Hardware-Nostalgie

Wenn ich mich auf die Suche nach neuer Hardware begebe, prinzipiell egal um was es geht, so sucht mein Auge immer noch nach gewissen Herstellern, die nun aber leider von der Bildfläche verschwunden sind. Dann macht sich schnell eine gewisse Trauerstimmung breit, denn so manch positive Erfahrungen ist nicht wiederholbar, stattdessen ist man genötigt, neue „Brands“ zu kaufen – die zwar nicht automatisch schlecht(er) sein müssen, mit denen man sich aber nicht wirklich identifizieren kann. Kürzlich träumte ich von einem Computerladen, in dem unzählige Abit-, Epox- und Soltek-Kartons im Regal lagen …

 

Beginnen wir mit der Legende „3dfx“: meine erste 3D-Beschleunigerkarte war zwar eine ATI Xpression+, aber als ich mir dann 1997 die „Voodoo“ holte, erreichte meine damalige Kiste (Pentium 60, 1GB HDD, 16 MB RAM) eine ganz neue Dimension. Nvidia war damals noch ein Häufchen Elend, Matrox stand damals noch für Bildqualität erster Güte und das „3D“-Zeitalter war noch nicht ganz eingeläutet. „Glide“ hieß die Schnittstelle der Wahl, noch unter DOS (!) wurden Spiele richtig aufgepeppt.  Tomb Raider und Fatal Racing hießen die Heldenspiele, um Shader und Pixelpipelines, Stromverbrauch und HD-Auflösung war nicht zu denken – es war alles ein „bisschen“ einfacher und machte dennoch viel Spaß.

Eines meiner besten Mainbards nannte sich „KX7-333“, es kam von „Abit“, einem schon damals legendären Hersteller (bekannt geworden durch BH6 und BE6). Was viele nicht wissen: Abit war der erste Hersteller mit dem „Fatal1ty“-„Gütesiegel“, lange bevor Zalman und OCZ Herrn Wendel unter Vertrag nahmen (wie auch immer das dann konkret aussah). Doch zurück zum KX7: es war das letzte puristische Mainboard, es hatte weder OnBoard-Sound noch einen Netzwerkchip, dafür aber Mounting-Holes (SockelA-Insider wissen worum es geht), ein tolles BIOS und eine prima Stabilität, für Übertakter war es ein Träumchen. Heute sind selbst 50€-Bretter vollgestopft, sie haben keinen Charme, dafür aber AMI-BIOSe.

Auch „Chaintech“ war früher eine große Nummer in Sachen Mainboards: bunte, flotte, solide Teile – heute gibt’s nur nur noch SSDs  und RAMs. Apropos bunt: „Soltek“ hatte früher nicht nur die schönsten Kartons, sondern auch güldene PCBs, da wusste man gleich, was man in Händen hielt und auch wenn die ElKos nach 2 Jahren ihren Dienst quittierten, hatte man noch etwas, was man sich in die Vitrine stellen konnte. „Eye Catcher“ der Extreklasse, lang bevor Modding-und „Gamer-Tower“ mit gespielter Individualität den Markt überfluteten.

Auch das Aus von Epox und dem dt. Ableger Enmic (1.8.2008) war mehr als bedauerlich:  mit AM2 war dann Schluss, Epox war nicht fähig, sich an die neuen ROHS-Richtlinien zu halten, eigentlich ein Unding und zu Recht waren Übertakter sauer, denn Epox baute noch Boards, die hielten, was sie versprachen. Spannungen weit über die Schmerzgrenze gesetzt, Takt hoch und testen, testen, testen, sich dann freuen, dass die Kiste echt stabil lief.  Epox 8RDA3 sowie Enmic 8NAX+ waren quasi die einzigen Mainboards, die bei voller Speicherbestückung und Übertaktung keine Zicken machten, in einer Zeit, als MSI und ASUS DualChannel automatisch abschalteten und/oder keine flotten Timings mehr zuließen.

Als 2009 OCZ die Produktion von Luftkühlern einstellte, waren viele überrascht, denn z.B. das Dickschiff „Vendetta 2“ , (den ich mein Eigen nenne) waren kein schlechter Kühler, im Gegenteil sogar: leistungsmäßig war er top! Der „Gladiator Max“ war dann der Weisheit letzter Schluss, danach war Schicht im Schacht. Letztes Jahr nun kündigte OCZ an, keinen RAM mehr herzustellen – OCZ ohne RAM? Das war über Jahre hinweg das Kerngeschäft! Riesige Produktpalette, für jeden was, OC-Wettbewerbe – alles aus, nur nicht SSDs und Netzteile.

Kennen Sie noch QDI ? Bis 2004 stellte man noch Mainbaords her, das ein oder andere gute war sogar darunter, jetzt gibt’s nur noch Speicher.  Shuttle stellte früher auch leckere Bretter her, das AK35 ist eine kleine OC-Legende, aber dann ging es bergab, das AK38n  war dann schon eher ein Rundumärgernis.

Tja, MoBo-Hersteller … meinen Mainboardwahnsinn Teil 4 versteht kaum noch einer, der nicht vor mind. 8 Jahren schon in der Szene war. „Soyo? What’s that? Do you mean Soja?“

 

JS für Orthy.de, C2011

3 Antworten auf „Hardware-Nostalgie“

  1. Ist halt so. Das Geld verdient man nicht mit „Enthusiasten“, sondern mit Komplett-PCs. Und je mehr auf einem Mainboard schon drauf ist, umso leichter das Design und umso kostengünstiger. Daher gibts heute All-in-One-Breddln. Und dieser Trend wird sich fortsetzen. Immerhin träumen die Hersteller heute schon von SoC-PCs.
    PCO

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