Das Ende von zu Guttenberg (?)

Nun also doch: zG tritt zurück – wer hätte das gedacht? Viele? Ja!
Noch gestern herrschte in der Führungsspitze der CDU/CSU Einigkeit über den Verbleib von zG – es erinnerte aber schon ganz klar an die ach-so-demonstrativen Treueschwüre, die oft vom Vorstand eines Fußballvereins vor der Entlassung eines Trainers abgesondert werden – Politik ist eben auch ein Spiel, wenn auch eines, welches in einer ganz anderen Dimension stattfindet. Inwieweit Bundeswehrtrainer zG in den letzten Tagen einen Verlust der Treue des Vorstandes fühlte, ist noch offen, aber es wird kein Jahr dauern, da wird eine Autobiographie erscheinen – natürlich mal wieder eine, auf die man prima verzichten könnte.

Wie der ganze Skandal hat aber auch der Rücktritt einen üblen Nachgeschmack verpasst bekommen, der Chefkoch ist wieder zG, denn mit Äußerungen wie „Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten“ macht sich zG zum Märtyrer. Als  „mangelhafte Medienkompetenz“  würden es die einen bezeichnen,  „unglaubliche Aroganz“ würden es die anderen nennen. Dass genau Herr zG höchstselbst der Medien liebstes Kind war, alles hierfür tat, schon gar nicht mehr mit der Springer-Presse kuschelte, sondern sie schon quasi heirate, blendet zG schlicht und einfach aus. Deshalb beschwert er sich auch über die „dramatische Verschiebung“ der Berichterstattung – ein Schlag ins Gesicht der Soldaten, der Demokratie und des ehrlichen Bürgers.

Ob zG so naiv oder „nur“ verblendet war, ob er schlicht nur hoffte oder ob ihm ganz gezielt Hoffnungen gemacht wurden, bleibt vorerst ungeklärt, aber nachdem am gestrigen Tage sowohl der Doktorvater als auch dessen Nachfolger klare, harte Worte fanden, und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Biedenkopf, der, aus welchen Gründen auch immer, eine Art moralischer Kapazität darstellt,  auch kein Blatt vor den Mund nahm und zu allem Überfluss auch noch die Authoren der zG-Biographie ganz klar von „Vorsatz statt simpler Fehler“ in der Doktorarbeit sprachen,  zG als  Übertreiber und Euphemisten darstellten, wurde zG wohl klar, dass es eben nicht so weiter geht, wie er sich das (wie auch immer) vorstellte.

Biedenkopf erklärte in dem TV-Interview übrigens auch, dass er zG empfohlen hätte, sein Amt frühzeitig aufzugeben, um „ins Glied zurückzutreten“ und dann in ein paar Jahren wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Genau das wird zG auch, denn auch wenn zG so manches nicht weiß, eines wohl aber doch: das Wahlvolk ist vergesslich und hierin liegt das Angriffsziel für jeden guten Politiker. Ob zG durch das Herauszögern, die Salamitaktik und die neuerlichen Fehler nicht vielleicht nur ein paar Jahre, sondern womöglich deren 10 oder 20 „warten“ muss, kann noch nicht beantwortet werden, denn mit der Aufgabe des Amtes hat zG vorerst nur noch mehr Schaden von der CDU/CSU abgewendet, nicht aber den Skandal als solchen beendet. Die Blogs, die Kritiker, die Untersuchen – es geht erst einmal straff weiter.

„So weiter“ geht es auch erstmal mit der peinlichen Vorstellung der Bundesregierung und der CDU/CSU: CSU-Chef Seehofer kommentierte den Rücktritt mit den Worten „Guttenberg ist ein herausragender Politiker und war ein ausgezeichneter Verteidigungsminister.“  und beweist damit abermals, wie herrlich falsch er so herrlich oft liegt.  BaWüs Ministerpräsident und Wasserwerferfreund Jürgen Mappus meinte sogar „Er verdient großen Respekt.“ und der Chef der Schleswig-Holstein-CDU, der bisher und aus gutem Grunde weithin unbekannte Christian von Boetticher kommentierte: „Mit zu Guttenberg verliert das Bundeskabinett einen schwer zu ersetzenden Leistungsträger.“ Die CDU/CSU findet also mal wieder nicht nur nicht die richtigen Worte, sondern sogar die falschen.  Bundesverkehrsminister Ramsauer (natürlich CSU) steht sogar sichtlich unter Schock und ist nicht fähig, sinnvolle Aussagen herauszubringen. Mit der Andeutung, er könne ja eventuell zGs Nachfolger werden, wurde Ramsauer komplett aus dem Konzept gebracht und ließ sich zu er Aussage „Das mute ich meiner Familie nicht zu. Meine Kinder sind zu klein, um jetzt nur noch in gepanzerten Wagen herumzufahren.“ hinreißen. Hinter dem liebevollen Beschützervater erkennt man hier ganz klar einen ängstlichen Menschen, der nicht weiß, wovon er spricht , denn dass seine Kinder im gepanzerten Benz oder BWM zur Schule fahren müssten, ist nicht nur kein Problem, sondern auch so und so absolute Normalität.

 

JS für Orthy.de, C2011

2 Antworten auf „Das Ende von zu Guttenberg (?)“

  1. Tja, Westerwelle hat vor einen knappen halben Jahr ja „mitbekommen“, dass er sich besser um seinen Job als AM kümmern soll – seitdem ist es ruhig um ihn. Bei S21 sieht’s ähnlich aus, in den Talk-Runden wird das Fass Merkel nicht so richtig ausgemacht, TdM ist ein ganz Ruhiger, der ist selbst bei der Opposition angesehen (und das im Superwahljahr, was ja schon was heißt) – ich persönlich tippe ja auf Brüderle, der wird ihm Rahmen des anstehenden „Benzin-Gipfels“ sicher einige Brüller rauslassen, aber der Mann wird andererseits so und so nicht ernst genommen.
    Also warten wir es ab 😉