Der große HD5770-Kühlerratgeber

Kühler-Spielchen

 

Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, die Karte zu quälen, auch damit ersichtlich wird, wie gut bzw. schlecht der Standardkühler ist, was man modden kann und wie sich einige Alternativkühler schlagen.

Der „FurMark“ ist wie immer der Brutalo unter den Tests, quasi jede Karte kann an ihre Belastungsgrenze getrieben werden, da macht die HD5770 keine Ausnahme. Selbst bei 40% Lüfterdrehzahl arbeitet die Karte an der Kotzgrenze, bei 19°C Raum-Temp zum Testzeitpunkt zeigten Shader- und MemIO-Sensoren schnell Werte an, bei denen es sich empfielt, den Testlauf abzubrechen. Als Grenze setzte ich für den Speicher 80°C (also DeltaT 61 Grad Kelvin), da die verbauten Samsung-GDDR5-Chips für diesen Wert (zumindest nach Erfahrungswerten) als Höchstgrenze spezifiziert sind. Was die Temp-Schlacht en Detail ergab, zeigen folgende Diagramme.

Testsystem: Powercolor AX5770 1GBD5-H/R84FH-TI3, OCZ Vendetta2 mit Coolink SWIF2 120P @ 550 RpM, 4GB OCZ Gold 1066, 550W OCZ Fatal1ty mit Phobya Nano-G14, NZXT Zero2 mit zwo Xencore Carboon im Heck, Seitenteil offen, Raum-Temp: 19°C, Angaben in DeltaT Grad Kelvin, Einheizprogramm: FurMark 1.8.2 (Extreme Burning Mode, Fullscreen, 1280×1024, 2xAA)

 

Stock-Kühler samt Lüftermod

 

modifizierter Xigmatek BiFrost

 

Titan TwinTurbo samt Lüftermod

 

Zerotherm Hurricane HC92Cu samt Lüftermods

 

 

 

Zalman VF900

 

Coolermaster CoolViva Pro SE

 

Die Standardkühler sind nichts für den Silent-Betrieb, so bleibt erst bei 60% der Maximaldrehzahl die Powercolor im halbwegs sicheren Temp-Bereich. Der mit 92mm-Lüftern gemoddete Stock-Cooler (Enermax Twister Everest (bis 1500 RpM) und Xilence Redwing (2500 RpM)) enttäuscht ganz klar, zwar ist das Betriebssgeräusch (mit dem Everest!) natürlich erstklassig, aber der aufgebaute statische Luftdruck reicht nicht aus. Allein mit dem Redwing (alles andere als leise) sind die Temps OK. Der Titan TwinTurbo kühlt schon eine Ecke besser, vor allem leiser, aber die Speicher-Temp sind unbefriedigend hoch (warum auch immer, es gelang nicht, gescheite Werte zu erreichen). Das Ersetzen der beiden Standard-Quirle durch einen Scythe Slipstream 500 funktionierte gut, mit einem 800er Modell sollten die Werte nochmal ein ganzes Stück besser sein (v.a. die MemIO-Temp). Wirklich zufriedenstellend, ja sogar „richtig gut“, sind die Temps dann mit dem heftig verbastelten Xigmatek BiFrost – hier ist dann ein quasi unhörbarer Betrieb möglich. Der Aufwand lohnt sich, auch wenn man am Gehäuse zwo Slotblendenstreben entfernen muss.
Als wahres Kühlmonster stellt sich der Zerotherm HC92Cu heraus, obwohl er recht kompakt ist, kühlt er besser als der an sich in allen Belangen überlegene BiFrost. Es zeigt sich, was H.D.T. an Leistung kosten und was der brachiale 92mm-Lüfter des Zerotherms leisten kann. Selbst bei Minimaldrehzahl ist der Lüfter klar zu hören, alles ab rund 1500 RpM ist dann schon echt nervig, auf Vollgas herrscht ein Orkan. Mit einem Silverstone AP121 versehen wird es natürlich deutlich leiser, allerdings leidet auch die Leistung signifikant, da der engrippige Kupferkühler ja nach viel und v.a. direkt zugeführter Frischluft giert, ein 120er Lüfter zudem viel Luft schlicht und einfach „vorbeipustet“. Einen gescheiten 92mm-Lüfter reinzubasteln, ist eine aufwändige, aber sehr lohnenswerte Idee, denn schon bei mittleren Drehzahlen bringt der kompakte Kupferkühler erstaunlich viel Leistung. Es ergibt sich eine prächtige Kombination, die wirklich äußerst empfehlenswert ist. Beim Oldie namens Zalman VF900 beweist sich dann, dass dieser endgültig zum alten Eisen gehört: beim FurMark wird deutlich, dass die beiden Heatpipes und die geringe Kühloberfläche eine 100W-Karte nicht kühlen können, unter Normalbedingungen (Spiele) kommt der VF900 auch an die Leistungsgrenze. Kurz gesagt: zwar schön kompakt, aber eben recht schlapp, daher nicht wirklich sinnvoll.
Eine kleine Überraschung ist der CoolViva Pro SE, dessen skurriles Design und ausladende Bauweise auf den ersten Blick abschrecken mögen, doch selbst gedrosselt bietet er eine gute Kühlleistung. Der Lüfter ist natürlich kein Superleisetreter, aber hey: den Kühler gibt’s bei eBay für ein paar Euro und deutlich leiser als der Stock-Cooler ist der Pro SE allemal. Mit einem Wort: Schnäppchen!

Der FurMark stellt natürlich eine Ausnahmesituation dar, daher soll auch mal ein Blick auf „Normalanwendungen“, also Spiele und ein paar „harmlose“ Benchmarks, geworfen werden. Die Powercolor wurde leicht übertaktet (875 / 1250), der 3DM Vantage lief mit Standard- Einstellungen, Unigines „Heaven“ Benchmark lief im 60-Minuten-Loop (2x AA, 4x AF, HQ) unter WinXP im DX9 und unter win7 im DX10-Modus, JustCause2 mit individuell für das Testsystem angepassten Einstellungen (2x AA, 4x AF, überwiegend HQ) und der „frost“-Bench von Crysis Warhead mal in LQ und mal in HQ. Summa Summarum also ein netter kleiner Bummel durch praxisnahe(re) Anwendungen, eine kleine Stichprobe.

Sämtliche Werte schauen schon deutlich freundlicher aus, abermals beweist sich, dass unter Normalbedingungen das Kühlen einer GraKa deutlich leichter fällt. Man kann davon ausgehen, dass die 1GB-Version der HD5770 bei Spielen runde 85 Watt verbaucht, im Furmark hingegen etwas über 100 Watt. Die Differenz schlägt sich massiv bei den Temps nieder: beim DisplIO mind. 5 Grad, bei Shader- und MemIO teils bis zu 15°C.

 

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