst… aber mit Abitur! Na viel Spaß bei der Suche der „richtigen Partei“ und bei der Wahl.

Die Menschheit ist träge, der kreative Geist bringt nicht nur Positives hervor, sondern eben auch genau so schreckliche Dinge, und bis die Menschheit kappiert, was geschieht, ist ein System schon mitten im Untergang. Warum? Weil ein jedes vom Menschen geschaffene System eben fehlerhaft ist – so auch die Demokratie, deren Grundfehler aber genau so offensichtlich sein sollte, wie der Fehler des Kapitalismus‘: Es gibt eben Grenzen und alles ist endlich. Daher gibt es kein ewig währendes Wachstum, sondern eben auch Verlierer und je mehr sich das System den Ende zuneigt, desto mehr Verlierer gibt es. Die Mehrheit hat nicht „Recht“, sondern kann sich auch irren, auch und v.a. weil die Tragweiten und Interdependenzen kaum mehr begreiflich sind und weil eben Dinge, die in der Vergangenheit funktioniert haben, dies in der Zukunft nicht automatisch wieder run müssen. „one man, one vote“ – jeder hat eine Stimme… ja, aber es kann eben auch eine unlogische, eine emotionale, eine fehlgebildete sein. Statt eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, sollte man das Freihandesabkommen revidieren, damit die Mexikaner nicht gezwungen sind, vor dem Elend zu flüchten… genau wie in Nordafrika. Parallelen erkennbar?

Frage: Sollte mehr Geld ins Schulsystem investiert werden? In Krankenpflege, Altenpflege, Gesundheitsvorsorge, Polizei und regenerative Energien? Sollten die Kapital-Schmarotzer enteignet werden? OK, und welche Partei will genau dies? Hmm, keine? Tja, dann kann man letztlich bind seine Kreuze machen… oder? Oder halt Trump wählen… und die AfD… oder aber man sorgt dafür, dass einfach der Unsinn nicht mehr möglich ist und dies heißt: Keine Wahlen mehr, sondern Wunschlisten und diese dürfen nur die bestimmen, die nicht bereits bewiesen haben, dass sie eigentlich unzurechnungsfähig sind, sprich: Weder SPD, CDU/CSU, AfG, Die Linke, FDP oder Die Grünen gewählt haben… ein Hoch auf die Nichtwähler! Die haben es kappiert! Oder?

JS für Orthy.de, C2016

Veröffentlicht von

Marauder

Seit ich geboren wurden, lebe ich. Das kann sich aber ändern, ich bin gespannt, wann ich den Spaghetti-Gott kennenlerne.