Mein Traumberuf – Spitzenpolitiker

Man kann ja über das „Was wäre wenn?“ oder das „Warum? Weshalb? Wieso?“ streiten. Man kann über „Recht und Unrecht“, über „Fähig oder Unfähig“ oder „gutes oder schlechtes Krisenmanagement“ diskutieren. Über „Vertrauen und Misstrauen“ könnte man polemisieren. Mir persönlich ist nur permanent die Frage durch den Kopf gegangen: „Wie unterhalten sich diese Leute miteinander?“ Warum fällt eine AM über einen Ihrer Spitzenpolitiker nicht her wie die Hyäne über das Aas? Warum schmeisst sie ihn nicht raus? Sie scheint ihm nicht einmal böse zu sein. Sie stellt sich „hinter ihren Mann“, der angeblich immer noch „einen guten Job macht“.

Dialog

CTzG: „Hey Boss, ich hab wieder einmal Mist gebaut!“
AM: „Ach? Da müssen wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten.“
CTzG: „Naja, hab bei meiner Doktorarbeit da wohl ein paar Ghostwriter nicht richtig instruiert.“
AM: „Ach weisst Du, Du machst einen tollen Job, Du darfst bleiben! Wir werden eine Lösung finden. Aber wieso machst Du auch so einen Quatsch? Haben wir Dir nicht genug bezahlt?“
CTzG: „Naja, Uni hat mir nie so richtig Spaß gemacht, aber Papa wollte, dass ich studiere. Und nachdem ich nur das erste Staatsexamen hinbekommen habe und dann wirklich mehr Bock auf Familie und Aristrokratsein hatte, da hab ich mir überlegt, dass man so eine Disseration schreiben könnte. Natürlich hab ich mir auch damit viel Zeit gelassen, immer drauf gewartet wenn der Stress nachlässt. Und als er das halt nicht tat, hab ich ein paar Studienkollegen… naja…“
AM: „Aber das ist doch menschlich, völlig okay. Die haben sich nur alle.“
CTzG: „Aber, als ich die Dienstreise nach Lügien gemacht habe, mit meiner Frau und ein paar Kumpels vom Fernsehen … “
AM: „Ach naja…“
CTzG: „…  fürs Image, nicht für die Firma!“
AM: „Na und? Du machst Deinen Job gut! Sei doch froh! Mit vereintein Kräften finden wir auch in dieser schwierigen Zeit eine Lösung, die alle zufrieden stellen wird.“
CTzG: „Also ich muss mir eingestehen, das Krisenmanagement, als mein Azubi aus der Takelage gefallen ist,… “
AM: „Junge, das hat halt mal nicht hingehaun. Vergessen und vergeben! Wenn keiner mehr darüber redet, so habe ich Dir immer gesagt, dann haben wir unsere gemeinsame Lösung schon gefunden.“
CTzG: „Und das Konzept die Wehrpflicht abzuschaffen. Naja, das war auch nicht direkt meine Idee!“
AM: „Wird  uns aber viel Geld sparen! Ich mag das. Endlich einer der es anpackt! In Sachen der Haushalte müssen wir gemeinsam eine Lösung erarbeiten, welche sozial und politisch … “
CTzG: „Ich glaube ich bin aber nur deshalb damit durchgekommen, weil ich so eine hohe Einsparung versprochen habe. Ich glaube kaum, dass ich 20% aller Kosten durch abschaffung aller Sklav… sorry, Wehrpflichtigen in der Abteilung sparen kann. Insbesondere, weil wir den entstehenden personellen Engpass mit mindestens 10% mehr Fachpersonal aufstocken müssten. Nur will ja auch keiner in die Armee mehr, seit das dort gefährlicher ist als auf dem Bau. Ich hoffe ich bin nicht mehr Verteidigungsminister, bis das einer merkt!“
AM: „Mach Dich nicht klein, Du machst einen tollen Job. Und wenn es so weit ist, werden wir gemeinsam eine Lösung finden.“
CTzG: „Neulich hat mich der Kurt gefragt, der von der Opposition, was ich denn nun wirklich bewegt hätte. Mir ist nichts eingefallen.“
AM: „Du hast echt geiles Marketing für Deine Truppen gemacht. Nie wurde der Tot von Mitarbeitern von mehr Leuten gleichzeitig betrauert, ohne dass der Minister gehen musst. Das verdient Respekt!“
CTzG: „Moment, das ist aber auch nicht meine Schuld!“
AM: „Aber Deine Verantwortung! Da wirst Du eine Lösung finden müssen.“
CTzG: „Stimmt natürlich. Ich hätte mich anders einsetzen können. Mich stark machen. Mal eine kontroverse politische Einstellung vertreten…“
AM: „Ach komm, das hätte gar nicht zu Deiner Frisur gepasst!“
CTzG: „Am Anfang, da war ich ja Revolutionär, aber jetzt….“
AM: „Na Du arbeitest Dich halt noch ein.“
CTzG: „Über ein Jahr?“
AM: „Mach Dir nichts draus, Du bist jetzt Verteidigungsminister!“
CTzG: „Ein Job für Männer mit Schneid und Format!“
AM: „Nein, das war glaube ich nicht der Grund!“
CTzG: „Mein universeller Intellekt, meine Kühle und sachliche Bewertungsweise?“
AM: „Nein.“
CTzG: „Mein gutes Aussehen, mein Marketingtalent?“
AM: „Leider nicht!“
CTzG: „Aber Du hast doch gesagt, es wäre genau der richtige Posten für mich!“
AM: „Richtig!“
CTzG: „Warum?“
AM: „Nenne mir einen Minister der nach dem Verteidigungsminsterposten noch irgend ein höheres Amt bekleidet hatte?“
CTzG: „Franz Josef Strauß.“
AM: „Gelang danach kein Steinwurf mehr und versauerte ab 1978 in seinem Bayern und sorgte jährlich für einen Skandal, … “
CTzG: „Helmut Schmidt.“
AM: „Der zurückgetrene SPD-Kanzler, der nach seiner Amtsphase auch nichts mehr ausser Bücher gebracht hat. Gut vom Start weg. Einer der wenigen, denen das Amt nicht sehr geschadet hat.“
CTzG: „Und?“
AM: „Struck – weg. Jung – weg. Scharping – weg. Rühe – weg…“
CTzG: „Aber wieso? Wieso ich? Ich hatte Visionen! Ich hatte Ideen! Ich bin beliebt! Ich wurde von der BILD als Kanzler gehandelt!“
AM: „Genau!“
CTzG: „Ich hätte in Partei und Volk Zuspruch gefunden! Auch auf internationalem Parkett ein echtes Aushängeschild. Unabhängig von jeder politischen Leistung.“
AM: „Richtig!“
CTzG: „Nicht wie…“
AM: „Ich  – genau!“
CTzG: „Du wolltest das mir das Amt schadet?“
AM: „Richtig!“
CTzG: „Und das Plagiatsproblem…“
AM: „Trat pünktlich nach den Wahlen in Hamburg, aber zu Beginn des Superwahljahres auf.“
CTzG: „Zufall?“
AM: „Sagen wir mal so: Meine Amtskollegen und ich, wir mussten gemeinsam eine Lösung finden!“

Reine Spekulation, aber CTzG hat seine politische Karriere quasi beendet und seinen guten Ruf und seine berühmte politische Glaubwürdigkeit zerstört. Sein einziges Ass im Ärmel ist nun noch seine Beliebtheit. Der einzige Grund, warum man ihn jetzt noch nicht raus jagen kann. Ich denke es wird in nächster Zeit viele Berichte über berufliches und privates in bekannten Boulevardblättern und -magazinen über ihn geben.
Kanzlerkandidat wird er jedoch nicht mehr.

Das Intriegenspiel…

Es ist der perfekte politische Clou. Die Opposition wird nichts gegen die öffentliche Hinrichtung des hoffnungsvollsten Politikertalents der CDU/CSU haben.
Eingeführt, als das Kabinett um Angela Merkel so beliebt war, wie Pusteln, Frau Merkel mit eingeschlossen, gab CTzG dem Kabinett einen gewissen Glanz und Schneid zurück. Diese Aufgabe hat er leider übererfüllt und wurde somit zum Problembär für jeden, der bei der nächsten Wahl als Kanzler antreten wollte.
Aber ab vom politischen Kabarett, hat sich der „Skandal“ um seine Person anfänglich in der Presse abgespielt – und zwar nur dort. Klar, die Opposition hat sich darauf gestürzt, aber insgesamt war die politische Reaktion sogar recht verhalten. Nach dem Eklat ist nicht vor dem Eklat, denn war CTzG bis dahin auf alle Medien angewiesen, ist er dies nun nicht mehr. Seriöse Blätter werden versuchen als erste die „große und gesamte Wahrheit“ zu bringen. Stern und Spiegel werden über Monate ihre Seiten vollschreiben können. Aber es gibt nur eine Hand voll Printmedien, welche nebenbei alle zum selben Verlagshaus gehören, die jetzt bereit wären nur noch positives über Herrn CTzG zu schreiben und ihm somit den politischen Hintern zu retten. Man stelle sich vor, sie schaffen es, dass CTzG doch noch Kanzlerkandiat wird. Sein Dank wäre ihnen gewiss.
Am „Tag nach dem Skandal“ trat Herr CTzG vor „eine kleine Auswahl an Pressevertretern“ und ließ die Bundespressekonferenz sausen. Von welcher Presse waren diese Vertreter und woher wussten sie, dass sie gar nicht zur Bundespressekonferenz zu erscheinen brauchten?

Es ist mehr als wahrscheinlich, aber weniger als beweisbar, dass da im Hintergrund jemand die Strippen in der Hand hatte. Wer mit so hohem Einsatz pokert, hat meistens etwas in der Hand.

… mit der Gerechtigkeit

Und trotzdem ist CTzG nicht freizusprechen. Jeder unserer Politiker hat Dreck am Stecken. Leider eine politische Realität. Es ist schwierig in einer solchen Welt mit einem Saubermannimage aufzutreten. Unmöglich wird das aber, wenn man mit diesem Image dann tatsächlich eine derartige Leiche im Keller hat. Eine Dissertation, einen Doktortitel zu erschummeln ist kein Kavaliersdelikt. Man versichert am Ende jeder solchen Arbeit, sei es Magister, Master, Diplom oder Dissertation, dass man sich an die Regeln und Normen, welche mit einer wissenschaftlichen Erarbeitung einhergehen hält. Die gemachten Vorwürfe als „kleinen Fauxpas“ oder „Ausrutscher“ durchgehen zu lassen, wäre, als würde man einen überführten Millionenbetrüger wieder gehen lassen, nur weil er so ein netter Typ ist.
Wie wenig sich CTzG mit seiner eigenen „Doktorwürde“ auskennt, deutet schon an, dass er seinen „Doktor ruhen lassen“ wollte. Das ist schon rein technisch nicht möglich. Der Doktor ist ein Titel, ein Teil seines Namens, eine Qualifikation. Man ist es, oder man ist es nicht. Hat man ihn sich erschlichen, ist man es nicht. War man ehrlich, ist man es. Man kann ihn nicht Ruhen lassen. Die Entscheidung über Sein oder Nichtsein, trifft man nicht selbst. Allein das Angebot war ein schlag ins Gesicht aller Wissenschaftler, welche ihren Doktor „auf ehrlichem Wege“ erbracht haben.

Darum ist Herr CTzG auch nicht zur Bundespressekonferenz erschienen. Dort wären die Fragen nämlich unangenehm geworden und „Ruhen lassen“, wäre wohl auf einige fragende Gesichter gestoßen.

Ist der Mann eigentlich dumm, oder bin ich das?

Das ist eine provokative Frage, doch schaut man sich die ersten Reaktionen von CTzG an, muss man sich diese unbedingt stellen. Er beteuert Unschuld, gesteht kleine Fehler, aber keine großen und schwört das es sich am Ende alles in Wohlgefallen auflösen wird. Und dies bei einem „Medienminister“ der wissen müsste, dass seine Doktorarbeit nun reißenden Absatz finden dürfte und von jedem selbsternannten Revisior minutiös filetiert wird.

Wäre mir persönlich klar gewesen, was für ein „Ding“ ich mir da gerade geleistet habe, ich hätte mich im Sumpf der Reue gesuhlt. „Ich war jung. Ich brauchte das Geld! Ich habe es getan, ich hatte Gründe. Ich werde dafür gerade stehen!“ Es hätte ihm und seiner Karriere geschadet, aber es wäre das gewesen, was jeder Politiker in seiner Situation irgendwann getan hätte. Nichts davon aber tat CTzG. Er wähnte sich in Unschuld, bereute wenig und versprache (wie immer) Aufklärung. Die wiederum reißt ihn nun immer tiefer rein.
Also noch interessanter als die Frage nach dem überraschenden Zeitpunkt des Aufdeckung, ist die Frage, warum es Herrn CTzG so eiskalt erwischt zu haben scheint?

Resümierend ist die Dissertation die politische Feuertaufe für CTzG gewesen. Nun ist er im Klub! Er ist nun nicht mehr nur schleimig mediengeil, ein bewanderter Dampfplauderer der fehlende Ideale hinter vorhandener Polemik versteckt. Ab jetzt ist er ein verlogener Politiker, eine zwielichtige Gestalt, welche sich in Zukunft ungeniert über die Verlogenheit anderer Kollegen entrüsten darf, ohne dabei ernst genommen zu werden und ob gewollt oder nicht, jetzt ist er endgültig zur Marionette der Medien geworden.

Der nächste Wahlkampf erfolgt auf Augenhöhe.

Es sind nicht die Menschen, die das System schlecht machen.

pco(2011)

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